Whale-Watching in Münster

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Westfalen –  Ab dem 21. September (bis 3. November 2013) zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) in seinem LWL-Museum für Naturkunde in Münster auf 1.700 Quadratmetern die Sonderausstellung „Wale – Riesen der Meere“. Mit der deutschlandweit größten Ausstellung und Themenvielfalt zu diesen Meeressäugern illustrieren rund 900 Exponate ihren Lebensraum, Evolution, Anatomie, Lebensweise und Fortpflanzung sowie Walfang und Schutz.

Im Einstimmungssaal der Sonderausstellung tauchen die Besucher mit den Walen ab in die Meerestiefe und schauen ihnen direkt in die Augen – Foto: LWL/Oblonczyk-

Seit zwei Jahren bereiten die Ausstellungsmacher Judith Becker, Dr. Thorsten Pickel und Dr. Jan Ole Kriegs unter der Leitung von Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks die Wal-Ausstellung vor. Neben den Exponaten werden Fotos, Grafiken und seltenes Videomaterial eingesetzt, das National Geographic Deutschland zur Verfügung gestellt hat, um den Besuchern die Welt der Wale näher zu bringen.

Mitten in Deutschland Wale hautnah erleben – dies können die Besucher im „Einstimmungssaal“ der Ausstellung. Hier wird der Lebensraum der Tiere in den unterschiedlichen Meerestiefen mit lebensechten Modellen und Lichtinstallationen simuliert. Die Walgesänge verschiedener Arten be-gleiten die Besucher bei der Begegnung mit den Modellen im Maßstab 1:1. „Hier können die Besucher den imposanten Tieren direkt ins Auge schauen und sich von ihrer Größe faszinieren lassen“, sagt der Wissenschaftler Dr. Jan Ole Kriegs über die erste Ausstellungsstation im LWL-Museum. „Wir tauchen mit den Walen hinab in die Tiefen des Ozeans“, erläutert Kriegs.

Die Abgüsse der Urwalskelette zeigen die evolutionäre Anpassung an das Leben im Meer.
Foto: LWL/Oblonczyk

Herzklopfen verursacht einer der Ausstellungshöhepunkte: das Modell eines 1,75 Meter hohen Blauwalherzens. Der riesige Muskel, der die Größe eines Kleinwagens hat und bis zu eine Tonne wiegen kann, pumpt pro Schlag 2.000 bis 5.000 Liter Blut durch den gewaltigen Walkörper. Das 300 Kilogramm schwere Modell aus Fiberglas wurde eigens für das LWL-Museum von einer Modellbaufirma in Neuseeland angefertigt und ist deutschlandweit einzigartig.

Die drei Ausstellungsmacher (v.l.) Dr. Jan Ole Kriegs, M.Sc. Judith Becker und Dr. Thorsten Pickel vor dem originalgro-ßen Blauwalherzmodell. Zum Größenvergleich hält Kriegs ein menschliches Herz in seiner Hand – Foto: LWL/Oblonczyk

In der Ausstellung ist das Herz im Bereich Anatomie zu begehen. „Es ist möglich, durch die Blutgefäße in das Innere des Herzens zu gelangen und dem Herzschlag des Tieres zu lauschen“, erklärt die Biologin Judith Becker. Pro Minute schlägt das Herz acht bis zehn Mal. Die wesentlich kleineren Delfine haben hingegen einen Puls von 40 Schlägen pro Minute. Beim Tauchgang verlangsamt sich der Herzschlag der Meeressäuger deutlich, während sich ihr Puls beim Schwimmen an der Wasseroberfläche verdreifachen kann. „Die Anatomie der Tiere hat sich an das Leben im Wasser angepasst“, so Becker. „Der verlangsamte Herzschlag ist eine Sparmaßnahme des Körpers. Es werden nur die wichtigsten Organe wie Herz oder Gehirn ausreichend versorgt“, erklärt die Naturwissenschaftlerin.

LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch (l.) und Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks stellten die neue Sonderausstellung im LWL-Museum für Naturkunde vor.
Foto: LWL/Oblonczyk

Einen realen Einblick in das Leben der Meeressäuger bieten die Aufnahmen eines speziellen Ka-merasystems, der sogenannten Crittercam. Die Meeresbiologen Ari Friedlaender und Greg Marshall ergründen den Lebensraum der Wale unter anderen im Südpolarmeer. Die Aufnahmen zeigen beispielsweise das Jagdverhalten der Buckelwale, tauchende Pottwale oder mitteinander kämpfende Buckelwalmännchen. Die besondere Crittercam-Technik wurde von Greg Marshall, einem Forscher der National Geographic Society, entwickelt. Die Meeresbiologen befestigen die mit einem Peilsender ausgestattete Kamera per Saugnapf direkt auf den Walkörpern. Nach einer vorprogrammierten Zeit wird das Gerät wieder gelöst und ermöglicht den Wissenschaftlern mit Film-, Ton- und weiteren Daten Verhaltensforschung in ihrer ursprünglichsten Form. Diese einmaligen Crittercam-Aufnahmen wurden dem LWL-Museum von dem Medienpartner National Geographic Deutschland zur Verfügung gestellt, der die Nahaufnahmen und die Forschungsergebnisse am Freitag (21.09.) in seiner Oktober-Ausgabe veröffentlicht.

Dass die Wale vor 50 Millionen Jahren noch vier Beine hatten und an Land lebten, verdeutlichen vier Abgüsse von Urwalskeletten (Archaeoceti). „Diese Modelle zeigen die Entwicklung von Land- zu Meeressäugern“, erklärt der Biologe Dr. Thorsten Pickel. Über Jahrmillionen wurden ihre Körper stromlinienförmiger, und die stark ausgeprägten Hinterbeine sowie das Becken bildeten sich zurück. Ihre Vorderläufe formten sich zu Flossen, den sogenannten Flippern aus. Die mächtige Schwanzflosse, auch Fluke genannt, wurde zum Antriebsorgan, und die Nasenlöcher verlagerten sich auf den Kopf und wurden zum typischen Blasloch.

Die Delfine haben eine besondere Jagdtechnik: In Gruppen treiben sie Fischschwärme zusammen und greifen sie an.
Foto: LWL/Oblonczyk

Ein 15 Meter langes Originalskelett eines Pottwals wird als Leihgabe in der Ausstellung im Bereich Lebensweise gezeigt. Das vom LWL-Museum geborgene, über 15 Meter lange Skelett eines gestrandeten Pottwals läßt dagegen noch auf sich warten. Eigentlich sollte der gigantische Walkörper, der im November 2011 vor der Nordseeinsel Pellworm strandete, als weiterer Höhepunkt bereits zu Ausstellungsbeginn gezeigt werden. „Die Präparation dieses riesigen Walkörpers hat mehr Zeit gekostet, als unsere Präparatoren angenommen haben“, berichtet Museumsdirektor Dr. Alfred Hendricks. „Wir rechnen damit, dass das Exponat Ende November fertiggestellt ist und dann endlich gezeigt werden kann“, so Hendricks weiter. Der Pottwal wird im Einstimmungssaal zu sehen sein.

Bis auf wenige Ausnahmen sind in der Ausstellung ausschließlich Originalskelette zu sehen. Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen steuerte eine wichtige Leihgabe eines fossilen Wals für die Schau bei. Weitere Leihgaben kamen zum Beispiel vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund, dem Überseemuseum in Bremen, dem Nordseemuseum Bremerhaven, dem Landesmuseum Natur und Mensch in Oldenburg, dem Museum für Naturkunde in Berlin und dem Natureum Niederelbe in Balje.

Zur Sonderausstellung „Wale – Riesen der Meere“ steht ein Audioguide mit einem familienfreundlichen Programm in Deutsch und Englisch zur Verfügung. Für Menschen mit Hörbehinderung gibt es einen Multimediaguide in Gebärdensprache sowie eine Induktionsschleife.

Die Sonderausstellung „Wale – Riesen der Meere“, ist vom 21. September 2012 bis zum 3. November 2013 im LWL-Museum für Naturkunde Münster zu sehen. Auf rund 1.700 Quadratmetern werden Lebensraum der Wale, Evolution, Anatomie, Lebensweise und Fortpflanzung sowie Walfang und Schutz thematisiert. Die Schau bietet deutschlandweit die größte Themenvielfalt zu diesen Meeressäugern. Imposante Skelette, lebensechte Tiermodelle und Organnachbildungen bringen den Besuchern die Biologie der sanften Riesen näher. National Geographic Deutschland ist Medienpartner der Ausstellung.
Öffnungszeiten: Di-So 9.00-18.00 Uhr

Eintritt: Kinder 3,00 Euro, Erwachsene 5,50 Euro, Familien 12,00 Euro.

LWL-Museum für Naturkunde / Sentruper Str. 285 / 48161 Münster
Telefon 0251 – 591 – 05
www.wale-muenster.lwl.org
www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de

Comments

  1. Um diese interessante Ausstellung sehen zu können, werde ich sogar aus dem Süden Deutschlands anreisen.

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