Kreuztracht – Ostervideos 2/5

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Westfalen – Bei der Kreuztracht (abgeleitet von „Kreuz tragen“) beten Pilger gemeinsam den Kreuzweg und begleiten dabei einen Jesusdarsteller, der ein schweres Holzkreuz trägt. In Westfalen finden in vielen Städten und Gemeinden in der „Heiligen Woche“ vor Ostern solche Kreuztrachten statt, zum Beispiel in Rheda-Wiedenbrück, Gehrden (bei Brakel) und Pömbsen (bei Bad Driburg), Sundern-Stockum, Coesfeld und Hörstel-Bevergern. Auch in diesem Jahr wurden die traditionsreichen Prozessionen in Westfalen allerdings wegen der Corona-Epidemie abgesagt.

Kreuztracht

Die Kreuztrachten in Menden gehen in normalen Jahren jede Stunde von Gründonnerstagabend bis Karsamstagmorgen entlang eines Kreuzwegs mit acht Stationen zur Kreuzkapelle auf dem Rodenberg – Foto Wikimedia/Bubo

Die Wiedenbrücker Kreuztracht wird seit 1663 von den Franziskanern der Marienkirche Wiedenbrück organisiert und ist ein ökumenisches Bekenntnis des christlichen Glaubens. Neben katholischen Ordensbrüdern und Geistlichen wirken auch der Pfarrer der evangelischen Versöhnungsgemeinde und der Pfarrer Aziz Esen der syrisch-orthodoxen Gemeinde St. Johannes der aramäischen Christen an der Kreuztracht mit. Da die Franziskaner Wiedenbrück verlassen, wurde eine Genossenschaft gegründet, die in Zukunft die Traditionsveranstaltung organisieren wird. Bereits vor der Gründungsversammlung Mitte März hatten 538 Bürger ihre Bereitschaft bekundet, mindestens einen von maximal 20 möglichen Geschäftsanteilen zu zeichnen und so Mitglied der Personengesellschaft zu werden.

Kreuztracht

Kreuztracht in Wiedenbrück – Foto Wikimedia/Erlaubnis Martin Pollklas

Auch die Gehrdener Kreuztracht hat eine rund 300-jährige Tradition. Ein als Jesus verkleideter Büßer, begleitet von einem ebenfalls verkleideten Simon von Cyrene, zieht in dem ostwestfälischen Ort mit den Gläubigen den Katharinenberg hinauf. Die Kreuztracht wurde in Pömbsen erstmalig 1754/55 urkundlich bezeugt. Da Pömbsen Wallfahrtsort zum heiligen Kreuz ist, lag diese besondere Verehrung wohl nahe. Nach einer Unterbrechung im zweiten Weltkrieg wurde diese Tradition 1946 wieder aufgenommen. Ein anonymer Kreuzträger, dessen Beweggründe unbekannt bleiben, trägt das Kreuz in der Prozession durch die Ortschaft. Begleitet wird er von drei schwarzgekleideten Frauen, die die Leidenssymbole die Geißel, das Schweißtuch der Veronika und einen Totenkopf mittragen. Simon von Cyrene unterstützt den Kreuzträger.

Unsere Kollegen vom Westfalen-Blatt haben die Kreuztrachten in Gehrden und Pömbsen vor einiger Zeit filmisch festgehalten (bitte anklicken):

Im sauerländischen Menden wird seit 335 Jahren eine ganz besondere Kreuztracht vollzogen: Von der St.-Vincenz-Kirche geht es entlang des rund 2,5 Kilometer langen Kreuzweges durch die Stadt, vorbei an acht Stationen mit Heiligenhäuschen und Gedenksteinen, zur Kreuzkapelle auf dem Rodenberg. Dort steht das Mendener Bußkreuz, das im Jahr 1685 vom damaligen Bürgermeister Schmittmann errichtet wurde. Erstmals seit Menschengedenken fand die Mendener Kreuztracht im vorherigen Jahr statt.

Die Kreuzprozessionen in Menden sind einmalig, denn sie gehen zu jeder Stunde von Gründonnerstagabend um 21 Uhr bis Karsamstagmorgen um sechs Uhr zwei Nächte und einen Tag hindurch. Den Anfang am Abend des Gründonnerstag macht eine von Jugendlichen gestaltete Kreuztracht; die Anfänge dieser Jugendprozession reichen bis in das Jahr 1948 zurück.

Die Westfalium-Ostervideos:

 

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