Heiner Wilmer ist der neue Bischof für Münster: Er kommt mit klarer Haltung und will dem Bistum Münster wieder ein Gesicht geben..
Es war dieser Moment kurz vor Mittag am gestrigen Donnerstag (26.März) im voll besetzten St.-Paulus-Dom, der hängen bleibt. Ein kurzes Innehalten. Dann der Name. Und plötzlich langanhaltender Applaus. Mit Heiner Wilmer bekommt das Bistum Münster nach über einem Jahr Vakanz wieder eine klare Stimme an der Spitze.
Papst Leo XIV. hat den bisherigen Bischof von Hildesheim am 26. März zum neuen Bischof von Münster ernannt. Er folgt auf Felix Genn, der im März 2025 in den Ruhestand gegangen ist. Die offizielle Amtseinführung ist für den 28. Juni im Dom geplant. Es ist ein Datum, auf das viele im größten deutschen Bistum warten.
Wilmer bringt eine Biografie mit, die nicht geschniegelt wirkt, sondern gewachsen. Geboren 1961 im emsländischen Schapen, aufgewachsen auf einem Bauernhof. Einer, der eigentlich bleiben sollte und dann doch ging. Mit 19 tritt er in den Orden der Herz-Jesu-Priester ein. Studium in Freiburg und Rom. Promotion in Fundamentaltheologie. Lehrer, Schulleiter, später Ordensoberer in Rom. 2018 wird er von Papst Franziskus zum Bischof von Hildesheim ernannt.
Was ihn auszeichnet, ist weniger die klassische Kirchenkarriere als sein Umgang mit Krisen. In Hildesheim hat Wilmer früh unabhängige Aufarbeitung zugelassen, Akten geöffnet, Studien in Auftrag gegeben. Er sprach offen von Systemversagen im Umgang mit sexualisierter Gewalt. Worte, die in der katholischen Kirche lange eher gemieden wurden. Und die ihm nun auch in Münster vorausgehen.
Denn das Bistum ist kein einfacher Boden. Rund 1,5 Millionen Katholikinnen und Katholiken, mehr als 22.000 Mitarbeitende, ein Haushalt in dreistelliger Millionenhöhe. Vor allem aber eine Region, die seit Jahren laut über Reformen diskutiert. Bewegungen wie „Maria 2.0“ haben hier ihren Ursprung. Fragen nach Macht, Rolle der Frauen, Umgang mit Sexualität stehen längst im Raum.
Wilmer weiß das. Und er weicht ihnen nicht aus, auch wenn er bei seinem ersten Auftritt in Münster auffällig zurückhaltend bleibt. Er spricht über Herkunft, über Glauben, über den ersten Bischof Liudger als „ruhigen Brückenbauer“. Ein Wort, das fast programmatisch wirkt.
Dann doch ein klarer Satz, der den Ton setzt. Beim Thema Missbrauch wird es still im Dom. Wilmer stockt kurz, als der Applaus ihn unterbricht. „Das darf es nie wieder geben“, sagt er. Und man spürt: Hier spricht keiner, der sich hinter Floskeln versteckt.
Münster bekommt mit Heiner Wilmer einen engagierten Kirchenmann, der zuhört, abwägt und dann deutlich wird. Wahrscheinlich ist es genau das, was diese Kirche und auch das Bistum gerade braucht. Langes Geläut trägt die Kunde in die Stadt und weit darüber hinaus. JB















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