Kupfertiefdruck: Gestochen scharf

Print Friendly, PDF & Email

Westfalen – Nur noch wenige Tage ist die Ausstellung „Gestochen scharf. Der Kupfertiefdruck von Dürer bis Kirkeby“ im Siegerlandmuseum „Oberes Schloss“ zu sehen: Am 19. August wird die Ausstellung wieder geschlossen. Die Ausstellung mit Arbeiten aus der Sammlung Morat, Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg im Breisgau wandert dann nach Rheine, wo sie vom 1. September bis zum 11. November 2012, wo sie im Falkenhof Museum Rheine gezeigt wird.

Albrecht Dürer: Der Reiter von 1513 – Foto: Siegerlandmuseum

Graphik ist als eine führende Ausdrucksmöglichkeit seit Jahrhunderten geschätzt. Sehr unterschiedlich ist die Art und Weise, wie die erforderlichen Vertiefungen in der Platte zustande kommen. Grob unterscheidet man zwischen den manuellen Stichverfahren, dem Kupferstich und der Schabtechnik, sowie den Ätzverfahren Radierung und Aquatinta.

Der Kupfertiefdruck entstand etwa ab der Mitte des 15. Jahrhunderts in enger Beziehung zum Goldschmiedehandwerk; er ist damit jünger als der Holzschnitt. Alle herausragenden Meister werden in der etwa 85 Arbeiten umfassenden Ausstellung vereint. Die Exponate stammen hauptsächlich aus dem Morat Institut für Kunst und Kunstwissenschaft in Freiburg (Breisgau); sie werden durch einzelne Blätter aus verschiedenen Museen ergänzt.

Albrecht Dürer: Adam und Eva – Foto: Siegerlandmuseum

Facettenreich spiegelt sich in der Druckkunst europäische Kultur- und Geistesgeschichte wider:  Der Bogen der Ausstellung beginnt im 15. Jahrhundert mit Arbeiten von Martin Schongauer (um 1445/50-1492), der in seinen Blättern aus der Passion selbst flüchtigste Momente festhält, gefolgt von den Meisterstichen von Albrecht Dürer (1471-1528), wie seiner „Melancholia“ (1514), der Apotheose des genialischen und denkenden Menschen – kein anderes grafisches Werk ist so ausgiebig erforscht und interpretiert worden. Arbeiten von Lucas Cranach dem Älteren (1472-1553), dem Hofmaler am kursächsischen Hof (Museum Zwickau), sind ebenso zu sehen wie Kupferstiche von Andrea Mantegna (1431-1506) und Blätter des französischen Barockkünstlers Claude Gellée, genannt Lorrain (1600-1682).

Martin Schongauer: Erzengel – Foto: Siegerlandmuseum

Die Stecher der Rubenswerkstatt und van Dycks Bildnisradierungen der „Iconographie“, die von Schülern ausgeführt wurden (Siegerlandmuseum), waren Vorbild für den herausragenden Radierer Rembrandt (1606-1669), den wiederum der Meister der Stufenätzung, Goya (1746-1828), studierte. Der Reigen wird vollendet durch Arbeiten von James Ensor (1860-1949), dem deutschen Expressionisten Max Beckmann (1884-1950), dem Wegbereiter des Tachismus und Informel in Deutschland, Wols (1913-1951), und dem Dänen Per Kirkeby (*1938).

Die Premiumausstellung mit etwa 85 Exponaten wird gefördert vom Land NRW und dem Kultursekretariat NRW Gütersloh. Es ist eine Kooperation mit dem Museum der Stadt Ratingen, den Kunstsammlungen Zwickau, dem Weserrenaissance Museum Lemgo und dem Kloster Bentlage in Rheine. Das Siegerlandmuseum hat die Ausstellung kuratiert.

Siegerlandmuseum  im Oberen Schloss / Burgstraße  / 57072 Siegen
Telefon 0 271 – 23 04 1-0

Speak Your Mind

*