Die letzten Stunden von Aliso

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Haltern am See – Archäologiefans aufgepasst: Ab September 2021 präsentiert die „Archäologische Landesausstellung Nordrhein-Westfalen“ bis Oktober 2022 neue Forschungsergebnisse zum Leben am und mit dem Niedergermanischen Limes. Unter dem Titel „Roms fließende Grenzen“ machen insgesamt sechs Museen an den fünf Ausstellungsstandorten Detmold, Xanten, Bonn, Haltern am See und Köln mit spektakulären Neufunden, Modellen und Aktionen den Alltag in der Provinz Niedergermanien und den angrenzenden Gebieten lebendig. Einen ersten Vorgeschmack vermittelt die Website: http://www.roemer.nrw.

Legionäre der Römertruppe des LWL-Römermuseums werden im kommenden Jahr ins Wachhaus einziehen. – Foto LWL/ C. Steim

Auch das LWL-Römermuseum in Haltern am See ist in das Ausstellungskonzept eingebunden und wartet mit einem besonderen Highlight auf: Auf dem Außengelände entsteht noch in diesem Jahr ein neues Gebäude – auf dem Grundriss des „Vorgängers“ aus der Zeit kurz nach Christi Geburt. Dieses Gebäude, direkt in der Nähe des Westtores des Römerlagers gelegen war seinerzeit, so die Einschätzung der Archäologen, ein Wachhaus. Der Neubau soll am 25. März 2022 pünktlich zur Eröffnung der Ausstellung in Haltern am See unter dem Titel „Rom in Westfalen 2.0″) von der museumseigenen Römertruppe bezogen werden – und in einem Escape Room im Wachhaus können Besucherinnen und Besucher künftig die letzten Stunden von Aliso „live“ erleben.

Die Römer versuchten ab 12 v. Chr., das „Freie Germanien“ östlich des Rheins ihrem Imperium einzuverleiben. Aus dieser Frühphase stammt das Römerlager in Bergkamen-Oberaden, das 8 oder 7 v. Chr. aufgegeben wurde. Nur kurze Zeit später legten die römischen Legionen ein neues Lager an – im heutigen Haltern am See –, in dem aller Wahrscheinlichkeit nach eine oder gar zwei Legionen stationiert waren, die in der Varusschlacht des Jahres 9 n. Chr. untergingen.

Nur ein Römerlager östlich das Rheins fiel nicht den Germanen in die Hände, sondern konnte der Belagerung durch germanische Kämpfer standhalten: Aliso! Starke Indizien sprechen dafür, dass Aliso mit dem Römerlager in Haltern gleichzusetzen ist. Durch eine List sollen sich die Römer aus Aliso schließlich an den Rhein gerettet haben.

 

Die europaweit einzigartige Waffe, ein Römerdolch mit Gürtel eines römischen Legionärs aus Haltern, wird im Rahmen der Landesausstellung erstmals im LWL-Römermuseum ausgestellt. –       Foto LWL/ S. Brentführer

Die Funktion des Wachhauses war vielfältig: Möglicherweise prüften römische Legionäre hier Waren und führten Personenkontrollen durch. Das Gebäude bot aber auch Schlafmöglichkeiten für die Mauerwache, diente wohl auch der Lagerung von Waffen und Munition. Gebäude, soll das Wachhaus heute ein Erlebnisort sein, machte Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock beim Pressegespräch im LWL-Römermuseum deutlich: „Mit ihm verpassen wir unserer Römerbaustelle ein Update, daher der Ausstellungstitel Rom in Westfalen 2.0“. Sofern es die aktuelle Pandemie-Lage zulässt, können unsere Besucherinnen und Besucher beim Bau selbst Hand anlegen und die Gefache mit Lehm auffüllen.“

Der Escape Room im römischen Wachhaus ist einzigartig. Er soll mit möglichst originalgetreuen Ausstattungsgegenständen wie Stockbetten, Schränken, Tischen und Hockern eingerichtet werden. „Im Escape Room werden unsere Besucherinnen und Besucher selbst Teil der Geschichte und erleben und gestalten die letzten Stunden von Aliso“, so Josef Mühlenbrock. Will heißen: Wie einst die römischen Legionäre müssen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer versuchen, sich zu befreien und den Escape Room zu verlassen. In nur 60 Minuten gilt es, verschiedene spannende Rätsel und Aufgaben zu lösen.

Eine echte Grenzerfahrung also oder: Geschichte live!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Comments

  1. Befand sich in Haltern am See das bisher unbekannte Heerlager Aliso, das als einziges Kastell der Römer nicht sofort von den Germanen erobert und zerstört wurde? Ich glaube das auch. Man muss aber einräumen, dass das riesige Heerlager bei Haltern eigentlich zu groß war, um von 500 Bogenschützen und einer Handvoll Legionären gehalten werden zu können, wie es die historischen Quellen sagen. Die Germanen waren allerdings nicht geschickt, wenn es um Belagerungen und Angriffe auf derart stark befestigte Lager ging. Der in Haltern am See wieder aufgebaute Abschnitt der mächtigen Festung wirkt durchaus beeindruckend. Vielleicht war die Schwäche der Germanen in diesem Punkt die Stärke der Römer.

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