Menschenherz und Meeresboden sind unergründlich

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Menschenherz und Meeresboden sind unergründlich: Das LWL-Museum für Kunst und Kultur plant einen jüdischen Podcast mit hörspielartigen Reportagen.

Menschenherz und Meeresboden sind unergründlich

Ariel Schlesinger, Stolpersteine, 2014 -Foto LWL/Hanna Neander

Das LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster beteiligt sich am Festjahr “321 – 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland”. Zu diesem Anlass plant das Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) eine Podcast-Reihe: “Menschenherz und Meeresboden sind unergründlich. Jüdische Geschichten aus Münster.” Die sechsteilige Reihe hörspielartiger Reportagen thematisiert jüdische Menschen, Orte und Initiativen aus der Gegenwart und der Vergangenheit in Münster.

Seit 1.700 Jahren leben Juden nachweislich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Etwas später entstand im 12. Jahrhundert, also vor rund 900 Jahren, die erste jüdische Gemeinde in Münster. Somit ist das jüdische Leben tief in der Stadt Münster verankert. Im Jubiläumsjahr 2021 plant das LWL-Museum für Kunst und Kultur eine Podcast-Reihe, die jüdische Geschichten aus Münster erzählt. Die Themen reichen von der Gründung der ersten jüdischen Gemeinde im 12. Jahrhundert über den jüdischen Mediziner und Kunstsammler Alexander Haindorf, der im 19. Jahrhundert den Westfälischen Kunstverein mitgründete, zur Installation der “Stolpersteine” des israelischen Gegenwartskünstlers Ariel Schlesinger. Auch junge, jüdische Münsteranerinnen erzählen ihre Geschichten.

Menschenherz und Meeresboden sind unergründlich

Inès von Patow ist die markante Stimme des Podcasts – Foto LWL/Hanna Neander

Ein jüdisch(-christlicher) Beirat aus Vertretern der Jüdischen Gemeinde, der Universität und der Stadtgesellschaft steht den Planungen und Arbeiten zur Seite. Auf diese Art und Weise können Inhalte, Sensibilität und Kontakte geschärft werden. Start der Reihe ist der lange Freitag im September (10.9.), der als Themenabend zur jüdischen Kultur und Religion mit Podiumsdiskussionen, Konzerten, Kunstinstallationen und Rundgängen in die Thematik einführen soll.

Der Podcast “Menschenherz und Meeresboden sind unergründlich des LWL-Museum für Kunst und Kultur. Jüdische Geschichten aus Münster” wird von der LWL-Kulturstiftung im Rahmen des Themenjahrs “321 – 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland” unterstützt.

Der LWL im Überblick:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) arbeitet als Kommunalverband mit mehr als 18.000 Beschäftigten für die 8,3 Millionen Menschen in der Region. Der LWL betreibt 35 Förderschulen, 21 Krankenhäuser, 18 Museen sowie zwei Besucherzentren und ist einer der größten deutschen Hilfezahler für Menschen mit Behinderung.

Er erfüllt damit Aufgaben im sozialen Bereich, in der Behinderten- und Jugendhilfe, in der Psychiatrie und in der Kultur, die sinnvollerweise westfalenweit wahrgenommen werden. Ebenso engagiert er sich für eine inklusive Gesellschaft in allen Lebensbereichen.

Die neun kreisfreien Städte und 18 Kreise in Westfalen-Lippe sind die Mitglieder des LWL. Sie tragen und finanzieren den Landschaftsverband, dessen Aufgaben ein Parlament mit 116 Mitgliedern aus den westfälischen Kommunen gestaltet.

Comments

  1. Nora Grunwald meint

    Hallo schalom,
    Liebe Inés, lieber Levi,
    ich komme aus Münster und höre Euren Podcast, der ansprechend gemacht ist! Gestern hatte ich dazu auch Gelegenheit, Levi persönlich in der Thomasgemeinde zu erleben, aber leider keine passende Gelegenheit, meine Fragen zu stellen. “Nicht ohne meine Kippa” habe ich als Hörbuch komplett angehört und die persönliche Darstellung ist ungeheuer berührend und mutig, die köstlichen Beispiele an Schlagfertigkeit sind kraftvoll. Gratulation, echt! Der “Menschenherz-und-Meeresboden”Beitrag 4 “2000 Jahre Risches” hat mich zuletzt aufgestachelt. Ich beschäftige mich nämlich aufgrund eines Romanprojektes mit jüdisch-christlichem Dialog in der Zeit von 1200-1250 n.u.Z.. Das ist ein persönliches Ding: Ich habe Nazi-Vorfahren, aber bizarrerweise auch angeheiratete jüdische Verwandte, und mich treibt die Heilssuche und Sinnsuche auf beiden Seiten um. In meinem Romanprojekt geht es um einen alkoholkranken christlichen Ritter, der durch den Kontakt zum Judentum in seiner Kindheit auf einer zweifelnden Suche nach Gott herumschlingert. Erschwerend hinzu kommt noch, dass er sich in einen jungen Mann verliebt. Auf der Suche nach gelehrten Meinungen zu solchen Themen bin ich noch nicht sehr weit gekommen. Ich habe an “Keshet” geschrieben, aber keine Anwort auf meine Fragen erhalten. Wahrscheinlich werden alle Gelehrten damit bombardiert und es benötigt Expertenwissen, etwas dazu zu finden. Aber für mich stellt sich die Frage:

    Welche Arten von Liebe kann man als “erlaubt” betrachten?

    Und welche Meinungen dazu wurden bereits im Mittelalter diskutiert? Könnt ihre mir eventuell Experten oder Literatur empfehlen? Ich denke, es ist ein aktuelles Thema, aber es ist auch so alt wie die Menschheit. Die Konkurrenz zwischen christlicher und jüdischer Heilssuche finde ich da ungeheuer faszinierend. Mein Roman ist teilweise traurig (die Heilssuche mündet christlicherseits tendenziell und manchmal auf den erstaunlichsten Umwegen in Hass und Gewalt, die homosexuelle Liebe muss verheimlicht und schließlich aufgegeben werden) aber auch witzig, deftig und schließlich tragen die Protagonisten ihre Selbsterkenntnis in sich und ihr Wissen um eine unzerstörbare Hoffnung.
    Also: könnt ihr Experten zum Mittelalter empfehlen? Und zur gelehrten Diskussion zum Thema gleichgeschlechtliche Liebe?
    Ich wäre ungeheuer dankbar, z.B. auch nur Literaturhinweise zu finden!

    Beste Grüße, tuda, lehidraut!

    Nora Grunwald

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