Paderborn – Einen Meilenstein der Computergeschichte können Besucherinnen und Besucher mit der Whirlwind ab sofort im Heinz Nixdorf MuseumsForum (HNF) in Paderborn in Augenschein nehmen.
Der Whirlwind war der erste Computer mit Echtzeitverarbeitung, Magnetkernspeicher, Bildschirm und einer Computeranimation. Um 1950 ging er in Cambridge/Massachusetts in Betrieb. Hauptnutzer war das Militär, das Abfangrouten für Flugzeuge berechnete.
Originale Artefakte einer Zehn-Tonnen-Maschine
Komponenten dieses legendären Rechners sind auf Dauer im 2. Obergeschoss des HNF zu sehen. Dort finden sich einige Bauteile des Whirlwind, die aus dem Computer History Museum in Mountain View im Silicon Valley ausgeliehen wurden. Der gesamte Whirlwind wäre zehn Tonne schwer und würde 230 Quadratmeter Platz beranspruchen. „Wir sind sehr stolz und glücklich, dass wir diese originalen Artefakte eines der wichtigsten Rechner der Computergeschichte nach Paderborn holen konnten,“ freute sich HNF-Geschäftsführer Dr. Jochen Viehoff bei der ersten Präsentation. „Ursprünglich befanden sich die Objekte im Bostoner Computermuseum und kamen nach dessen Schließung ins Computer History Museum im Silicon Valley, mit dem wir ebenso wie mit dem MIT Museum in Cambridge/Mass. seit Jahren zusammenarbeiten. Diese Kontakte und die Unterstützung des Experten Guy Fedorkow vom MIT Museum haben schließlich zur Leihe an das HNF geführt. Damit sind die Whirlwind-Teile unserem Wissen nach erstmals außerhalb der USA zu sehen.“
Wegbereiter für frühe Computerspiele
Ausgestellt sind ein Kernspeichermodul, mehrere Rechner-Module und Anzeigen-Elemente sowie ein Steuerpult und als besondere Attraktion ein Lichtgriffel, der als Eingabegerät fungierte. Der Lichtgriffel (Light Gun) war ein frühes Zeigegerät, mit dem helle Punkte auf einer als Monitor dienenden Radarröhre angewählt werden konnten. Nach der Weiterentwicklung in Stift-Form fand dieses Zeigegerät breite Anwendung in kommerziellen Bereichen wie dem computergestützten Design (CAD) oder Computerspielen der 1970er- und 1980er-Jahre.
Eine Multimediastation ergänzt die Installation mit Informationen. Original-Software wird an einem anderen Bildschirm demonstriert: Die Animation eines springenden Balls, die Flugabwehr, aber auch frühe Computerspiele wie Tic-Tac-Toe oder Blackjack können an dem Demonstrator von den Besuchern ausprobiert werden.
Militär und Raumfahrt
Der Whirlwind ist ein typisches Beispiel für die rasante Entwicklung der Computertechnologie in den USA der Nachkriegszeit. Militär und Raumfahrt förderten diese Technologie in hohem Maße. Ein Team um Jay Forrester und Robert Everett entwickelte den Whirlwind ab 1944. Ursprünglich als Flugsimulator für die Navy entworfen, konnte er erstmalig Daten parallel und in Echtzeit verarbeiten.
Der 1947 von Freddie Williams und Tom Killburn erfundene CRT-Speicher genügte bald nicht mehr den Anforderungen, sodass Forrester ab 1949 eine neue Technologie entwickelte. 1953 stellte er zwei Kernspeichermodule fertig. Solche Kernspeicher arbeiteten sehr zuverlässig und eigneten sich daher später sehr gut, um in der Raumfahrt verwendet zu werden. Auch die ersten Rechner von Heinz Nixdorf aus den 1950er/60er-Jahren verfügten über Kernspeicher, wozu auf Drähten aufgefädelte magnetische Ringkerne eingesetzt wurden, die jeweils ein Bit speicherten.
Zwei weitere wichtige Entwicklungen des Whirlwind-Projektes waren der Lichtgriffel und ein Luftraumüberwachungsprogramm. Beides setzte die Air Force ab 1952 im SAGE-Projekt ein. Die Whirlwind-Bauteile sind in der Dauerausstellung des HNF zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen: dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, am Wochenende von 10 bis 18 Uhr.















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