Kunstverein Bielefeld zeigt digitale Ausstellung

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Kunstverein Bielefeld zeigt mit „In This Layered World, All Perception Is Real“ eine digitale Ausstellung. In Zusammenarbeit mit dem I: project space Peking und in Kooperation mit der FH Bielefeld. Der Kunstverein Bielefeld präsentiert auf der digitalen Ausstellungsplattform www.kunstverein-bielefeld.online die Online-Ausstellung und damit ein neues Format.

Rachele Maistrello Green Diamond, 2020Ausstellungsansicht „In This Layered World, All Perception Is Real“ Kunstverein Bielefeld, 2020 – Foto: Kunstverein Bielefeld

In Kooperation mit dem I: project space Peking werden die internationalen künstlerischen Positionen von Gottfried Jäger, Shuang Li, Lin Ke, Rachele Maistrello, Sarah Ortmeyer, Pete Jiadong Qiang und eine Intervention von Julia Weißenberg gezeigt.

Die Werke der Künstler beschäftigen sich mit der aktuellen Bedeutung der digitalen Bildproduktion. Teil des Projekts ist die Studienrichtung Digital Media and Experiment der Fachhochschule Bielefeld. Ausgehend von der Auseinandersetzung mit den Bedingungen medialer Räume haben die Studierenden eigene Beiträge für die Online-Plattform gestaltet. Unter gegenwärtigen Vorzeichen können Bilder nicht mehr anhand von technischen, materiellen und tradierten kunsthistorischen Kriterien bestimmt werden.

Gottfried Jägerin collaboration with Denise Albrecht, Marta Beauchamp and Sonja Mense Mirror Montage (wire mesh), 2020 Ausstellungsansicht In This Layered World, All Perception Is Real Kunstverein Bielefeld, 2020 – Foto Kunstverein Bielefeld

Digitale Bilder sind Code und Form zugleich, sie bewegen sich im Kontext modifizierbarer Konfigurationen von Datensätzen und unterliegen grundlegend veränderten Produktions-und Rezeptionsmodi. „In This Layered World, All Perception Is Real“ widmet sich vor diesem Hintergrund den Erfahrungen, die mit der Verschränkung des Realen mit dem Virtuellen, des Materiellen mit dem Imaginären sowie des Physischen mit dem Mentalen einhergehen.

Die eingeladenen Künstler vermessen die Möglichkeiten neuer Bildwelten, die keineswegs mehr den Anspruch auf Echtheit, Authentizität oder Originalität erheben, wenn sie unsere sich wandelnde Wirklichkeit zum Ausdruck bringen.

Pete Jiadong Qiang Bielefeld.Beijing.Systems, 2020 Ausstellungsansicht In This Layered World, All Perception Is Real Kunstverein Bielefeld, 2020 – Foto: Kunstverein Bielefeld

Pete Jiadong Qiangs(*1991 in Xingping, China, lebt und arbeitet in London) Arbeit Bielefeld.Beijing.Systems konzentriert sich auf die spezifische Untersuchung der Zwischenräume von Bild-, Architektur-und Gaming-Räumen. Speziell für das Projekt „In This Layered World, All Perception Is Real“ hat der Künstler eine interaktive Landschaft entworfen, in der sich die Orte Bielefeld und Peking miteinander verschränken. Die Besucher der Webseite sind eingeladen, sich durch den virtuellen Raum zu navigieren und versteckte Hyperlinks zu entdecken.

Lin Ke Desktop, 2020 Ausstellungsansicht In This Layered World, All Perception Is Real Kunstverein Bielefeld, 2020- Foto: Kunstverein Bielefeld

Rachele Maistrello(*1986 in Vittorio Veneto) präsentiert im Rahmen von „In This Layered World, All Perception Is Real“ ihr Projekt Green Diamond: Green Diamond (GD) war ein Unternehmen, das von 1995 bis Mitte 1999 in Peking existierte und Hightech-Technologie entwickelte, die anhand von Mikro-Chips („GD-Sensoren“) natürliche Empfindungen und Gefühle erzeugten. Das digitale Projekt rekonstruiert die Entwicklungen des Unternehmens und zeigt die Beziehung zwischen Li JianPing (李建平) und Gao Yue (高跃), einer ehemaligen Fabrikarbeiterin und einem Akrobaten, die maßgeblich an der Entwicklung von Gesten und Bewegungen für die GD-Sensoren beteiligt waren.

In ihrer Arbeit If Only The Cloud Knows befasst sich Shuang Li(*1990 in Wuyishan, China, lebt und arbeitet in Yiwu, China) mit der Frage, wie Geopolitik und Handel im digitalen Zeitalter Vorstellungen von Geschlecht und Herkunft beeinflussen. Im Jahr 2018 machte Shuang Li ihre gesamte Sammlung von Textnachrichten und Fotos aus den Jahren 2005 bis 2015 online zugänglich und löschte die Dateien aus ihrem privaten Backup-Speicher. Die Besucher der Webseite sind eingeladen, Bilder oder Texte zu löschen und im Gegenzug eine Notiz an die Künstlerin zu schreiben.

Lin Ke(*1984 in Wenzhou, China, lebt und arbeitet in Hangzhou und Shanghai, China) ist ein Künstler der Gesten. Die Videos in seiner Arbeit Desktop beziehen sich auf das Streichen über einen Touchscreen, dem Klicken mit der Maus und anderen taktilen Tätigkeiten bei der Benutzung digitaler Geräte. Hier greifen die reale und die virtuelle Welt ineinander: Die Videos blinzeln dem Betrachter zu, gestikulieren und erzeugen die Illusion, mit Dateien interagieren zu können, mit ihnen zu tanzen oder den Mauszeiger zu bewegen, als würde er über den Bildschirm fliegen. Die Performances von Lin Ke schweben zwischen der Innenwelt des Computers und der physischen Außenwelt und verbinden beide mit seiner eigenen körperlichen Präsenz.

Sarah Ortmeyers(*1980 in Frankfurt am Main) neue Arbeit untersucht die Beziehung zwischen zeitgenössischer Technologie und ikonografischer Repräsentation. Als Teil von Ortmeyers Emoji Shadow Series überträgt die Arbeit O (DIABOLUS-PALMA-OVUM-COR) höchst generische Formen in eine Welt einzigartiger Darstellungen.

Gottfried Jäger(*1937 in Burg, lebt und arbeitet in Bielefeld) führte im Jahr 1968 den Begriff der Generativen Fotografie ein. Im Fokus des künstlerischen Programms stand die nicht-gegenständliche Fotografie, die durch eine Reihe von algorithmischen Aktionen mechanisch reproduziert werden konnte. Er entwickelte wiederholbare Programme für die fotografische Bilderstellung, die der frühen generativen computerbasierten Kunst vorausgingen und sich dann Seite an Seite mit ihr entwickelten. Für die Ausstellung hat Jäger in Zusammenarbeit mit Denise Albrecht, Marta Beauchamp und Sonja Mense seine frühen, kaum gezeigten Bildspiegelmontagen erstmals in den virtuellen Raum übersetzt.

Aview from far von Julia Weißenberg(*1982 in Bergisch Gladbach, lebt und arbeitet in Köln) interveniert in die Webseite, indem die Inhalte der Seite von Pop-Up-Fenstern überlagert werden. Welche Dynamiken sind mit dem Begriff des Zuhause verbunden? Immer unterwegs und überall zu Hause – ist dieser Traum einer intellektuellen und kreativen Schicht zeitgemäß? Das Zuhause als global flexibel transferierbares Produktionsmittel aus Laptop und Internetverbindung. Und welche Gründe kann es überhaupt geben, sich freiwillig oder notgedrungen von der Vorstellung eines festen Zuhauses zu entfremden?

www.kunstverein.bielefeld.de 

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