Baustellen: Aus Fehlern lernen

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Bochum –  Der Berliner Hauptstadtflughafen ist längst zum geflügelten Wort geworden. Man braucht nur den Namen zu erwähnen und schon hat jeder das Bild von Baumängeln, Planungsdefiziten und unfähigen Planern vor Augen. Großprojekte stehen mittlerweile immer im Verdacht im Chaos zu versinken.

Prof. Markus König Foto: RUB, Marquard

Probleme am Bau sind unübersehbar. Sie lauern überall und sie nerven total: Kilometerlange Staus an Autobahnbaustellen, an denen sich nix bewegt. Gebäude, die nach anfänglichem Fortschritten nur langsam wachsen. Großbaustellen, die einfach nicht fertig werden wollen. Man fragt sich wie so etwas passieren kann. Das darf doch nicht sein! Fehler bei der Planung? Warum macht der Fortschritt gerade hier offenbar halt?!

Autobahnbaustellen verzögern sich meistens – Foto: Pixabay

Macht er gar nicht! Wie künstliche Intelligenz helfen kann, Bauwerke schneller und günstiger fertigzustellen, wird gerade an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) erforscht. Ein Konsortium um den Lehrstuhl Informatik im Bauwesen unter Leitung von Prof. Dr. Markus König ist aktuell damit beschäftigt. Vieles weiß man bereits. Einiges ist in ersten Computer-Programmen verankert. Aber es liegt noch ein langer Weg vor den Forschern, ehe sich die Tools in der Praxis bewähren können. Bei einem Wettbewerb hat man mit sich mit dem Projekt durchsetzen können. Das Thema dieses Wettbewerbs: “Künstliche Intelligenz als Treiber für volkswirtschaftlich relevante Ökosysteme”. Der Kopf der Gruppe Prof. Dr. Markus König ist ein ausgewiesener Fachmann auf diesem Gebiet. Er freut sich über die Chance hier weiterforschen zu dürfen.

Ein echtes Ärgernis: Lange Staus sind bei Autobahnbaustellen vorprogrammiert – Foto: Pixabay

Das Projekt forscht unter dem sexy Titel “KI meets BIM”. Das verstehen nur Kenner. Es meint KI für künstliche Intelligenz, BIM für Building Information Modelling. BIM ermöglicht es, Modelldaten durch standardisierte Schnittstellen zu vernetzen. “Die Idee ist, dass wenn sich bestimmte Grundrisse für bestimmte Nutzerinnen und Nutzer besonders bewährt haben, sie für ein neues Projekt übernommen werden können”, erläutert Markus König. Die Modelle werden mittels Computer bearbeitet und können sowohl typische Fehlerquellen identifizieren als auch schnelle Lösungen anbieten. Da fällt nix unter den Tisch. Wichtige Überlegungen werden nicht einfach vergessen oder übersehen.

Bei der Ablaufplanung soll die künstliche Intelligenz helfen, eine möglichst effiziente und somit kurze und günstige Bauausführung auf der Baustelle zu planen. Auch dafür werden die Erfahrungen aus vorhandenen Projekten übernommen wie etwa Daten von Baumaschinen, Lieferprozessen, Störungen, Wetterbedingungen. Solche Daten sind schneller und zuverlässiger zu verarbeiten und in die aktuelle Arbeit einzubeziehen als sämtliche Erfahrungen von Planern, Baustellenführern und Bauträgern.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Steuerung der Abläufe auf der Baustelle. Hier lässt sich zum Beispiel der Baufortschritt automatisch erkennen. Anhand von Bildern oder Laserscannern könnte man auch Abweichungen und Baumängel detektieren und bewerten. “Auch die autonome Steuerung der Maschinen in Interaktion mit Arbeitern auf der Baustelle ist wichtig”, so König. So bleibt alles im Fluss und Stillstände sind zu vermeiden. Endlich, denkt man als Autofahrer, die in zahllosen Staus seine Zeit vergeudet.

Zu guter Letzt richten die Mitglieder des Konsortiums ihren Blick auch auf die Phase der Nutzung des fertigen Gebäudes. Künstliche Intelligenzen können die Erfahrungen zur Wartung und Instandhaltung von Gebäuden verarbeiten, damit ein vorausschauender und effizienter Betrieb möglich ist. Dazu müssen sie alle Daten analysieren, die während der Nutzung eines Gebäudes anfallen.

Ein leiser Hoffnungsschimmer ist also am Himmel zu sehen. Künstlicher Intelligenz sei Dank. In ein paar Jahren könnten also all jene Ärgernisse Vergangenheit sein, die uns heute so auf die Palme bringen. (Jörg Bockow)

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