Skulptur Projekte 2027 erobern die Stadtteile: Noch ist es ruhig in Kinderhaus, auf Berg Fidel oder im York-Quartier. Doch in knapp einem Jahr könnten genau diese Orte zu den spannendsten Kunstadressen Europas gehören.
Die Skulptur Projekte Münster 2027 verlassen bewusst ihre vertrauten Wege. Neben der historischen Innenstadt rücken erstmals Stadtteile in den Mittelpunkt, die sich verändern und ihre ganz eigenen Geschichten erzählen. Rund ein Jahr vor der Eröffnung haben die Veranstalter jetzt die ersten Künstlerinnen und Künstler sowie einige Standorte vorgestellt.
Seit ihrer Premiere 1977 haben die Skulptur Projekte Münster Kunstgeschichte geschrieben. Alle zehn Jahre laden sie internationale Künstlerinnen und Künstler ein, Arbeiten speziell für den öffentlichen Raum zu entwickeln. Viele Werke verschwinden nach Ende der Ausstellung wieder, andere sind längst zu Wahrzeichen der Stadt geworden. Die sechste Ausgabe vom 13. Juni bis 3. Oktober 2027 feiert zugleich das 50-jährige Bestehen der weltweit renommierten Ausstellung. Der Anspruch ist hoch und die internationale Aufmerksamkeit auch. Im kommenden Jahr möchte man nicht nur Münster einmal wieder aufrütteln, sondern die ganze Kunstwelt. Die Stadtgesellschaft ist gespannt, man hat inzwischen gelernt mit Provokationen und Aufregern umzugehen.
Die künstlerische Leitung liegt erstmals beim Kuratorinnenkollektiv What, How & for Whom (WHW) mit Ivet Ćurlin, Nataša Ilić und Sabina Sabolović. Ihr Konzept beginnt nicht bei markanten Plätzen oder spektakulärer Architektur. Es beginnt bei den Menschen und ihren Lebensräumen. Die Kuratorinnen fragen, wie offen eine Stadt für unterschiedliche Erfahrungen und Lebensentwürfe ist. Deshalb rücken sie bewusst Stadtteile wie Kinderhaus, Berg Fidel und das York-Quartier in den Fokus. Dort entstehen viele der neuen Arbeiten gemeinsam mit Initiativen, Einrichtungen und Bewohnern.
Fünf Künstlerinnen und Künstler stehen bereits fest.
Im Gut Kinderhaus entwickelt die polnische Künstlerin Iza Tarasewicz ein Projekt, das sich an den Jahreszeiten und den Abläufen eines Bauernhofes orientiert. Menschen, Tiere und Natur stehen dabei gleichermaßen im Mittelpunkt. Das ehemalige Hofgelände wird heute von einer Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für Menschen mit Behinderungen genutzt.
Mitten in der Altstadt arbeitet der britisch-guyanische Künstler Hew Locke im Krameramtshaus, dem Haus der Niederlande. Seine Installation beschäftigt sich mit Erinnerung, Macht und den Geschichten, die hinter Denkmälern und historischen Orten stehen.
Auf dem ehemaligen Hörster Friedhof gestaltet die bosnische Künstlerin Selma Selman eine Installation, die von Familiengeschichte, Herkunft und weiblichen Perspektiven ausgeht. Dabei verarbeitet sie Materialien, die andernorts längst als Schrott gelten würden.
Gleich zwei Orte verbindet die ungarische Künstlerin Roza El-Hassan miteinander: den Botanischen Garten am Schloss und den Stadtteil Berg Fidel. Migration, Flucht, Schutz und gegenseitige Unterstützung bilden den Ausgangspunkt ihrer Arbeit.
Im York-Quartier schließlich zieht der kolumbianische Künstler Oscar Murillo in das ehemalige Offizierskasino der früheren britischen Kaserne ein. Sein Projekt dreht sich um gemeinsames Kochen und Teilen. Zusammen mit landwirtschaftlichen Betrieben und Bürgergruppen entsteht dort ein Ort, an dem Kunst und Alltag ineinandergreifen.
Insgesamt werden rund 30 Künstlerinnen und Künstler an den Skulptur Projekten 2027 beteiligt sein. Weitere Namen und Standorte wollen die Veranstalter in den kommenden Monaten bekannt geben. Fest steht schon jetzt: Münster bekommt im Sommer 2027 nicht nur neue Kunstwerke. Die Ausstellung wird auch den Blick auf die Stadt verändern. Denn diesmal beginnt die Entdeckungsreise nicht nur zwischen Domplatz und Aasee, sondern ebenso in den Quartieren, in denen das tägliche Leben der Stadt spielt.
















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