Männerfreundschaften sind anders sagt der Kiepenkerl

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Männerfreundschaften sind anders – zumindest anders als Frauenfreundschaften. In der Literatur wird häufig davon gesprochen, dass Männerfreundschaften „side-by-side“-Freundschaften und Frauenfreundschaften „face-to face“-Freundschaften sind.

Männerfreundschaften sind anders sagt der Kiepenkerl

Freundinnen reden öfter über Beziehungen und ihre Gefühle – Foto Pixabay

Der Unterschied liegt in der Blickrichtung. Freundinnen entwickeln eher intime Kontakte, schauen sich direkt an, face to face, reden miteinander über Beziehungen, über persönliche Dinge oder Probleme. Bereits kleine Mädchen haben früh eine beste Freundin, mit der man sich austauschen kann.

Männerfreundschaften sind anders sagt der Kiepenkerl

Freundschaften beweisen sich oft in gemeinsamen Unternehmungen – Foto Pixabay

Männer schauen in dieser wichtigen Entwicklungsphase, side-by side, in die gleiche Richtung, auf eine Aufgabe, auf ein Ereignis, ein gemeinsames Vorhaben oder auf Objekte oder Techniken. Sie unternehmen gern etwas gemeinsam, verfolgen ein gemeinsames Ziel, haben ein gemeinsames Hobby oder kämpfen gemeinsam für etwas, für die Verteidigung des Lands oder eine andere Sache.

So heißt es in einem Lied der Arbeiterbewegung von 1914:

Wenn wir schreiten Seit‘ an Seit‘

und die alten Lieder singen
und die Wälder widerklingen
fühlen wir, es muss gelingen:
Mit uns zieht die neue Zeit.
Mit uns zieht die neue Zeit.

So kann man gemeinsam etwas bewirken oder erreichen.

Professorin Hanne Schaffer sagte in einem Vortrag: „Männer sind zu einem Zweck miteinander befreundet. Männer tun immer etwas für etwas.“

Männer, die im 2. Weltkrieg in russische Gefangenschaft gekommen waren, haben immer wieder das Kämpfen Seite an Seite, oder Rücken an Rücken mit ihren Kameraden als wichtigste Kriegserfahrung hervorgehoben. Und wenn Alkohol die Zungen löste, wurden oft von belastenden Erinnerungen erzählt, die mit ihren Kameraden erlebt hatten.

Das Wort Kamerad geht auf das italienische Wort „camera“ zurück und bedeutet Zimmer oder Raum. Kameraden leben zusammen in Gruppen, vielleicht in einem Raum, haben eine gemeinsame Erfahrung, wie den Kampf oder die Verteidigung im Krieg. Vielleicht sind sie aber auch aktiv in einer Sportmannschaft, bei der Feuerwehr oder einer anderen Einrichtung. Kameradschaft beruht auf gegenseitiger Hilfsbereitschaft oder Solidarität und weniger auf Zuneigung. Sie kann aber die Grundlage für die Entwicklung einer persönlichen Freundschaft sein.

Bei kleinen Jungen ist zu beobachten, dass sie schon früh Interesse an technischen Dingen und Spielzeug zeigen. Miniaturautos, Bagger oder Kettcars sind eine wichtige Quelle für Spaß, aber auch für Nähe und Körperkontakt. Jungen spielen schon früh am liebsten mit anderen Jungen in einer Gruppe. Mit ihnen kann man wetteifern, sich messen und konkurrieren. Jungen versuchen schnell eine Rangordnung zu bilden. Wer ist der Stärkste? Wer ist der Chef?

Vieles von dem findet sich auch bei den erwachsenen Menschen wieder. Jungen und Männer wollen mit ihren Freunden etwas Gemeinsames erleben oder unternehmen, um Spaß zu haben.

Warum reden Jungen und Männer nicht gern über ihre Gefühle? Viele kennt das Lied von Herbert Grönemeyer „Wann ist ein Mann ein Mann?“ Darin ironisiert er einerseits das traditionelle Bild von Männlichkeit, von Überlegenheit, Tapferkeit und Vernunft. Aber auch seine Angst vor Gefühlen.

Gefühle gelten als schwach und weiblich. Unsicherheit, Angst oder Traurigkeit werden als bedrohlich erlebt, über die man besser schweigt. Viele Ehefrauen oder Partnerinnen beklagen sich auch darüber, dass ihre Männer nicht über ihre, Gefühle oder Empfindungen reden wollen oder können. Viele Männer haben bereits früh in der Kindheit erfahren, dass es gefährlich sein kann Gefühle zu zeigen. Denn wenn man ängstlich oder unsicher ist, muss man befürchten, ausgelacht oder abgelehnt zu werden, und als Schwächling, Weichei oder Schwuler verachtet zu werden.

In öffentlichen Kommentaren werden Männerfreundschaften manchmal abgewertet: Sie seien zu oberflächlich und auf Spaß, Selbstdarstellung oder Konkurrenz ausgerichtet.

Oft haben Männer nach dem Eintritt ins Rentenalter Probleme mit Freundschaften. Viele soziale Kontakte aus dem Beruf und Alltag sind weggebrochen. Oft wird die Ehefrau zum wichtigsten und manchmal zum einzigen sozialen Kontakt. Das führt schnell zu Konflikten, weil sich die Bereiche vermischen, für die der eine oder andere zuständig war. In dieser Lebensphase ist es besonders wichtig, dass sich der Mann zusätzliche Betätigungsfelder erschließt und Männerfreundschaften schließt.

Häufig bringt Übernahme von Ehrenämtern neue Kontakte und Erfüllung.

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