Münster: Kolja Steinrötter zeigt „Final Girl“

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Münster – „Final Girl“ nennt Kolja Steinrötter seine Ausstellung in der Galerie FB69 in Münster mit neuen Arbeiten von Katharina Arndt. Es ist die dritte große Ausstellung von Katharina Arndt in der Münsteraner Galerie. Sie wird am 7. Mai eröffnet und läuft bis zum 2. Juli 2016.

Die Künstlerin wurde 1977 in Oschatz, heute lebt und arbeitet sie in Berlin.

Katharina Arndt: amber, 100 x 150 cm

Katharina Arndt: amber, 100 x 150 cm

Katharina Arndt reflektiert in ihrer künstlerischen Arbeit das Leben als KonsumMensch und Frau in Westeuropa. Inhaltliche Schwerpunkte sind die kritisch-ironische Auseinandersetzung mit Themen wie Geschlechterrollen, Konsumverhalten, materielle Statussymbole, Selbstverwirklichung.

Ihre Bild- und Textwelten stammen aus der Alltagskultur wie z.B. Hollywoodfilmen oder Werbeslogans. Sie setzt diese in großformatigen Zeichnungen und Text-Objekten um.

Katharina Arndt: cameron, 2014, 120 x 200 cm

Katharina Arndt: cameron, 2014, 120 x 200 cm

Die Arbeitsmaterialien sind Lackfolie, Neonstifte, LEDs, Strass, Acrylglas …. . Die Werkstoffe an sich sind kühl, modern und schick und repräsentieren als Medien das 21. Jhd. . Ihre starke Ästhetik und präsente Oberfläche verkörpern die sprichwörtliche Oberflächlichkeit und gleichzeitige Schönheit der makellosen, funkelnden Konsum- und Medienwelt.

Ganz konkret setzt sich Arndt mit dem Motiv des „Final Girls“ im modernen Horrorfilm in Form von großformatigen Frauenportraits auseinander.

Katharina Anrdt: scarlett, 2014, 105 x 170

Katharina Anrdt: scarlett, 2014, 105 x 170

Die Serie „Women killing men“ ist inspiriert am Motiv des Final Girl aus dem modernen Horrorfilm. Der Begriff stammt von Carol J. Clover aus der wissenschaftlichen Arbeit „ Men, Women, and Chain Saws: Gender in Modern Horror Films“ von 1992. Das Final Girl ist die letzte Überlebende, welche ihre Widersacher getötet hat. Da Horrorfilme hauptsächlich für ein männliches Publikum gedacht sind, fungiert die weibliche Hauptperson als Sexualobjekt. Anfänglich war das Final Girl meist das reine, anständige Mädchen, gerne noch Jungfrau. Diese Rollenstruktur hat sich in den letzten Jahren verändert. Mittlerweile dürfen die Mädchen auch Spaß haben (sexuell aktiv sein) und trotzdem überleben. Darüber hinaus sind sie sehr viel grausamer geworden. Die Verschiebung des Frauenbildes im Medium Horrorfilm repräsentiert die generelle Veränderung der Frauenrolle. Es kommen klassisch-männliche Attribute dazu wie Dominanz, Gewaltbereitschaft, sexuelles Ausleben. Veränderungen irritieren und verstören meist. Visualisiert wird das beunruhigende Moment durch die Vermischung von weiblicher Erotik und Gewalt.

Die großformatigen Portraits dieser Frauen basieren auf Filmstills. Das Thema des Tötens erschließt sich nur über den Titel der Arbeit. Die Frauen sind alle schön und jung, lächeln aber nie, sondern strahlen Strenge oder Abwesenheit aus. Sie sind unnahbar.

Die ausgewählten Filmstills werden detailgetreu umgesetzt. Der Fleiß und die Dauer, die Zeit, welche mit dem gewählten Motiv verbracht werden, sind sehr wichtig. Es entsteht eine Aura der Entschleunigung und des Liebevollen. Die gewählten Materialien Neonmarker auf Lackstoff lassen das Motiv souverän wirken. Die Farben sind modern, fast fetischhaft.

Die Ambivalenz der dargestellten Frauenrolle wird so doppelt ausgedrückt: einerseits durch die Divergenz des schönen, nachdenklichen Portraits zum Titel „women killing men“ und anderseits durch die konservative, handwerklich gute Umsetzung im Gegensatz zu den kühlen (coolen), modernen Materialien.

Öffnungszeiten: Mittwochs – Freitags von 12 bis 18 Uhr; Samstags von 10 bis 14.30 Uhr

Galerie FB69 /Prinzipalmarkt 32 / 2. Etage / 48143 Münster
www.FB69.com

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