Beziehungen von Mensch und Tier im Ruhrgebiet

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Beziehungen von Mensch und Tier im Ruhrgebiet: Zeche Hannover zeigt Ausstellung „Boten, Helfer und Gefährten“.

Beziehungen von Mensch und Tier

Der Ausstellungsbereich über Tauben wirft unter anderem einen Blick auf Brieftaubensport- und Zucht – Foto LWL/Gehrmann.

Am Mittwoch (17.3.) öffnet das LWL-Industriemuseum Zeche Hannover wieder seine Tore. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zeigt in seinem Museum die Sonderausstellung „Boten, Helfer und Gefährten“ als Neuauflage. Die Schau über die Beziehungen von Mensch und Tier im Ruhrgebiet geht am Beispiel von Bienen, Schweinen, Tauben und Pferden dem Wandel der Beziehungen von Mensch und Tier nach. Über 300 Exponate und zahlreiche Medienstation beleuchten das wechselvolle Verhältnis vom Industriezeitalter bis heute.

„Wir freuen uns sehr, dass wir das Museum wieder für unsere Gäste öffnen können. Die Ausstellung war im vergangenen Jahr nur für wenige Wochen zu sehen. Daher sind wir sehr froh, dass wir sie nun erneut zeigen können“, erklärt Museumsleiter Dietmar Osses. Am Eröffnungstag steht das Team der Kuratoren in der Ausstellung bereit, um die Gäste zu begrüßen und Einführungen in die Ausstellung zu geben.

Beziehungen von Mensch und Tier

Die Ausstellungskuratorinnen Lisa Egeri, Julia Bursa und Jana Golombek (v.l.) stehen am Eröffnungstag (17.3.) in der Ausstellung für Fragen bereit. Besucher:innen können sich mit Namensschildern in einer Fotobox ablichten – Foto LWL/Gehrmann.

Für die Wiederaufnahme des Betriebs hat das LWL-Industriemuseum zusätzliche Vorkehrungen getroffen. So hat das Museumsteam die Sicherheitsvorkehrungen noch einmal verbessert und ein Anmeldesystem eingeführt. Das Museum und die aktuelle Sonderausstellung sind Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Das Kinderbergwerk ist zum freien Spielen samstags von 14 bis 18 Uhr und sonntags zwischen 11 und 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist erforderlich und kann vorab per E-Mail, telefonisch oder direkt im Museum erfolgen: E-Mail: zeche-hannover@lwl.org, Telefon: 0234 2825390.

Zur Vermeidung von Wartezeiten empfiehlt das Museum vor allem an Wochenende eine frühzeitige Anmeldung. Gruppenführungen sind gegenwärtig noch nicht gestattet.

Themen der Ausstellung über die Beziehungen von Mensch und Tier im Ruhrgebiet

Schweine
Ob schlau und niedlich oder verfressen und unrein – die Einstellungen der Menschen zu Schweinen ist voller Widersprüche. Während bis in die 1960er-Jahren die Haltung und Schlachtung eines Hausschweins in der Bergarbeitersiedlung noch üblich war, haben sich heute die Lebenswelten von Schweinen und Menschen im Ruhrgebiet weit voneinander entfernt. Die Haltung, Tötung und Verarbeitung der Schweine sind im Alltag kaum sichtbar. In der Populärkultur begeistern Peppa Pig und Pottpauli vor allem Kinder. Wildschweine sind in den speziell angelegten Wildgehegen gern gesehen. Im Stadtwald und in Gärten gelten sie dagegen als Eindringlinge, an Autobahnraststätten als Seuchenherde und werden daher vertreiben und gejagt.

Pferde
Westfalen gilt als Pferdeland – und das mit Recht. Wildpferdbestände im Emscherbruch begründeten einst die Pferdemärkte in Crange und Umgebung. Seit dem Mittelalter ist ein aufsteigendes Pferd das Wappentier von Westfalen. Bis 1966 arbeiteten Zehntausende von Grubenpferde in den Bergwerken unter Tage. Das Industriezeitalter brachte aber auch den Pferdesport ins Ruhrgebiet. Der irische Unternehmer William Thomas Mulvany veranstalte in der eigens angelegten Pferderennbahn in Castrop 1875 das erste große Pferderennen im Ruhrgebiet. Galopp- und Trabrennbahnen folgten in zahlreichen Revierstätten. Sie boten Pferderennsport auf höchstem Niveau und gesellschaftliche Anlässe für Prominente und Arbeiterschaft. Heute ist der Reitsport ein Massenphänomen. So hält Nordrhein-Westfalen die Spitzenposition bei der Anzahl der Reisportvereine in Deutschland. Pferdebücher, Pferdefilme, Pferdeblogs und Pferdeliebeseiten im Internet sind vor allem bei Mädchen beliebt und verschaffen der Zubehörindustrie hohe Umsätze.

Tauben
Weiße Tauben gelten als Zeichen für Unschuld, Frieden und Gottes Segen. Die Populärkultur des 19. Jahrhunderts prägte vor allem das Motiv der Tauben als Liebesboten. Aus militärischen Gründen unterstütze die preußische Regierung ab 1876 die Gründung von Brieftaubenzuchtvereinen. Im Ruhrgebiet fiel die Idee der Taubenzucht und der Veranstaltung von Wettflügen auf besonders fruchtbaren Boden. Die Siedlungshäuser der Arbeiterkolonien boten mit den großen Gärten und Dachböden ideale Voraussetzungen, um einen Taubenschlag zu betreiben. Neben der Taubenzucht waren Wetten auf den Ausgang der Preisflüge, aber auch der gesellige Austausch der meist männlichen Brieftaubenzüchter für viele attraktiv. Um 1900 entwickelte sich das Ruhrgebiet zum Zentrum der Brieftaubenzucht in Deutschland und hält diese Position trotz eines deutlichen Rückgangs der aktiven Taubenzüchter:innen auch weiterhin. Als ein „Himmelbett für Tauben“ besang Herbert Grönemeyer seine Heimatstadt Bochum. Tatsächlich sind Tauben in den Innenstädten heute von vielen Menschen nicht gern gesehen. Mit aufwändigen Maßnahmen von Netzen über Abwehrspikes bis zu Stromschienen werden die Stadttauben vergrämt – und dabei oft verletzt oder getötet. Zahlreiche Initiativen setzten sich für den Schutz der frei lebenden Tauben und ein friedliches Miteinander von Menschen und Tauben ein. Sie versorgen verletzte Tiere und bieten sich für Beratungen an.

Bienen
Für viele Menschen gelten Biene als fleißige und nützliche Tiere. Produkte der Honigbienen sind als Genuss- und Heilmittel sehr begehrt. Der Bochumer Gelehrte Carl Arnold Kortum verfasste 1776 ein umfassendes Werk über die Grundsätze der Bienenzucht in Westfalen. In der Hochphase der Schwerindustrie beklagten Imker im Ruhrgebiet die negativen Auswirkungen der Rauchplage auf ihre Bienenvölker und den Rückgang der Honigerträge. Heute gelten die Bienen als Botschafterinnen im Kampf für Umweltschutz und Artenvielfalt. Die Urban-Beekeeping-Bewegung hat die Städte des Ruhrgebiets erreicht. Seit 2012 widmen sich auch die „Ruhrstadtimker“ der Bienenzucht und betreuen eine ständig wachsende Zahl von Nachwuchsimker:innen. Im Mittelpunkt steht die Arbeit mit den Bienenvölkern – die Frage nach dem Honigertrag tritt dabei in den Hintergrund.

Boten, Helfer und Gefährten. Beziehungen von Mensch und Tier im Wandel
17. März bis 3. Oktober 2021
LWL- Industriemuseum Zeche Hannover
Geöffnet Mi-Sa 14-18 Uhr, So und an Feiertagen 11-18 Uhr

Katalog
Boten, Helfer und Gefährten. Beziehungen von Mensch und Tier im Wandel, Hg. LWL-Industriemuseum, Lisa Egeri und Dietmar Osses, Klartext Verlag, Essen 2020, ISBN 978-3-8375-2269-3, 19,95 Euro
Erhältlich in den Museumsshops des LWL-Industriemuseums und im Buchhandel.

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