WIB-Dinner fand zum 20. Mal in Münster statt

Das WIB-Dinner fand zum 20. Mal in Münster statt. Hinter dem Kürzel steht das Netzwerk Women in Business, das in der vergangenen Woche zum traditionellen Dinner in das historische Rathaus geladen hatte.

WIB-Dinner fand zum 20. Mal in Münster statt

Dr. Nikutta (re) mit FuU-Vorsitzender Margret Homann – Foto schindlerfotografen – Johanna Schindler

Festredner beim WIB-Dinner, einer hochkarätigen Veranstaltung war die Managerin Dr. Sigrid Evelyn Nikutta.

„Managerin ist ein Traumberuf, denn mit Macht können wir etwas bewegen“, so die Worte der Aufsichtsrätin Dr. Sigrid Evelyn Nikutta aus Berlin. Sie war im Januar Festrednerin beim 20. „Women in Business“ Dinner des münsterschen Netzwerks Frauen u(U)nternehmen (FuU). Traditionell kommen Anfang des Jahres rund 200 Managerinnen, Geschäftsführerinnen, Selbständige sowie Unternehmerinnen aus regionalen und europaweit tätigen Unternehmen beim WIB-Dinner im Historischen Rathaus Münster zusammen. Sie feiern Mut, Selbstbewusstsein und die Bedeutung weiblicher Netzwerke für Wirtschaft, Gesellschaft und Demokratie.

WIB-Dinner fand zum 20. Mal in Münster statt

Dinner im Festsaal – Foto schindlerfotografen – Johanna Schindler

Dr. Sigrid Evelyn Nikutta ist ehemalige Vorstandsvorsitzende der DB Cargo AG und war die erste Frau an der Spitze der Berliner Verkehrsbetriebe. Das Manager Magazin und die Boston Consulting Group listet sie in den Top 100 Frauen der deutschen Wirtschaft. In ihrer Rede sprach sie über ihren persönlichen Werdegang und offen über Führung und Rollenbilder. Auch über ernüchternde Zahlen: Laut AllBright-Herbstbericht 2025 für die 160 börsennotierten Unternehmen in DAX, MDAX und SDAX stagniert der Frauenanteil in den Vorständen insgesamt bei etwa 19,7 Prozent. Umso wichtiger solche Abende, die Mut machen sowie Vorbilder schaffen und Rahmenbedingungen erklären.

Dr. Nikutta plädierte für eine fundierte Ausbildung als Basis. Von dort aus könne man sich in alle Richtungen weiterentwickeln: “Psychologie war für mich das richtige Studium, obwohl es immer diskutiert wurde. Aber in Unternehmen geht es darum, Menschen zu gewinnen und zu führen. Das ist Psychologie!“ Ähnlich in der Öffentlichkeit breitgetreten – ihre modische Vorliebe für rote Hosenanzüge: „Erstaunlicherweise wurde das während meiner Vorstandszeit bei DB-Cargo immer wieder medial erwähnt.“ Ganz klar ein „wohlwollender Sexismus“, eine subtile Form der Herabsetzung und Infragestellung der Kompetenz. Gleichzeitig habe sie sich dadurch jedoch auch eine eigene Marke geschaffen. „Ich weiß nicht, ob sich dafür jemand an einen der 17 anderen Vorstände im Güterverkehr erinnern kann?“, fragt sie ins applaudierende Publikum.

WIB-Dinner fand zum 20. Mal in Münster statt

Applaus vor dem Friedenssaal zur Begrüßungsrede – Foto schindlerfotografen – Johanna Schindler

An den festlich gedeckten Tafeln des Festsaals im Historischen Rathaus saßen FuU-Vorsitzende Margret Homann (Merck Finck A Quintet Private Bank), ihre Stellvertreterin Daniela Isfort (ISFORT GmbH & Co. KG) und die FuU-Vorstandsfrauen Michaela Wernsmann (Büroservice Münster GmbH) sowie Raphaela Niewerth (Hundeschul-Konzepte). Auch dabei waren die Unternehmerin des Jahres 2025, Siggi Spiegelburg (Siggi Spiegelburg Couture), die Festrednerin 2025, Angelika Schindler-Obenhaus, Beirätin und Schirmfrau von LebensHeldin! und Barbara Jentschura (Jentschura International).

Gefeiert wurde Renate Bratz-Niggmann (VMS Veranstaltungsagentur), weil sie alle bisherig 20 Dinner mitorganisierte. So trafen sich beim WIB-Dinner Frauen aus den Bereichen Versicherung, Bankwesen, Immobilien, Medizin, Handwerk, Literatur, Soloselbständige und mehr. Frauen u(U)nternehmen ist branchen-, unternehmensgrößen- und generationsübergreifend.

Die Zuhörerinnen fühlten nach, was Dr. Nikutta am Rednerpult erzählte: „Frauen werden oft dann in Vorstände berufen, wenn Unternehmen sich in einer Krise befindet. Ist die Frau dann erfolgreich, war die Aufgabe nicht so schwer. Endet es weniger erfolgreich, war es die Frau, die es nicht gekonnt hat.“ Nikuttas persönliches Learning daraus: Dinge nicht persönlich nehmen, weitermachen und Herausforderungen ins Positive wenden – zum Unternehmertum gehören Sonne und Sturm.

Ein feierlicher Moment war der Eintrag Dr. Nikuttas in das Goldene Buch der Stadt Münster – Bürgermeister Klaus Rosenau begleitete sie in den Friedenssaal. Er war erstmals beim WIB-Dinner dabei und stellte schnell fest: „Hier treffen sich starke Frauen“. Das WIB-Dinner wurde einst aus der Taufe gehoben als weibliches Pendant zum Kramermahl der Münsterschen Kaufmannschaft, das lange Zeit ein ausschließlich männliches Treffen war. Beim Kramermahl dampft Grünkohl auf den Tellern – beim WIB-Dinner wurde im Festsaal Barbarie-Entenbrust „sous vide“ serviert.

Traditioneller Rückenwind-Geber für den Businessclub und das Dinner ist die Industrie- und Handelskammer Nord Westfalen. In diesem Jahr war Lea Helene Kerstiens aus der politischen Interessenvertretung der IHK dabei. Eine Freundin der Gleichberechtigung und eine pragmatische Netzwerkerin: „Ich empfehle immer, nach links und rechts zu schauen und möglichst viele Handynummern einzusammeln“.

Deutliche Akzente setzte FuU-Vorsitzende Margret Homann mit einem klaren Bekenntnis zu Demokratie und gegen Rechtsextremismus. Internationalen Austausch brachte eine bulgarische Delegation ein, die aus ihrem Land von einer viel selbstverständlicheren Präsenz von Frauen in Führungspositionen berichtete. Zum Abschluss appellierte Homann an mehr Mut, Selbstbewusstsein und Vernetzung – ganz im Sinne des Clubmottos 2026: „Wirtschaft. Weiblich. Weiterdenken.“

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