Es tanzen die Farben

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Westfalen – Mit einer spektakulären Tanzperformance wurde am 10. November die Ausstellung „Farbenspiele“ mit neuen Arbeiten des Malers Helmut Luckmann in der Galerie Rudifredlinke in Wolbeck eröffnet. Es tanzten Alice Cerrato und Antonio Rusciano, zwei ehemalige Mitglieder der Ballett-Compagnie des Choreographen Daniel Goldin. Die Ausstellung ist bis zum 13. Januar 2013 in der Galerie zu sehen

Alice Cerrato und Antonio Rusciano

Er malt so wie andere tanzen: Intensiv, dynamisch und ausdrucksstark. Helmut Luckmann hat in seiner Malerei zu einem Ausdruck gefunden, in der Farben und Formen voller Energie zu wirbeln, springen und tanzen scheinen.

Helmut Luckmann – Foto: Rudifredlinke

„Tanz ist das passende Schlüsselwort“, bestätigt der Künstler, „denn freier Ausdruck und Körpersprache gehören für mich zusammen. Ich liebe und lebe Bewegung.“ Das gilt auch für seine aktuellen Arbeiten. Mehrere Jahre hat Helmut Luckmann als Mitglied im Leitungsteam des Kreativ-Hauses in Münster neben Workshops in Siebdruck, Fotografie, Aquarell, kreatives Buchgestalten auch Tanz-Kurse gegeben. Aber das liegt lange zurück.

Seit er in den 90er Jahren angefangen hat, mit Acrylfarben zu malen, findet die dynamische Bewegung vor und auf der Leinwand statt. „Allerdings hat man bei Acrylfarben nicht viel Zeit. Die Farbe trocknet schnell. Man muss ebenso schnell arbeiten und sich rasch entscheiden.“

Luckmann hat kein festes Konzept im Kopf, wenn er vor die Leinwand tritt – und doch bleibt nicht alles dem Zufall überlassen. „Oft habe ich als erste Idee eine Struktur im Kopf, aber dann überlasse ich es dem Moment, was daraus wird.“ Luckmann reagiert auf das, was sich auf der Leinwand tut. Inspiration, Spontaneität und Dynamik sind der Motor des künstlerischen Prozesses.

Der Einsatz von Schwarz in seinen Gemälden läßt einen an die informelle Malerei denken. Bei einigen seiner Arbeiten scheinen Emil Schumacher oder Wolfgang Troschke Pate gestanden zu haben. Doch Luckmann ist beileibe kein Apologet: Er hat eine ganz eigene Handschrift und verfolgt eigene Impulse. Der Vergleich mit Schumacher und Troschke scheint ihm aber Freude machen.

Helmut Luckmann lässt sich von der Natur für seine künstlerischen Ausdrucksformen inspirieren. Manchmal zufällig, manchmal ganz gezielt. Viele Arbeiten sind angelegt wie ein Experiment. Da werden Materialien wie Sand, Holzstücke oder getrocknete Grashalme zum Einsatz gebracht. Der Sand wird gestreut oder geschüttet, er verbindet sich mit der Farbe. Die Bilder werden dadurch reliefartig. „Das bringt mit sich, dass die Bilder sich je nach Lichteinfall verändern“, staunt der Künstler jedesmal wieder über die Effekte und Wirkungen, die der Zufall ihm in die Hände spielt. „Ich beobachte, was auf der Leinwand entsteht, nehme Einfluss und lasse mich davon wiederum inspirieren und beeinflussen“, sagt er. Das ist ein dynamischer Prozeß.

„Dabei gibt es einen Moment, wo das Bild mir sagt, dass es fertig ist.“ Der ist beileibe nicht immer gleich. „Viele Arbeiten hole ich desöfteren wieder vor, um an ihnen zu arbeiten“, erklärt Luckmann. Einige Bilder sind erst nach Wochen fertig, andere werden nach Monaten wieder hervorgeholt, um an ihnen weiter zu arbeiten. „Und manchmal gibt es Bilder, die plötzlich ab einem bestimmten Moment auch verloren sind.“

Luckmann gibt seinen Bildern keine Titel. Er weiß wie leicht sich Betrachter selbst von willkürlichen Phantasienamen verführen und beeinflussen lassen. „Ich möchte den Interpretationsraum des Betrachters aber nicht einengen“, sagt er. Für individuelle Interpretationen bleibt daher viel Freiheit. „Meine Bilder erschließen sich sowohl aus der Nähe in der Reichhaltigkeit von Strukturen und Materialien als auch aus größerer Distanz in ihrer Komposition und durch die Strahlkraft der Farben.“ Sie üben schlichtweg starke Wirkungen aus und stossen Assoziationen an – wie bei den pastellfarbenen Arbeiten, die einen an Gouachen oder an den Zauber der Wandmalereien in den Höhlen von Lascaux erinnern.

Helmut Luckmann wurde 1938 in Hannover geboren. Er studierte Graphik-Design an der Fachhochschule für Design in Münster. Nach dem erfolgreichen Abschluß hat er mehrere Jahre als freischaffender Graphik-Designer gearbeitet. Ein Zweitstudium an der Pädagogischen Hochschule Münster hat er mit dem Diplom abgeschlossen. Schwerpunkte seiner pädagogischen Ausbildung: Kunstunterricht und Visuelle Kommunikation. Als Diplom-Pädagoge war er Mitbegründer des Kreativ-Hauses Münster, einer Erwachsenenbildungsstätte mit musischem Schwerpunkt. Dort war er auch im Leistungsteam engagiert und hat selber Kurse und Workshops angeleitet. Seit 1990 arbeitet Helmut Luckmann abstrakt und frei, vor allem mit Acrylfarben. Seine teilweise großformatigen Arbeiten wurden bereits in Ausstellungen in Deutschland, Portugal und der Schweiz gezeigt.

Die Tänzer der Tanzperformance auf der Vernissage: Die Tänzerin Alice Cerrato wurde 1971 in Turin, Italien geboren. Ihre tänzerische Ausbildung absolvierte sie in der Bella Hutter Schule in Turin, wo sie zwischen 1986 und 1990 auch mit der Kompanie SUTKI (Anna Sagna) zusammenarbeitete. Ab 1990 studierte sie an der Folkwang Hochschule in Essen. Während ihrer Ausbildungszeit tanzte sie in verschiedenen Produktionen mit. Von 1996 bis 2012 war sie an den Städtischen Bühnen Münster bei Daniel Goldin engagiert.

Der Tänzer Antonio Rusciano wurde 1983 in Neapel, Italien geboren. Er begann seine Ausbildung zum Tänzer 1998 am Teatro San Carlo di Napoli, setzte sie 2000 an der Wiener Staatsoper fort und beendete sie schließlich 2003 am Helsinki Opera House. Seine Engagements führten ihn unter anderem zum Sarasota Ballet of Florida, Stadttheater Bern, Stadttheater Hagen und Stadttheater Ulm. Von 2007 bis 2012 war er an den Städtischen Bühnen Münster bei Daniel Goldin engagiert.

Alice und Antonio haben im Rahmen der „Choreographische Werkstatt 2011“ an den Städtischen Bühnen Münster ihre eigene Choreographie „Sogno D´Inverno“ gezeigt. (Jörg Bockow)

RFLG ·  Galerie Linke / Mühlendamm 1-3 / 48167 Münster
Mobil 0 171 – 2 84 99 77
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