Kiepenkerl-Blog: Unbekannte Flugobjekte

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Foto: emersonbegnini auf Pixabay

 

Früher benötigte man das Bestimmungsbuch „Was fliegt denn da?“, um nach längerer Fahrt die unbekannten Flugobjekte auf der Windschutzscheibe des PKW zu identifizieren. Die Hersteller von Breitband- und Totalherbiziden sowie von Insektiziden haben uns die Arbeit abgenommen, seit ihre Gifte in großen Mengen in der Landwirtschaft ausgebracht werden. Die starteten einen erfolgreichen Vernichtungsfeldzug gegen die kleinen Flügeltiere. Die Hersteller verweisen allerdings darauf, dass die stark rückläufige Zahl der UFOs auf den Windschutzscheiben eine Folge der explosionsartig gestiegenen Fahrzeugzahl auf den Straßen sei und keine Folgewirkung der Unkrautkiller oder der Insektizide. Aber auch die rückläufige Zahl von Käfern, Fliegen, Hummeln, Wespen und Faltern sind Teil der Ökokatastrophe. Die 40 000 Tonnen Ackergifte, die in Deutschland jährlich auf den Monokulturen ausgebracht werden, entziehen den Vögeln einen Teil des Lebensraums und der Nahrungsgrundlage. Zudem ist an der nicht enkeltauglichen Landwirtschaft bereits jeder zweite Feldvogel ausgestorben.

Nach einer Veröffentlichung in „PLOS ONE“ nahm die Zahl der Fluginsekten in Teilen Deutschlands in den vergangenen 27 Jahren um mehr als 75 Prozent ab. Vermutlich spiele die intensivierte Landwirtschaft samt dem Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln sowie der ganzjährigen Bewirtschaftung eine Rolle, erklären die Autoren. Fast alle Untersuchungsstandorte – 94 Prozent – waren von landwirtschaftlich genutzten Flächen umgeben. Es sei denkbar, dass Insekten in den Schutzgebieten zwar zunächst gediehen, die Insekten dann aber auf den angrenzenden Ackerflächen verschwänden.Am stärksten war der Verlust mit 82 % Mitte des Sommers, wenn die meisten wirbellosen Insekten herumfliegen. „Ein Schwund wurde bereits lange vermutet, er ist aber noch größer als bisher angenommen.“

Lediglich bei den Bienen bewegt sich was, denn sie tragen in erheblichem Maß zur Erhaltung von Wild- und Kulturpflanzen und deren Erträgen bei. Majas Artgenossenzählen weltweit zu den wichtigsten Bestäubern. Nach Greenpeace entspricht ihre jährliche Bestäubungsleistung weltweit einem Wert von rund 265 Milliarden Dollar. Die ökonomische Leistung erbringen in Deutschland über 80.000 Imker mit zirka einer Million Bienenvölker. Diese decken mit etwa 25.000 Tonnen Honig pro Jahr etwa 20 % des heimischen Bedarfs.

Die schwarz-gelben Flügeltiere wurden beim Volksbegehren „Rettet die Bienen!“ in Bayern zu summenden Sympathieträgern. Ihre Kampagnentauglichkeit sorgte für mehr öffentliche Aufmerksamkeit zum Erhalt der Artenvielfalt, als der Eisbär auf der schmelzenden Eisscholle.

Unterstützung für den Umweltschutz kommt unerwartet auch von der Jugend. Angeregt durch die Schulstreiks von Greta Thunberg in Schweden, gibt es Proteste von jungen Menschen in vielen deutschen Städten unter dem Slogan „Fridays for future“. Sie fragen: Warum sollen wir für eine Zukunft lernen, die gerade zerstört wird?

Mehr Beiträge vom Kiepenkerl gibt es hier.

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