Lackmuseum Münster: Meisterliche Lackobjekte

Print Friendly, PDF & Email

Westfalen – Das Lackmuseum Münster zeigt vom 19. April bis 26. Juli 2015 eine Ausstellung mit Arbeiten von Gérard Dagly. Der Titel der Ausstellung: „Gérard Dagly 1660 bis 1715 und die Berliner Hofwerkstatt“. Der 300. Todesjahr war Anlass, das Werk des bedeutendsten europäischen Lackkünstlers seiner Zeit zu würdigen.

Tisch mit zugehörigen Guéridons Weiße Lackfassung mit blauer Bemalung Berlin, Hofwerkstatt, 1690 – 1695 Bildhauerarbeit wohl von Johann Michael Döberl Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg

Tisch mit zugehörigen Guéridons: Weiße Lackfassung mit blauer Bemalung, Berlin, Hofwerkstatt, 1690 – 1695
Bildhauerarbeit wohl von Johann Michael Döberl, Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg

Der in Spa im heutigen Belgien 1660 geborene Gérard Dagly war zu seiner Zeit der bedeutendste Lackkünstler in Europa. Im Alter von 26 Jahren wurde er vom Großen Kurfürsten nach Berlin gerufen und bereits ein Jahr später, 1687, zum Kammerkünstler ernannt. Die noch im selben Jahr von ihm gegründete Berliner Hoflackwerkstatt war die erste ihrer Art in Europa. Unter Dagly entstanden in den 26 Jahren ihres Bestehens Lackmöbel, Vertäfelungen und Zierobjekte von herausragender Bedeutung in einem Stil, der in seiner Umsetzung ostasiatischer Vorbilder wegweisend war.

Kabinett auf Untertisch: mit Wandtisch Dunkelgrüne Aventurinlackfassung mit flachem und erhabenem Streumetalldekor Berlin, Hofwerkstatt, 1695 – um 1700 Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg

Kabinett auf Untertisch: mit Wandtisch Dunkelgrüne Aventurinlackfassung mit flachem und erhabenem Streumetalldekor, Berlin, Hofwerkstatt, 1695 – um 1700,
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin- Brandenburg

Außer der besonderen Fähigkeit, motivische und technologische Anpassungen asiatischer Motive vorzunehmen, zeichnet er sich durch ein besonderes Gespür vor allem für die japanische Ästhetik aus. In der meisterhaften Art, diese technisch wie künstlerisch zu verwirklichen, war er seiner Zeit weit voraus und wurde für seine Begabung in höchstem Maße geschätzt.

Die Hofwerkstatt fertigte überwiegend Mobiliar und Vertäfelungen für verschiedene preußische Residenzen, insbesondere aber für das Berliner Schloss sowie Schloss Oranienburg, an. Die Kunstfertigkeit Daglys honorierte Kurfürst Friedrich III., der spätere König Friedrich I., indem indem er ihn 1696 zum „Intendant der Ornamenten“ ernannte. Eine hohe Auszeichnung für den damals 36jährigen Dagly, war die Position doch gleichbedeutend mit der Gesamtaufsicht über die Ausstattung der königlichen Schlösser.

Paar Kabinette auf Untergestellen Holz, schwarzer Lack mit Goldstreudekor Kabinette: Japan, zweite Hälfte 17. Jahrhundert (Edo-Zeit) Untergestelle: Frankreich, 1700 – 1735 Paris, Privatsammlung Geschichte: Aus der Sammlung Comtesse Gardès

Paar Kabinette auf Untergestellen: Holz, schwarzer Lack mit Goldstreudekor
Kabinette: Japan, zweite Hälfte 17. Jahrhundert (Edo-Zeit), Untergestelle: Frankreich, 1700 – 1735
Paris, Privatsammlung – Geschichte: Aus der Sammlung Comtesse Gardès

Nach der Thronbesteigung König Friedrich Wilhelms I. wurde die Werkstatt im Jahre 1713 geschlossen. Gérard Dagly fand eine Anstellung beim Kurfürsten Johann Wilhelm II. von der Pfalz, verstarb jedoch 1715 in Bensberg.

Die Sonderausstellung des Museums für Lackkunst verdeutlicht erstmalig den übergeordneten Zusammenhang der Auseinandersetzung von Gérard Dagly mit ostasiatischen Lacken und der Sammelleidenschaft des Großen Kurfürsten sowie Friedrichs III./I. Beide waren leidenschaftliche Sammler von Ostasiatika und hegten ein ausgeprägtes Interesse für China und chinakundliche Studien. Sie machten Berlin im späten 17. Jahrhundert zu einer Keimzelle der Sinologie. Bedeutende und selten gezeigte Leihgaben der Staatsbibliothek Berlin veranschaulichen den Aspekt dieser mit wissenschaftlichem Anspruch betriebenen Chinakunde.

Bedingt durch den auf Mobiliar für die preußischen Residenzen gerichteten Schwerpunkt der Berliner Hofwerkstatt stehen große, repräsentative Möbel im Mittelpunkt der Schau. Dies ist eine weitere Besonderheit, da bei vielen anderen Ausstellungen, die Aspekte der Lackkunst vertiefen, der Schwerpunkt auf kleinen, filigranen Objekten liegt.

Inspiriert worden sei sie zu dieser Ausstellung durch eine vorausgegangene eigene Ausstellung, deren Thema das Werk von Martin Schnell, dem Hoflackierer Augusts des Starken, war, sagt Monika Kopplin, Direktorin des Museums für Lackkunst und Kuratorin der Ausstellung.

Auf die Frage, was die Ausstellung für sie persönlich auszeichne, antwortet sie: „Die Dagly-Ausstellung setzt in der Fülle der Ausstellungen, die ich für das Museum vorbereitet und durchgeführt habe, einen Meilenstein.“ Während der Vorbereitungszeit, die Anfang 2014 begann, sei es ihr gelungen, Zusagen für all die Leihgaben zu erhalten, die sie sich gewünscht habe – das sei für sie eine weitere Besonderheit, so Kopplin. Auch ein favorisiertes Exponat der Sonderausstellung hat die Expertin für Lackkunst: „Meine besondere Bewunderung gilt einem Paar japanischer Lackkabinette, die zu den schönsten Exportlacken gehören, die ich kenne“, so Kopplin, „und sie gilt dem Weilburger Kabinett Daglys, in dem die japanische Lackästhetik vollkommen umgesetzt ist.“

Die wichtigsten Leihgeber der 40 Objekte umfassenden Ausstellung sind die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, das Kunstgewerbemuseum Berlin, die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen, die Staatsbibliothek Berlin, sowie der schwedische König und private Sammler. Die Exponate stammen aus Deutschland, Frankreich, Schweden, England und Portugal, darunter auch chinesische und japanische Lacke.

Jeweils dienstags um 17.30 Uhr, der Eintritt ist dienstags frei, die Kosten für die Führung betragen 2 Euro

Das Museum ist mittwochs bis sonntags sowie an gesetzlichen Feiertagen von 12.00 bis 18.00 Uhr und dienstags von 12.00 bis 20.00 Uhr geöffnet.

Museum für Lackkunst / Windthorststraße 26 / 48143 Münster

Telefon 0251 –  41851 – 0

www.museum-fuer-lackkunst.de

Speak Your Mind

*