Barlach setzt immer noch ein Zeichen

Print Friendly, PDF & Email

Westfalen – Das Werk des weltweit bekannten deutschen Künstlers Ernst Barlach (1870-1938) kann bis 18. November 2012 in Münsters Innenstadt erkundet werden. In Kirchen und öffentlichen Häusern präsentiert die Ausstellung „Interventionen“ des Evangelischen Kirchenkreises Münster und der Ernst Barlach Gesellschaft Hamburg die vielfältigen Schwerpunkte im Schaffen des Expressionisten.

Ernst Barlach: Tot im Leben – Foto: Bernd Böhm

Die künstlerische Entwicklung Barlachs steht in der Dominikanerkirche im Mittelpunkt. Am Beispiel von skulpturalen Arbeiten wie „Mutter Erde“ geht es in der Apostelkirche um Barlach als Mystiker und Sinnsucher. Die Erlöserkirche lenkt die Aufmerksamkeit von Besuchern auf das dramatische Werk und präsentiert Dokumente der weniger bekannten Tätigkeit als Theaterschriftsteller. Wie die Öffentlichkeit den Künstler wahrgenommen hat, wird im Theater Münster anhand von Plakaten und Texten deutlich, die das künstlerische Schaffen begleitet haben.

Ernst Barlach: Melonenesser – Foto: Bernd Böhm

Barlach hat sich stets kritisch mit Politik und Gesellschaft auseinander gesetzt und den Blick auf die soziale Wirklichkeit gerichtet. Mit der Ringausstellung will der Evangelische Kirchenkreis Münster die Aktualität des Werks hervorheben.

Ernst Barlach: Kapitän Cornelius – Foto: Bernd Böhm

Die Ausstellung „Interventionen“ gibt an sieben Orten einen repräsentativen Einblick in das Gesamtwerk. Der Bildhauer, Grafiker und Schriftsteller Ernst Barlach (1870 – 1938) ist in eine Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche hineingeboren. Existenzängste, Unsicherheit, soziale und politische Spannungen kennzeichnen diese Epoche.

Nach seinem Bildhauerstudium in Dresden lebt Ernst Barlach als freier Künstler mehr schlecht als recht. Seine Kunst, die ihm eigene Formensprache findet er 1906 auf einer Reise durch das südliche Russland. In den Menschen, die er dort mit seinem Zeichenstift einsammelt, sieht er, was er der eifernden, materialistischen Welt entgegenhalten will. Dabei geht es Barlach nicht um das Abbilden der Wirklichkeit. Seine Bettler sind trotz ihrer Armut von erhabener Gestalt. Die Ikone des Bettlers, der nichts hat als sich selbst, ist für ihn Ausdruck „für die menschliche Situation in ihrer Blöße zwischen Himmel und Erde“.

Das Wesentliche im Leben zu erkennen und zu einer inneren Zufriedenheit zu gelangen, ist Barlachs Anliegen und die Grundlage seines weiteren Schaffens.

Beharrlich begehrt er gegen eine Welt auf, die er als unerträglich und geistfeindlich voll sozialer Spannungen und politischer Repressionen empfindet. Sein Ziel ist es „Gestalten einer besseren Zukunft“ zu schaffen. Denn seine „Gestalten“ des Lauschens, des Wartens, des Suchens wollen mehr vom Leben, als die Gesellschaft ihnen zugestehen kann.

Das sinnlose millionenfache Sterben von Menschen im ersten Weltkrieg erschüttert Barlach zutiefst. Bilder gegen den Krieg bestimmen fortan sein Werk. Kunst kann intervenieren. Sie kann aufrütteln, sich einmischen, dazwischen treten, Einspruch erheben, protestieren, aber auch vermitteln und so ein neues Bewusstsein schaffen.Wie politisch unerwünscht dieses Intervenieren sein kann, haben Ernst Barlach und viele Künstler seiner Zeit im deutschen Faschismus erlebt. Beschlagnahmt, zerstört, als „entartet“ abgestempelt, ins Ausland verkauft – 381 seiner Werke fallen diesem Wahn zum Opfer.

Barlach greift soziale, religiöse, ethische wie politische Themen und Fragestellungen auf. Mit der „Ungebärde der Wut“ will er die Menschen aufrütteln. Seine spontane, vitale Volksverbundenheit und seine Unbestechlichkeit fordern bis heute Mut zur Empörung und Engagement für eine nachhaltige Zukunft.

www.barlach-muenster.de

 

Speak Your Mind

*