Soest startet mit “Hellweg Konkret”

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Westfalen – Das Projekt Hellweg Konkret steht in den Startlöchern. Los geht es am 17. August 2014 um 12 Uhr im Kunstmuseum Wilhelm-Morgner-Haus, Soest. Das Ausstellungsprojekt „Hellweg Konkret“ macht sich auf die Spur des konkreten Kunstschaffens in der Hellwegregion nach 1945. Die mehrteilige Reihe mit Stationen in Ahlen, Arnsberg, Hamm, Soest und Unna widmet sich einem wichtigen Zweig modernen und zeitgenössischen Kunsthandelns, das im regionalen Fokus bislang nur selten Beachtung gefunden hat.

Arbeit von  Gordon F. Turner - Foto: Marianne Turner Kleinebekel

Arbeit von Gordon F. Turner – Foto: Marianne Turner Kleinebekel

Zu entdecken sind Malerei, Grafik und Skulptur von Künstlern der Hellwegregion, deren Schaffen auf die konkreten Bildmittel wie Linie, Farbe, Fläche, Volumen und Raum konzentriert ist. Ihrer Kunst liegt die Idee zugrunde, rein geistigen Inhalten ästhetischen Ausdruck zu verleihen. In der Einfachheit der meist geometrischen Formensprache zeigt sich eine erstaunliche Bandbreite der Variationen, die mit den Augen erkundet und nachvollzogen werden will.

Im Zentrum des Projektes stehen regional wirkende Künstler wie Erich Lütkenhaus (1924-2010) und Gerhard Weber (1925-2013) in Hamm, K.G. Schmidt (1914-1987) in Bad Sassendorf, des Briten Gordon F. Turner (1944-1983) in Erwitte sowie Carlernst Kürten (1921-2000) in Unna. Die Präsentationen beleuchten das Zusammenspiel der Künstler untereinander und stellen es in einen größeren kunsthistorischen Zusammenhang. Wie es den Hellweg-Künstlern gelang, an konkret-konstruktive Tendenzen der Moderne anzuknüpfen, wird insbesondere im Dialog mit internationalen Positionen der Gegenwart deutlich.

Chromnickelstahl-Skulptur von Carlernst Kürten - Foto: Carlernst Kürten Stiftung

Chromnickelstahl-Skulptur von Carlernst Kürten – Foto: Carlernst Kürten Stiftung

Vor genau hundert Jahren wurde in Dresden der Maler und Grafiker Karl Georg Schmidt geboren. In den Nachkriegsjahren verschlug es ihn nach Westfalen. Sein künstlerischer Werdegang entwickelte sich nach dem Krieg in mehreren Phasen. Er begann zunehmend abstrakt zu arbeiten. Zunächst im Informel beheimatet, wandte er sich dann der lyrischen Abstraktion zu. Auf der Suche nach einem weiteren neuen Thema entdeckte er die abstrakte Geometrie, die zu seiner langjährigen, ihn beherrschenden Ausdrucksweise wurde. Er lotete das Zusammenspiel von Formen und Farben aus.

K.G. Schmidt: Atebo 7 - Foto: K.G. Schmidt

K.G. Schmidt: Atebo 7 – Foto: K.G. Schmidt

Auf seinen Bildwerken stellt er Quadrate, Rechtecke, Kreise, Ovale, Trapeze, Rhomben und auch Parallelogramme dar. Die einzelnen Figuren streben aufeinander zu, überlagern sich und stellen sich in immer neuen Konstellationen vor, weiche und harte Formen entfalten ihre Wirkung. Karl Georg Schmidt war Mitglied diverser Künstlergruppen. Er war Gründungsmitglied des Kunstvereins Kreis Soest.

Gordon F. Turner  nahm erfolgreich an Wettbewerben für Kunst an öffentlichen Bauten teil, deren Verwirklichung als Wandreliefs an vielen Orten in Westfalen und darüber hinaus zu finden sind.

Ausgehend von geometrischen Form-Modulen schuf der Bildhauer Carlernst Kürten ab 1968 Edelstahlskulpturen, die sich vor allem durch ihre Glätte, Präzision und maßvolle Harmonie auszeichnen. Trotz der Starre des Materials bergen sie das Potential der Veränderung in sich. Nicht nur ergibt sich im Umschreiten der glänzenden Körper ein Wechselspiel von Licht und Schatten.

Morgner Museum in Soest

Kunstmuseum  Wilhelm-Morgner-Haus in Soest

Kürtens kleinformatige Objekte fordern auch dazu auf, selbst gestaltend Hand anzulegen. Durch Kippen und Drehen der Skulpturen oder das Reorganisieren mehrteiliger Objekte werden die Möglichkeiten des Formenspiels aktiv erfahrbar. Die Fülle der räumlichen Wirkungen erwächst dabei aus der konsequenten Vereinfachung der Form. Gegenüber Erich Lütkenhaus und K.G. Schmidt zeigt sich die produktive Auseinandersetzung und Autonomie Kürtens, geb. 1921 in Waltrop, der bis zum Tod im Jahr 2000 in seinem ländlich gelegenen Atelier wirkte.

Erich Lütkenhaus, 1924 in Hiddingsel geboren, ist Konstruktivist und Minimalist gleichermaßen. Sein Werk bedient sich weniger der Farbe als viel mehr des feinen Strichs, in Bleistiftzeichnungen und Grafiken, die fast wie Vorlagen für Baumeister erscheinen. Lütkenhaus’ Skulpturen faszinierten durch die minimalistischen Interventionen geometrischer, oft metallener „Fremdkörper“ in kubische, klare Formen natürlicher Werkstoffe.

Zur Ausstellungsreihe erscheinen drei Kataloge. Museumspädagogische Angebote und ein vielfältiges Rahmenprogramm bieten außerdem Zugänge zum Verständnis der konkreten Kunst.

Die Landesförderung des Projekts Hellweg Konkret wurde durch die Bezirksregierung Arnsberg vorbereitet. Die  Eröffnung der Ausstellung K. G. Schmidt und Weggefährten findet am 17. August im Kunstmuseum Wilhelm-Morgner-Haus in Soest statt.
Di. – Fr. 14 – 17.00 Uhr, Sa. + So. 11 – 17.00 Uhr, montags Ruhetag
Kunstmuseum Wilhelm-Morgner-Haus / Thomästraße 1 / 59494 Soest
Telefon  02921 – 13524
www.soest.de
 


 

 


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Kommentare

  1. Guten Tag,

    ich habe nicht ganz verstanden, wie sich diese Ausstellungsreihe vollzieht: beginnend in Soest – aber dann? Gibt es eine zeitliche Reihenfolge , ggfs. wie ist die, oder läuft alles parallel? nur 2014 oder welche Termine sonst?

    Mit freundlichen Grüßen
    S. Hoffmann

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