2022 im Felsenmeer Mittelalter Bergbau erleben

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Hemer / Felsenmeer – Ziel: In Hemer Mittelalter Bergbau vor Ort und digital erleben. Dafür beginnen jetzt die vorbereitenden Arbeiten im Felsenmeer. Unweit des Hönnetals hat die Speläo-Gruppe Sauerland (SGS) mit 3D-Vermessungen begonnen. Versierte Amateure sind aktuell am Werk. Die Geschichte, so die Information der Stadt Hemer, geht so: Treffen sich ein Pensionär, ein Hausmeister, eine Prozessoptimiererin und eine OP-Schwester im Wald….

Die Vermessungsarbeiten haben im Felsenmeers begonnen – Foto Stadt Hemer / Giebels

3D-Vermessungsarbeiten haben begonnen

Was wie ein ein schon tausend Mal erzählter Witz klingt, ist in Wahrheit der Beginn einer bislang einzigartigen Projektumsetzung im Sauerland. Denn Wolfgang Hänisch, Andreas Krause, Lisa Suckau und Katja Danninger von der Speläo-Gruppe Sauerland (SGS) haben in diesen Tagen mit den 3D-Vermessungsarbeiten im Felsenmeer begonnen. In Kürze folgen Archäologen des LWL Westfalen-Lippe mit aufwändigen Untersuchungen, so dass die Hohlräume, die sich unter dem Geotop befinden, und der nachgewiesene mittelalterliche Bergbau bis Ende 2022 über Tage erlebbar werden.

Tausende ehrenamtliche Arbeitsstunden im Felsenmeer

Der Frühling ist noch nicht im Felsenmeer eingekehrt, auch wenn dieser in unseren Kalendern bereits eingeläutet wurde. Die Buchen treiben noch nicht aus, das braune Laub welkt am Boden vor sich hin. Es verdeckt lebensgefährliche Schluchten und Spalten. Drei weiße und ein orangener Helm über vier roten Einteilern stechen sofort ins Auge. Abseits der Wege, die für Spaziergänger tückische Bedrohungen bedeuten, werden sie in den nächsten Monaten tausende Arbeitsstunden verrichten.

Geld gibt es dafür keines, was die Stimmung aber keinesfalls trübt. „Wir alle machen das ehrenamtlich und der Forschung wegen“, stellt Wolfgang Hänisch fröhlich klar. Nun wäre zu meinen, dass dem kürzlich in die Pension verabschiedeten Finanzbeamten das Großprojekt mehr als gelegen kam, um dem Ruhestand inhaltliche Qualität zu bescheren. Seine Mitstreiterinnen und sein Mitstreiter sind aber keineswegs schlecht gelaunt. „Wir haben halt Urlaub genommen“, erklärt Lisa Suckau fast beiläufig, warum sie heute ihrem Job als Prozessoptimiererin bei einer Bank nicht nachgeht.

Fachwissen wird vermittelt

Wie für die anderen auch ist es für sie überaus spannend, sich in den nächsten Wochen und Monaten mit Spezialgeräten wie Theodolit und Tachymeter die Zeit zu vertreiben. Da weiß nicht jede/r, was das ist. Mit dem Theodolit – einem Winkelmessinstrument – gemessen werden Horizontalrichtungen und Zenit- und Vertikalwinkel. Hierzu wird es mittels eines Stativs lotrecht über einem Punkt aufgestellt. Mit dem Tachymeter kann man zudem die Schrägstrecke – die schräg gemessene Entfernung zum Zielpunkt ermitteln. Es dient zur raschen Auf- und Einmessung von Punkten. Für die Mitglieder der Speläo-Gruppe Sauerland (SGS) ist das nichts Neues. Dennoch gibt es für die anstehenden Aufgaben Schulungsbedarf. Dafür hat man als  technischen Leiter Björn Wegen an Bord, der alle Beteiligten intensiv schult.

Messungen von April bis Oktober möglich

Mit den Geräten werden die gesamten 35 Hektar des Felsenmeeres vermessen. Und zwar über und unter Tage. „Wegen der Fledermausschutzzeit dürfen wir ausschließlich zwischen April und Oktober die Hohlräume unter dem Felsenmeer untersuchen und vermessen“, hofft Wolfgang Hänisch, dass der knappe Aktionszeitraum ausreichend ist. Die SGS wird mit acht Mitgliedern die Vermessungen vornehmen, unterstützt werden sie von zwei Mitgliedern des Templer-Hilfsdienstes. Weil die Zeit drängt, beginnen in diesen Tagen die Arbeiten über Tage, so genannte Fundpunkte werden festgelegt und Vorbereitungen für die Archäologen des LWL Westfalen-Lippe getroffen.

1000-jähriger Bergbau in zehn Höhlen

Diese werden der Speläo-Gruppe Sauerland in Kürze ins Felsenmeer folgen und archäologisch interessante Orte festlegen. Wie viele Höhlen das Felsenmeer umfasst, wird Hänisch gefragt. „60 bis 80 denke ich, in etwa zehn davon kann der 1.000-jährige Bergbau nachgewiesen werden.“ Hänisch erforscht mit vielen Gleichgesinnten seit 1972 das Felsenmeer. Keine Frage, dass dieses neue Projekt eine Herzensaufgabe und Bestätigung eines über Dekaden andauernden ehrenamtlichen Engagements ist. Auch die jüngeren Mitglieder hat der Enthusiasmus gepackt.

Hintergrund:
„Visualisierung des mittelalterlichen Bergbaus im Bodendenkmal Felsenmeer, Nummer 11 der Bodendenkmalliste der Stadt Hemer“ heißt das Projekt.
Die Wege durch das Felsenmeer dürfen nicht verlassen werden. Zu schnell kann ein falscher Tritt in mit Laub verdeckte Schluchten zu lebensgefährlichen Situationen führen. Virtuelle Technik soll künftig ermöglichen, den einstigen Bergbau im Felsenmeer erleben zu können. Die Besonderheiten des Felsenmeeres sollen sichtbar und erfahrbar gemacht werden.

Das Felsenmeer, so die Pläne, soll als überregional bedeutendes kulturelles Erbe der Stadt Hemer und der Region gezeigt werden. 3D-Videos projizieren den mittelalterlichen Bergbau des Felsenmeers an die Oberfläche und machen das Höhlengeschehen für jedermann sichtbar, auf digitalen Endgeräten.

Das über- und untertägig weitläufige Bodendenkmal Felsenmeer bei Hemer ist in ganz NRW eine der archäologisch bedeutendsten Altbergbaustrukturen. Im Lehm der Hohlräume, in denen das wertvolle Eisenerz abgebaut wurde, sind noch Arbeitsspuren sichtbar, zudem wurden Feuerstellen und Werkzeugdepots entdeckt. Holzproben, die in das Hochmittelalter datieren sowie Größe und Erhaltungszustand machen das Bodendenkmal einzigartig in Europa.

Der Speläo-Gruppe Sauerland e.V., die sich seit Jahrzehnten ums Thema Felsenmeer kümmert, ist unter anderem die Erkenntnis zu verdanken, dass es sich beim Felsenmeer nicht nur um eine Karsterscheinung, sondern eben um einen Altbergbau handelt. Seit einigen Jahren arbeitet sie hier in enger Kooperation mit den Archäologen des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) in Olpe zusammen.

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