Salafisten sind brandgefährlich warnt der Kiepenkerl

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Salafisten sind brandgefährlich: Sie vertreten eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islam. Im Kern hat das wenig mit Religion zu tun. Salafisten nutzen den Islam lediglich als Tarnkappe für ihre Terroranschläge.

Salafisten sind brandgefährlich

Die große Mehrheit der in Europa lebenden Muslime vertritt keineswegs die dschihadistische Islam-Vision – Foto Pixabay

In Deutschland leben etwas mehr als 10.000 Salafisten – bei knapp 4,5 Millionen Muslimen eine überschaubare Zahl. Etwa 15 bis 20 Prozent von ihnen sind gewaltbereit. Der mutmaßliche Deutschland-Chef der Terrormiliz „Islamischer Staat“, Abu Walaa, ist zu einer Gefängnisstrafe von zehneinhalb Jahre verurteilt worden. Auch drei weitere Männer erhielten Gefängnisstrafen. Ihr Ziel war es, Kämpfer für den „Islamischen Saat“ anzuwerben und Terroranschläge in Europa zu verüben.

In Frankreich gibt es eine schier endlose Liste von islamischen Terroranschlägen. Besonders betroffen war das Jahr 2015. Am 7. Januar stürmten zwei Täter die Räume der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und töteten zehn Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin. Im November wurde Paris von mehreren islamistischen Terroranschlägen erschüttert. Die Attentäter griffen zeitgleich an mehreren symbolträchtigen Orten der Stadt an, um möglichst viele Menschen zu töten.

Der Koran wird konservativ ausgelegt

Salafisten nutzen den Islam lediglich als Tarnkappe für ihre Terroranschläge – Foto Pixabay

Führende Islamwissenschaftler schlagen Alarm: Radikale Islamisten und Salafisten seien in Frankreich dabei, ganze Problemviertel von Großstädten unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie zwängen den muslimischen Gemeinden ihre extrem konservativen Normen auf. In dem Paralleluniversum geht es um den Konflikt zwischen zwei gegensätzlichen Weltbildern: dem der Emanzipation, der Aufklärung und dem salafistischen Verständnis von einem Gott, der das ganze Engagement des Gläubigen einfordert.

Es ist ein Kulturkampf zwischen denen, die unsere muslimischen Mitbürger mit ihrer salafistischen Vision in Geiselhaft nehmen, einer Vision, die direkt zum „Dschihad“ (Kampf auf dem Weg zu Gott/Heiligen Krieg) gegen die Ungläubigen führt – und auf der anderen Seite jenen, die daran glauben, dass es in der Gesellschaft für alle Menschen den gleichen Platz gibt – unabhängig von ihrem Glauben.

Salafisten sind brandgefährlich

Konservative Moslims fordern, dass Frauen ein Kopftuch tragen – Foto Pixabay

Die große Mehrheit der in Europa lebenden Muslime vertritt keineswegs die dschihadistische Islam-Vision. Aber die sehr aktive Minderheit der militanten Prediger schafft es, das religiöse Leben in den Gemeinden zu dominieren und einen Kampf gegen Ungläubige zu führen, um Ungläubige zu töten.

Eine Heimat der Salafisten ist der „Islamischer Staat“, den die Terrormiliz mit unsäglichen Gräueltaten auf Gebieten des Irak und von Syrien errichtet hat. Bei ihren Eroberungsfeldzügen verwüsteten sie riesige Gebiete. Die Anführer gaben vor, die Vorschriften des Islam in ihrem Kalifat (Gottesstaat) durchzusetzen. Doch die tatsächlichen Gründe waren sozialer, kultureller, psychologischer Art. In Europa werben die Salafisten Kämpfer für den IS an und unterstützen den Terrorstaat mit Geld und Waffen.

Den Terroristen geht es in den Glaubenskriegen vorrangig um die Vorherrschaft. So haben die Moslems in vielen Ländern das ursprüngliche Ziel des Volksaufstandes gegen Diktaturen längst verdrängt.

Die kämpferischen Schiiten im Iran (Persien) und die dogmatischen Sunniten in Saudi-Arabien sind dank der Ölvorkommen die wirtschaftlich stärksten Staaten des Mittleren Ostens. Sie nutzen die Ressourcen auch, um andere Staaten in eine sektiererische Feindschaft zu verstricken.

Im Iran herrschen seit der islamischen Revolution im Jahr 1979 die Mullahs (Religionslehrer). Das von Ayatollah Khomeini etablierte Staatsmodell „Herrschaft des Gelehrten“ ist bei schiitischen Religionsführern nicht unumstritten und wird von Sunniten als Bedrohung empfunden. Die feindlichen Auseinandersetzungen zwischen beiden Glaubensrichtungen gehen auf die Gründung der „Islamischen Republik Iran“ zurück. Khomeini legte das Fundament für den revolutionären schiitischen Staat mit Sittenwächtern und Kopftuchpflicht. Weil die Mullahs eine universelle Mission anstreben, fordern sie das Königreich Saudi-Arabien heraus.

Salafisten sind brandgefährlich

Viele islamische Gelehrten sehen den Koran als das direkte, unveränderbare Wort Gottes, das nicht hinterfragt werden darf. In dieser blinden Indoktrination wird auch der muslimische Nachwuchs erzogen – Foto Pixabay

Um die unbedingte Verteidigungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, legten die Mullahs ein Atomprogramm auf. Nach offiziellen Verlautbarungen diente es dazu, die Energieversorgung des Landes um die Nutzung der Kernenergie zu ergänzen. Daran zweifelte die Weltgemeinschaft. Vor allem Israel fürchtete einen atomaren Schlag, um als Erzfeind ausgelöscht zu werden. Im Atomabkommen von 2015 verpflichtete sich Teheran, sein Atomprogramm zehn bis 15 Jahre lang stark einzuschränken und strenge Kontrollen durch internationale Inspektoren zuzulassen. Unter Ex-Präsident Trump stiegen die USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran aus. Mit Joe Biden könnte es eine Wiederbelebung der Kontrollen geben.

George W. Bush machte das islamische Netzwerk Al-Qaida verantwortlich für den Anschlag vom 11. September 2001 auf das „World Trade Center“ in New York. Er verlangte von Afghanistan die Auslieferung von „Osama bin Laden“, den er für den Initiator hielt. Als das nicht geschah, begannen die USA und Großbritannien einen Krieg gegen den Vielvölkerstaat am Boden und aus der Luft. Ende 2001 war das Land weitgehend erobert, doch zur Ruhe kam es nicht. Inzwischen ziehen sich die „Schutztruppen“ unter Führung der USA praktisch fluchtartig aus dem Land zurück.

Für die Mullahs im Iran ist Al-Qaida ein nützliches Werkzeug, um gegen amerikanische Ziele in der Region vorzugehen. Diese Einstellung schätzte auch das Regime von Baschar al-Assat in Syrien und wird vom Iran im Kampf gegen den IS unterstützt, denn die dominierende Religionsgemeinschaft der Alaviten wird dem schiitischen Spektrum des Islam zugeordnet. Russland dagegen verfolgt mit der Luftunterstützung für Assat ausschließlich geopolitische Interessen im Nahen Osten.

Der Streit zwischen Sunniten und Schiiten überschreitet als Stellvertreterkrieg inzwischen die staatlichen Grenzen. So führen der Iran und das Königreich Saudi-Arabien im Jemen einen grausamen Vernichtungskrieg. Er begann mit dem Aufstand der Huthi, einer politisch-militärischen Bewegung der Schiiten, gegen die jemenitische Regierung. Die Lage eskalierte, seit Saudi-Arabien im Jahr 2015 in der umstrittenen arabischen Allianz mit der jemenitischen Regierung einen erbitterten Krieg gegen die Huthi-Rebellen führt, die vom Iran militärisch unterstützt werden. In dem Glaubenskrieg auf fremdem Territorium haben die Ölstaaten und der Irak die größte humanitäre Katastrophe der Gegenwart angerichtet.

Die Ursache für die Reformunfähigkeit des Islam liegt in der starren Haltung eines Großteils der islamischen Gelehrten. Sie sehen den Koran als das direkte, unveränderbare Wort Gottes, das nicht hinterfragt werden darf. In dieser blinden Indoktrination wird auch der muslimische Nachwuchs erzogen. Im Gegensatz dazu ist die Bibel eine Quelle der Offenbarung. Es ist gefährlich, jedes Bibelwort für bare Münze zu nehmen und alles wörtlich zu verstehen. Das wäre Biblizismus – ein Irrglaube, der die Bibel zu Gott macht.

Dass es auch anders geht, beweist das „Sultanat Oman“. Dort leben die „Ibaditen“ einen Islam der maximalen Toleranz. Der Ibadismus geht zurück auf den frühislamischen Bruch zwischen Sunniten und Schiiten. Die Ibaditen sehen sich als „Familie der Aufrechten“. In ihren Moscheen beten Ibaditen, Sunniten und Schiiten einträchtig nebeneinander. Die Imame werden frei gewählt. Der Theologe Prof. Dr. Hans Küng sieht den Ibadismus als Gegenentwurf zum gewalttätigen Islamismus.

Aus heutiger Sicht sind die Glaubenskämpfe im Nahen Osten keine kurzfristige Episode. Ähnliche Erfahrungen machte Europa im „Dreißigjährigen Krieg“. Wenn der ein Zeitrahmen für Glaubenskriege ist, so befindet sich der Nahe Osten noch am Anfang der Auseinandersetzungen.

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