Galerie Laing zeigt Robert Hammerstiel

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Münster – Die Gestalten sind gesichtslos und nur in ihren Umrissen zu erkennen. Trotzdem stehen immer Menschen und ihre typischen Haltungen im Mittelpunkt der Gemälde. Ihre Schattenrisse sind starkt reduziert und doch in einzelnen Details als Individuen identifizierbar. Ins Auge springt eine plakative, grelle Farbigkeit, die seine markante Handschrift ausmacht. Robert Hammerstiel gehört unzweifelhaft zu den ganz Großen der zeitgenössischen Kunst. Jenseits seiner formalen Eigenständigkeit verfolgt er unbeirrt seine humanistische Botschaft. Ihm geht es immer um das Menschsein und den Frieden.

Robert Hammerstiel: Interieur mit blauen Sesseln, 1993, Öl auf Leinwand, 110 x 85 cm

Die Galerie Laing in Münster zeigt vom 17. März bis 22. April typische Arbeiten des Wiener Künstlers Robert Hammerstiel. In all seinen Schaffensperioden setzt sich der 1933 in Werschetz, im ehemaligen Banat (Region in Südosteuropa, die heute in den Staaten Rumänien, Serbien und Ungarn liegt) geborene Künstler mit seinen Erfahrungen und seinen Erlebnissen auseinander. Schon als Kind hat er Verfolgung und Unterdrückung, Folter und Misshandlungen miterleben müssen. Seine Jahre in Internierungslagern und die furchtbaren Erlebnisse seine Flucht sind für ihn bis heute präsent und bestimmen seine klare Haltung.

Der Künstler Robert Hammerstiel war eigens zur Vernissage von Österreich nach Münster gekommen. Hier der Künstler zusammen mit Dr. Thomas Eickhoff (li) und Christian Laing (re) – Foto: Jörg Bockow

„Ein Bild malt man nicht in einigen Stunden oder Tagen im Atelier oder irgendwo im Freien“, schreibt der österreichische Künstler, „sondern man malt daran immer, in jeder Situation, an allen möglichen Orten und zu jeder Zeit. Vielleicht hat man schon in der Kindheit, in der Jugend, in jedem beliebigen Alter daran gearbeitet. Denn man muss das Bedürfnis, etwas in einem Bild festzuhalten, erst geistig verarbeiten, dann ist es gleichgültig, wann und wo man das Bild auf die Leinwand bringt.“

Hammerstiel ist für seine abstrahierten und farbintensiven Arbeiten bekannt. Geprägt durch die schrecklichen Erlebnisse seiner Kindheit und die Erfahrung großer Not, steht bei Hammerstiel der Mensch im Mittelpunkt. Gesichtslos und flächig, dargestellt in reduzierter Umgebung, wirken seine Figuren und Kompositionen trotzdem voller Emotionen und zeugen von den Erfahrungen des Lebens. „Niemand war ich, als ich in Österreich ankam“, erinnert sich Robert Hammerstiel. „Alles war Fremde. Wie ein Ausgesetzter kam ich mir vor, verloren irgendwo, ohne Wurzeln. Nur das Visuelle war mit mir, und ich mußte das Fremde verfremden, um es zu ertragen. Nur das Visuelle gab mir die Kraft zu überleben.“

Robert Hammerstiel: Die Bewegung und die späten Besucher, 1995, Stahlmonotypie

Mit seinen Werken, die zum Teil beinahe an Pop-Art denken lassen, ist er in den großen Häusern und renommierten Museen weltweit vertreten und hat zudem zahlreiche Auszeichungen und Ehrungen erhalten. Hammerstiel lebt und arbeitet in Pottschach, Niederösterreich.

In der Galerie Laing ist ein Querschnitt aus verschiedenen Schaffensphasen des Künstlers zu sehen. Robert Hammerstiel schreibt über den Ausgangspunkt und die Beweggründe für seine Kunst: „Um das stark Empfundene wieder erleben zu können, haben wir die Kunst. Doch muss man das Empfundene beim Kunst machen so stark spüren, wie beim Ursprung des Empfindens.“

Die beeindruckende Ausstellung ist vom 17. März bis 22. April, immer Dienstag bis Sonntag von 14 bis 19 Uhr zu sehen.

Gerne können Besucher auch einen Termin außerhalb der regulären Öffnungszeiten vereinbaren.

Galerie Laing / Hafenweg 46 / 48155 Münster

Telefon 0251 – 77793145

www.galerie-laing.com


 

 


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