Original anstatt Fälschung

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Keine Branche ist sicher

Von klassischen Konsumgütern, über Möbel oder Autozubehör bis hin zu Medikamenten; nichts, was sich auch nur halbwegs gut verkaufen lässt, ist vor den professionellen Plagiatoren sicher. Zwar versuchen sich vereinzelte Unternehmer gegen Plagiate zu wehren, aber schnell fühlen sie sich von Zwischenhändlern im Stich gelassen.

Auf den Online-Warenhäusern der Welt sind etliche Billiganbieter aus dem chinesischen Raum die größte Konkurrenz zu qualitativ hochwertiger Markenware. Gerade in der Druckereibedarfsbranche wird das nicht-einhalten von industriellen Standards und auch das Missachten von Recycling-Gesetzen schon fast zelebriert. Das wohl wichtigste Kaufargument für den Kauf von Tinten- und Tonerpatronen ist hier noch immer der Preis. Dieser ist, da die chinesischen Anbieter oftmals keine Mehrwertsteuer abführen, selbstverständlich bei den billigen Imitaten geringer, als bei den Traditionskonzernen wie HP oder Pelikan. Wobei Pelikan gerade erst ihre Produktionslizenzen ironischerweise an ein ausgerechnet chinesisches Konsortium verkauften.

Fotos:  links Original – rechts Plagiat / Fälschung       Bildrechte: Aktion Plagiarius e.V.

“Name and Shame”

Das ist das Motto, des seit 1977 verliehenen Plagiarus-Preises, der für die dreistesten Plagiate und Fälschungen von Markenprodukten verliehen wird. Urheber des jährlich vergebenen Preises ist Industrie-Designer Rido Busse, der auf einer Messe in Frankfurt eine schamlose Kopie seiner 1965 entwickelten Brief- und Diätwaage entdeckte. Eine einstweilige Verfügung stoppte zunächst den weiteren Verkauf, bis ein paar Monate später ein anderer Exporteuer dasselbe Modell wieder auf dem Markt anbot. Auf eine erneute einstweilige Verfügung und eine Unterlassungserklärung folgte wenig später ein anderer Nachahmer. Busse sah erhebliche Nachteile auf Seiten der Innovationstreibenden und schrieb den Plagiarus-Preis für die dreistesten Produktkopien aus.

Ziel des Preises ist es, die Öffentlichkeit praxisnah über Ausmaß, Schäden und Gefahren von Produktpiraterie aufzuklären. Denn die Leidtragenden sind nicht nur die innovativen Hersteller und Designer, die erhebliche finanzielle Einbußen zu verzeichnen haben. Auch die Arbeitnehmer bangen aufgrund des Umsatzrückgangs ihrer Unternehmen um ihre Arbeitsplätze. Doch auch die Qualität der kopierten Waren kann den Endverbraucher vor teils lebensbedrohliche Risiken stellen. Vorrangig soll das Bewusstsein für die Bedeutung von gewerblichen Schutzrechten gestärkt und die Wertschätzung für kreative Leistungen erhöht werden. Auch wenn noch immer gerne darüber diskutiert wird – Sicherheit und vor allem Qualität haben nun mal ihren Preis.

Diesjähriger Gewinner des Plagiarus-Preises ist das chinesische Pendant zum Nicer Dicer Plus, der im Gegensatz zu seinem deutschen Original nur mit stumpfen Klingen und gesundheitsschädlichem Kunststoff aufwartet. Den frisch gebackenen Preisträger und viele weitere Beispiele aus der langen Historie der Produkt- und Markenpiraterie warten nur darauf, im Museum Plagiarius in Solingen von Interessierten unter die Lupe genommen zu werden.

Ungewollt amüsant

Meist sieht man den Produkten bereits ohne direkte Gegenüberstellung an, dass sie nicht der erwarteten Qualität entsprechen. Trübe Farben, mangelhafte Qualität; es gibt unzählige Indizien, die Fälschungen entlarven können. So urteilte das Patentgericht bereits 1997, dass Schwarzwälder Schinken nur als solcher bezeichnet werden darf, wenn alle Arbeitsschritte von der Produktion bis hin zum Verpacken nachweislich im Schwarzwald durchgeführt worden sind. Ähnliche Gerichtsurteile schützen nun auch den Feta-Käse (nur wenn er aus Griechenland stammt) oder dem Parma Schinken (nur aus der Stadt Parma) vor Nachahmern.

Doch manchmal kommen die Fälscher auf Ideen, deren Kreativität zum Entwickeln von diversen tatsächlich neuen Innovationen ausreichen würde. So haben findige Chinesen, statt sich von einzelnen Schinken aufhalten zu lassen, kurzerhand einen Ort namens Parma gegründet, in dem nun Schinken produziert wird.

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