Brücke wird verschoben – Deutschlandpremiere

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Hagen – Eine komplette Autobahn-Brücke wird verschoben: Diese Deutschlandpremiere hatte die Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH des Bundes am Mittwoch, 24. Februar 2021, bekannt zu geben. Der Koloss Lennetalbrücke wird am Freitag, 5. März in eine neue Position gebracht. Eine Premiere von außerordentlicher Dimension. Die Zahlen allein beindrucken: Fast 1000 Meter lang und mit 30.000 Tonnen drei Mal so schwer wie der Eiffelturm – die Lennetalbrücke ist ein Bauwerk mit Format. Der Koloss aus Stahl und Beton wird um knapp 20 Meter verschoben, heran an den Brückenzwilling, auf dem der Verkehr der A45 derzeit läuft. Ein einmaliger Vorgang in Deutschland. „Tausend Meter Brücke, das hat noch keiner verschoben“, ist Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Autobahn-Niederlassung Westfalen, stolz auf die Mannschaft der Außenstelle Hagen, die dieses Projekt gemeinsam mit dem Auftragnehmer Hochtief vorbereitet hat.

Brücke verschoben

Ein Blick auf die Verschubbahnen der neuen A45-Lennetalbrücke – Foto Autobahn Westfalen

Knapp vier Jahre hat der Brückenüberbau, der nun auf den Verschub vorbereitet wird, seinen Dienst bereits auf Hilfspfeilern versehen. Während parallel die einteilige Bestandsbrücke abgerissen und eine neue Brückenhälfte gebaut wurde, rollten die täglich gut 90.000 Fahrzeuge, die die A45 zwischen Dortmund und Hagen nutzen, über den Neubau. Das Bauwerk war vor dem Abriss neben der alten Brücke errichtet worden. Nach Fertigstellung des Brückenzwillings in Fahrrichtung Dortmund und der 13 Pfeiler und zwei Widerlager für den Überbau in Richtung Frankfurt, wird nun verschoben. Exakt 19 Meter und 15 Zentimeter rückt der Brückenkoloss nach Osten. Langsam, sehr langsam.

Im Schneckentempo nach Osten

„Eine Weinbergschnecke würde das Rennen gewinnen“, sagt Michael Neumann von Autobahn Westfalen und Leiter des „Brücke wird verschoben“-Projekts. 0,003 Kilometer pro Stunde kann das exakt 984,5 Meter lange Bauwerk zurücklegen, die Schnecke schafft immerhin knapp mehr als 0,004 Kilometer in 60 Minuten. Verschoben wird die Brücke mit Hilfe von 15 Hydraulikaggregaten, die auf den 15 Verschubachsen montiert sind und das Bauwerk mit Hilfe von dünnen Stahlseilen bewegen. „Die Brücke wird gezogen und nicht geschoben“, klärt Neumann auf. „Auch wenn wir immer vom Verschub sprechen.“ Anschub könnte allerdings der Wind geben, dem die Brückenhälfte mit dem stählernen Hohlkasten und den bereits montierten transparenten Lärmschutzwänden eine große Angriffsfläche bietet. „Damit wir da gegensteuern können, gibt es sechs Hydraulikaggregate, die einen Gegenzug aufbauen“, sagt der Ingenieur.

Fett statt Spülmittel

Ob Schub oder Zug – die tonnenschwere Last muss sich leicht bewegen lassen. Um das zu gewährleisten, wurden zwischen den Hilfspfeilern und den endgültigen Brückenpfeilern Verschubbalken aus Beton eingebaut und Verschubschlitten montiert, auf denen die Brücke auf Teflonplatten gleitet. Nicht wie in anderen Fällen schon praktiziert auf einem Film aus Spülmittel, sondern auf einem Spezialfett, dessen Konsistenz in mehreren Versuchen ermittelt wurde. In den vergangenen Wochen ist die Brücke Stück für Stück angehoben und auf die Schlitten gesetzt worden. Eine Millimeter-Arbeit, damit der Überbau nicht beschädigt wird. „Beim Anheben muss man darauf achten, dass beide Lagerpunkte einer Pfeilerachse synchron angehoben werden, mehr als zwei Millimeter darf die Abweichung nicht sein“, erklärt „Brücke wird verschoben“-Projektleiter Neumann. Während beim Anheben tatsächlich mit einem Lineal gemessen wurde, wird der Querverschub mit einem eigens montierten Lasermess-System kontrolliert. „Zusätzlich sind noch Vermesser auf der Baustelle, um die Bewegung zu überwachen.“

Allein starker Wind oder Frost, wie er Anfang des Monats geherrscht hat, könnten zum Verschieben des Verschub-Termins führen. Doch die Teams, die allein in die Planung dieses einmaligen Ereignisses tausende Arbeitsstunden investiert haben, sind zuversichtlich, dass die letzten Stunden am 5. März dazu kommen. „Ob es an diesem Tag dann fünf oder zehn Stunden sind, darauf kommt es nicht mehr an“, sagt Elfriede Sauerwein-Braksiek „Hauptsache, die Brücke wird verschoben und liegt am Ende an ihrem Platz.“

Hintergrund
• Mit dem erfolgreichen Verschub sind die Brückenbauarbeiten nicht beendet. Das Bauwerk muss Pfeiler für Pfeiler auf die eigentlichen Lager umgesetzt werden. Diese Arbeiten finden unter der Brücke statt, so dass Verkehrsteilnehmer auf der A45 lange Zeit keine Arbeiten auf der Brücke sehen werden.
• Zudem müssen die Fahrbahnübergänge, die die Längsausdehnung der Brücke ausgleichen, eingebaut werden.
• Voraussichtliche Verkehrsfreigabe: Sommer 2021
• Gleichzeitig mit der Lennetalbrücke ist die Sudfeldbrücke, die südlich der Großbrücke direkt anschließt, erneuert worden. Der Bund investiert rund drei Millionen Euro in den Neubau der Brücke über die Sudfeldstraße.
• Nachhaltigkeit steht auch bei einem solchen Großprojekt im Fokus: Ein Teil des Betons der alten Lennetalbrücke ist für die Geländeaufbereitung des ehemaligen Opel-Standortes in Bochum genutzt worden.
• Die genehmigten Kosten für den Bau der Lennetalbrücke liegen bei 179 Millionen Euro.

Wegen der Corona-Beschränkungen ist es bei der Deutschlandpremiere überm Lennetal nicht möglich, eine Fläche für Zuschauer freizugeben, die den Verschub beobachten wollen, so der Hinweis der von Autobahn  Westfalen.Mit bloßem Auge ist das „Brücke wird verschoben“ auch kaum zu erkennen. Die Verkehrszentrale der Autobahn Westfalen bietet die Möglichkeit, über eine Web-Kamera auf verkehr.nrw.de den Verschub zu verfolgen, so die Mitteilung aus Hagen.. Einen direkten Link zur Kamera finden Interessierte am Tag des Verschubes auf den Sozialen Kanälen der Autobahn GmbH – wie zum Beispiel Facebook und Instagram.

Brücke wird verschoben: 18 Fragen an sechs Experten

Hagen – Wie realisiert man einen 1000-Meter-Autobahnbrückenbau bei laufendem Verkehr, wie bekommt man eine Deutschlandpremiere mit derart stattlichen Dimensionen hin? Der Projektleiter, die Bauüberwacher, der Umweltbegleiter, ein Vermesser und der technische Koordinator beantworten dazu jeweils drei Fragen.

Drei Fragen an den Projektleiter

Sie haben als Projektleiter beim Bau der Lennetalbrücke den Hut auf. Was sind Ihre Aufgaben?
Natürlich ist es in der Regel ein Helm, den ich auf dem Kopf habe. Aber mit Blick auf das Projekt habe ich die Verantwortung und damit den Hut auf. Wir arbeiten bei einem solchen Projekt als Team, in dem alle Beteiligten wichtig sind und verantwortungsbewusst arbeiten. Bei einem so großen Bauwerk müssen alle Bereiche, von der Umweltbaubegleitung bis zum Ingenieur, der für die Konstruktion zuständig ist, miteinander kommunizieren. Das gilt auch dann, wenn Fehler passieren. Nur mit einer offenen Gesprächskultur lässt sich ein solches Projekt erfolgreich abschließen.

Brücke verschoben

Michael Neumann, Diplom-Ingenieur, Teamleiter Bau Außenstelle Hagen – Foto: Autobahn Westfalen

Bei der Planung gibt es inzwischen eine frühe Bürgerbeteiligung. Spielen die Bürgerinnen und Bürger beim Bau auch eine Rolle?
Ja, auf jeden Fall. Nur wenn wir ein Projekt gut erklären, können wir Akzeptanz erzeugen. Schließlich nimmt so ein Brückenbau vielfältigen Einfluss auf die Menschen. Da sind die Pendler, die über Jahre durch eine Baustelle fahren müssen. Oder die Anwohner, die vom Abriss bis zur Freigabe mit Lärm und auch Schmutz leben müssen. Beim Abriss habe ich an manchem Kaffeetisch gesessen und den Anwohnern erklärt, was wir tun, um sie nicht allzu sehr zu belästigen. Und während der Bauphase haben wir immer wieder Besucher über die Baustelle geführt, um zu erklären, was hier passiert. Nur so lässt sich Verständnis dafür wecken, dass ein solch komplexer Neubau nicht in ein paar Monaten erledigt ist.
Wann ziehen Sie unter das Projekt „Lennetalbrücke“ den Schlussstrich?
Der nächste Meilenstein, neben dem Querverschub des westlichen Überbaus und der Verkehrsfreigabe, wird sein, wenn die Baufirma Hochtief die Arbeiten beendet hat und die Baustelle verlässt. Dann ist der eigentliche Bau fertig. Doch unsere Arbeit endet damit nicht. Wir müssen noch das gesamte Umfeld der Brücke gestalten, damit die Natur an dieser Stelle wieder zu ihrem Recht kommt. Für den Eingriff in die Ökologie muss ein Ausgleich geschaffen werden. Das dauert noch einige Zeit. Und auch die Abrechnung eines solchen Großprojektes wird uns noch länger beschäftigen. Den letzten Ordner „Lennetalbrücke“ stelle ich also wahrscheinlich erst in ein oder zwei Jahren ins Regal.

Drei Fragen an die Bauüberwacher

Was ist Ihre Aufgabe beim Bau der Lennetalbrücke?
Wir haben den Erd- und Straßenbau, die Verkehrsführung innerhalb der Baustelle und alle Leitungen im Blick, die mit dem Projekt „Lennetalbrücke“ zu tun haben. Das beginnt bei der ersten Erdbewegung im Baufeld und reicht bis zur Markierung der neuen Fahrbahn, wenn das Bauwerk fertig ist. Es gibt aber auch Aufgaben, die mit dem Straßenbau an sich nichts zu tun haben. So haben wir auch den Ausbau des Fledermausstollens, der im Rahmen der Ausgleichsmaßnahmen angelegt worden ist, überwacht. Und wenn nun nach der Fertigstellung der eigentlichen Brücke die Flächen unter dem Bauwerk wiederhergestellt werden, sind wir auch mit dabei.

 

Brücke verschoben

Markus Kirchhoff (rechts) und Ulrich Laukötter, beide Bautechniker und seit 1993 ein Team, Abteilung Bau Außenstelle Hagen – Foto Autobahn Westfalen

Das bedeutet, dass Sie viel unterwegs sind. Bei einem so großen Bauwerk haben sie doch sicher so manchen Kilometer zurückgelegt?
Wenn es um die Überwachung der Bauausführung geht, sind wir natürlich draußen unterwegs. Und da ist ein so großes Projekt sicherlich eine Herausforderung. Aber letztlich ist es eine Brückenbaustelle wie andere auch. Gut 60 Prozent der Arbeit findet draußen statt, es gibt aber auch jede Menge Arbeit am Schreibtisch. Wenn dann bei der Abrechnung im Büro etwas auffällt, müssen wir Helm und Arbeitsstiefel wieder anziehen und überprüfen, ob die Angaben plausibel sind. Bei der Rechnungsbearbeitung ist dieses Großprojekt natürlich auch besonders, das sind schon andere Summen, mit denen wir hier zu tun haben.
Die Brücke wird verschoben, und der Verkehr auf der A45 rollt durch die Baustelle. Was muss dafür bei der Bauplanung berücksichtigt werden?
Es geht immer darum, ein maximales Baugeschehen mit einem minimalen Verkehrseingriff zu ermöglichen. Das bedeutet, dass wir für den Bau der Lennetalbrücke, soweit es möglich war, auf Vollsperrungen verzichtet haben. Eine Vollsperrung ist den Baufirmen natürlich am liebsten, dann können sie auf breiter Fläche agieren. Doch lässt sich das nicht mit unserem Anspruch verbinden, den Verkehr möglichst durchgehend rollen zu lassen. Die hohe Verkehrsbelastung von gut 90.000 Fahrzeugen pro Tag ist da bei diesem Projekt eine Herausforderung. Zusätzlich mussten wir für die Rettungskräfte eine Spur einrichten, da bei einem Kilometer Brückenlänge ja niemand von rechts oder links zu einer möglichen Unfallstelle kommen kann.

Brücke wird verschoben: Drei Fragen an den Umweltbau-Begleiter

Was ist Ihre Aufgabe beim Bau der Lennetalbrücke?
Mit der Umweltbaubegleitung stellen wir sicher, dass die Eingriffe in die Natur so gering wie möglich gehalten werden. Das ist bei einer so großen Maßnahme eine echte Herausforderung. Denn die Flächen, die für diesen Bau beansprucht werden – auch wenn es nur für die Bauzeit ist – sind schon enorm. Wir befinden uns mit der Baustelle im Überschwemmungsgebiet der Lenne. Da müssen wir Betriebsstoffe wie Öl oder ähnliches besonders sichern, damit sie bei Hochwasser nicht in die Lenne gelangen können. Auch beim Abbruch der alten Brücke ging es darum, das Gewässer zu schützen. Um das Baufeld zu erschließen, sind große Bodenbewegungen notwendig. Zum Ende der Maßnahme geht es nun darum, diesen Boden wieder fachgerecht einzubauen. Wir schauen aber nicht nur darauf, dass das Baugeschehen selbst wenig Schäden in Tier- und Pflanzenwelt verursacht, wir sorgen auch für den entsprechenden Ausgleich. Denn ohne Eingriffe in die Natur lässt sich ein solches Projekt nicht verwirklichen. Ausgleichsflächen müssen zum Teil im Vorfeld eines Baus angelegt werden, damit sie auch tatsächlich als Lebensraum für Tiere und Pflanzen dienen können, die im Brückenumfeld zu finden sind. Unsere Arbeit beginnt also schon lange bevor die ersten Bagger anrücken. Wir haben in der Nähe der Brücke einen alten Stollen geöffnet, um Fledermäusen ein neues Quartier anzubieten. Eine sogenannte Blänke – ein Flachgewässer – wurde auf einer Wiese angelegt und die Lenne entfesselt, also in einen natürlichen Zustand versetzt. Inzwischen wurde dort der Flussregenpfeifer nachgewiesen, eine seltene Vogelart, die sehr lange nicht mehr im Lennetal gesichtet worden ist. Jetzt wollen wir das Gelände so herrichten, dass der Vogel hier auch gut brüten kann. So ein Nachweis freut mich natürlich sehr, weil man merkt, dass die Arbeit etwas bewirkt.

Brücke verschoben

Christoph Geck, Bachelor of Engineering Landschaftsentwicklung, Abteilung Bau Außenstelle Hagen – Foto Autobahn Westfalen

Was sind die besonderen Herausforderungen?
Die Natur hält sich nicht an Planungen, die im Vorfeld gemacht werden. Wir haben während des Baus einen Wanderfalken beobachtet, der sich häufig auf einem Pfeiler niedergelassen hat. Wanderfalken waren bis dahin eigentlich kein Thema an dieser Brücke. Natürlich haben wir befürchtet, dass sich dieser geschützte Vogel den Pfeiler nun als Brutplatz aussucht und haben sofort Kontakt zur AG Wanderfalkenschutz des Naturschutzbundes (Nabu) gesucht. Letztlich war der Pfeiler dann aber wohl doch nicht so einladend, dass der Falke geblieben ist. Wir haben aber an einer anderen Brücke im Bereich Hagen-Süd einen Nistkasten aufhängen lassen, um dem Wanderfalken ein zusätzliches Nistangebot zu machen. Das Beispiel zeigt, dass wir immer wieder mit neuen Themen konfrontiert werden. Bei der Lösung von Problemen ist uns dann die enge Zusammenarbeit mit den Behörden und Verbänden wichtig.
Begleiten Sie das Bauwerk auch in Zukunft weiter?
Ja, unsere Arbeit ist mit der Fertigstellung des Baus nicht zu Ende. Zum einen müssen wir regelmäßig überprüfen, ob unsere Maßnahmen zum Beispiel für die Fledermäuse auch funktionieren. Das bedeutet, dass wir die neuen Schlafplätze untersuchen, ob sich dort Tiere niedergelassen haben. Zum anderen geht es nach der Fertigstellung des Bauwerkes darum, das Umfeld wieder naturnah zu gestalten. Wir werden mehr als 3000 Sträucher und über 2000 Bäume – inklusive 50 Hochstämme – pflanzen. Böschungen und andere Flächen werden mit einem sogenannten Regio-Saatgut eingesät. Dieses Saatgut enthält ausschließlich heimische Pflanzen, die ein wertvolles Biotop für Insekten bilden. Wir geben das, was wir zum Beginn der Baustelle entfernt haben, der Natur zurück. Da, wo es möglich ist, verbessern wir den ursprünglichen Zustand.

Drei Fragen  an den Vermesser

Vermesser liefern die Grundlagen für Planung und Bau. Was ist genau Ihre Aufgabe beim Projekt „Lennetalbrücke“?
Wir haben für die Planung das gesamte Bauumfeld aufgenommen. Vermesser übersetzen für die Planer quasi das, was in der Wirklichkeit zu finden ist, in eine Plansprache. Wir stellen Längen und Höhen dar, damit ein Neubau am Ende auch tatsächlich mit seinem Anfang und Ende passt und alle Hindernisse – wie die Bahn, die Lenne oder die Stadtstraßen – überwunden werden.

Thomas Sauerwald, Vermessungsingenieur, Außenstelle Hagen – Foto Autobahn Westfalen

Um zu bauen, müssen die Daten der Planer aber auch wieder ins Baufeld übertragen werden…
Ja, das stimmt. Und auch dafür haben wir Grundlagen geschaffen. Es wurde ein so genanntes Festpunktfeld für die Baufirmen erstellt. Dabei werden mehr als ein Dutzend Punkte im Baufeld sehr genau nach Lage und Höhe vermessen. An diesen Festpunkten können sich die Firmen dann für ihre eigenen weiteren Vermessungsarbeiten orientieren. Wichtig war, dass diese Punkte beim Abbruch und Neubau möglichst lange erhalten bleiben. Wir mussten also schon im Vorfeld überlegen, wo Erdarbeiten stattfinden oder später ein Brückenpfeiler steht. Inzwischen ist die Zahl der Punkte aber trotz allem stark geschrumpft.
Haben Sie den Bau über die Jahre regelmäßig begleitet?
Die Bauüberwachung verlangt natürlich auch während der Bauphase immer wieder eine Kontrolle, ob alles so gebaut wird, wie geplant. Und jetzt zum Finale werden wir auch überprüfen, ob die Brücke nach dem Verschub dort angekommen ist, wo sie tatsächlich stehen soll. Eine solche Vermessung führen wir gemeinsam mit der ausführenden Firma durch und sie gehört mit zur Bauabnahme.

Drei Fragen an den technischen Koordinator

Was ist Ihre Aufgabe beim Bau der Lennetalbrücke?
Ich bin technischer Koordinator oder auch „Projektingenieur“. Auf meinem Tisch landen nicht nur technische Fragen, die gelöst werden müssen, sondern auch vertragliche Themen und Fragen zur Abrechnung. Ich bin also in vielen Bereichen in den Bau der Brücke eingebunden und sorge dafür, dass wir gemeinsam Lösungen für entstehende Probleme finden. Oder dass Probleme gar nicht erst entstehen, indem die unterschiedlichen Beteiligten schnell ins Gespräch kommen.

Brücke verschoben

Stephan Eichholz, Bauingenieur, Abteilung Bau Außenstelle Hagen – Foto Autobahn Westfalen

Was für Themen sind das konkret?
Das kann etwas ganz Banales sein. Für die Aufhängung der Entwässerungsleitung unter der Brücke sollte zum Beispiel ein spezieller Dübel verwendet werden, der aber für den Brückenbau noch keine baurechtliche Zulassung hatte. Technisch gab es mit der Verwendung kein Problem, es fehlte schlicht die „Papierform“. Eine solche Zulassung ist aber für alle Bauteile und -verfahren notwendig. Also habe ich das Thema an den Prüfingenieur weitergeleitet, und wir haben eine Lösung gefunden. Ein wichtiger Aspekt meiner Arbeit ist zudem das Planmanagement. Wir müssen als Auftraggeber die Ausführungspläne freigeben, sichern uns aber auch noch mit Hilfe weiterer Prüfingenieure ab. Das muss alles koordiniert werden, damit am Ende auf der Baustelle das richtige ausgeführt wird.
Ist die Lennetalbrücke für Sie ein besonderes Projekt?
Eigentlich geht es bei jedem Projekt grundsätzlich um die gleichen Themen. Da wird ein kleiner Bachdurchlass genauso behandelt wie eine Großbrücke. Aber natürlich ist auch für mich die Lennetalbrücke ein besonderes Projekt. Ich bin seit den ersten Überlegungen für einen Neubau dabei und bin als Ingenieur natürlich auch von den Dimensionen beeindruckt. Die Brücke wird verschoben auf fast 1000 Metern Länge, das ist eine Herausforderung. Auch wenn ich mehr Zeit am Schreibtisch mit dem Bauprojekt Lennetalbrücke verbringe, einmal in der Woche bin ich in der Regel vor Ort. Beim Anblick der Brücke wird einem immer wieder bewusst, was für ein komplexes Projekt das ist.

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