Bürger forschen: Wie gut ist das Leitungswasser?

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Bochum – Selbst ihr Leitungswasser erforschen, dazu sind die Bochumerinnen und Bochumer eingeladen. „Citizen Science zur Wasserqualität auf dem letzten Meter“ hat das
Dezernat Wissenschaftskommunikation der Ruhr-Universität Bochum (RUB) seine Information zum Projekt getitelt. Ein bürgerschaftliches Projekt mit wissenschaftlichem Blick auf jenes kühle Nass, das zwischen Hausanschluss und Wasserhahn in Küche, Bad und Gartenschlauch fließt. Bis es ins Haus kommt, so die gesicherte Erkenntnis für deutsche Lande, ist das Trinkwasser einwandfrei. Die Zone der Unwissenheit beginnt im Haus.

Die letzten Meter bis zum Wasserhahn werden von Bochumer Bürgerinnen und Bürgern erforscht – Foto RUB Marquard

Zone der Unwissenheit beginnt im Haus

In der Information zum bürgerwissenschaftlichen Projekt heißt es: „Was  in Rohren, Filtern, Armaturen“ passiert, weiß man nicht. Das soll sich ab sofort ändern. Vier Jahre lang wird geforscht. 600.000 Euro Zuschuss gibt es dafür vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Bürgerinnen und Bürger sind aufgerufen, mitzumachen und ein Teil von „CS:iDrop®“ zu werden, von ‚Citizen Science: investigation of Drinking-water of and by the public‘. Die Projekt-Koordination übernehmen Prof. Dr. Katrin Sommer, Inhaberin des Lehrstuhls für Didaktik der Chemie der Ruhr-Universität Bochum (RUB), und Prof. Dr. Joachim Wirth, Inhaber des Lehrstuhls für Lehr-Lernforschung der RUB.


Katrin Sommer und Joachim Wirth im zukünftigen Messlokal – coronakonform mit Plexiglas zwischen den Arbeitsplätzen im Labor – Foto RUB Marquard

Analysekoffer für Mitmachende

Folgendes ist geplant, so die Information zum Projekt: „Um herauszufinden, welche Qualität das Trinkwasser im Glas hat und wie sich diese von seiner Qualität an der Übergabestelle ins Haus unterscheidet, stattet das Projektteam die Bürgerwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler mit einem Analysekoffer aus. So können sie ihr Wasser direkt zu Hause ein erstes Mal untersuchen. Außerdem sind Messlokale zum gemeinsamen Messen dieser Wasserproben geplant.“

Zwischen Hausanschluss und Wasserhahn, berichten die Projektverantwortlichen, kann dem Trinkwasser so einiges passieren. „Der Zustand von Rohren, Armaturen und Filtern in Haushalten, durch die das Leitungswasser fließen muss, hat großen Einfluss auf dessen Qualität. So können Blei, Kupfer, Eisen und Nickel ins Trinkwasser gelangen und gesundheitsschädliche Wirkung entfalten. Ob und wieviel dieser Metalle ins Wasser gelangt, hängt wiederum von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Temperatur des Wassers, seinem pH-Wert und seiner Härte. Darüber hinaus spielen Nitrat und Nitrit im Trinkwasser eine Rolle: Bei verzinkten Leitungen kann eine Reaktion von Nitrat zu Nitrit erfolgen.“

Erkenntnisse werden geteilt

Die Erkenntnisse sollen möglich breit geteilt werden: „Neben der Qualität des Wassers steht auch die Kommunikation darüber im Fokus des Projekts…. Zu diesem Zweck nutzt das Team eine Open-Access-Plattform zum Austausch der ermittelten Daten zur Wasserqualität. Mit einer eigens konzipierten App können die Bürgerinnen und Bürger ihre Daten direkt in die Plattform einstellen, die für jedermann zugänglich ist.“ Das ist übrigens ganz im Sinne der UNO. Sauberes Trinkwasser gehört zu den 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen. Dazu trägt auch bei, dass Bürgerinnen und Bürger und die Expertinnen und Experten der Kooperationspartner in Veranstaltungen miteinander über die Wasserqualität ins Gespräch kommen.

Kooperationspartner: Alfried Krupp-Schülerlabor der RUB, Bereich MINT, Ruhrchemalytic / Technische Berufsschule 1 Bochum, Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft und Umwelttechnik der RUB, Opensensemap.org der Westfälischen Wilhelms Universität Münster, Blue Square / Dezernat Hochschulkommunikation der RUB, Stadtwerke Bochum, Bochum Marketing, Arbeitsgruppe Science of Citizen Science in Zusammenarbeit mit Bürger schaffen Wissen, Patentanwälte Bals und Vogel, Bochum.

Bundesweit: Bürger schaffen Wissen

Dass Bürger sich in wissenschaftliche Aufgabenstellungen einbringen, ist nicht neu. Zahlreiche Projekte in Deutschland sind auf der Online-Seite buergerschaffenwissen.de/projekte zu finden. Das Bundesministerium für  Bildung und Forschung hat sich zum Ziel gesetzt, die Bürgerforschung in Deutschland und deren nachhaltige Verankerung im Wissenschaftssystem zu stärken. Einen Überblick über Bisheriges und Künftiges hat das BMBF hierzu online gestellt. Reichlich Lektüre bei einem geheimnisvollen Glas Kraneberger…

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