Auf der Tagesordnung: Tourismus-Zukunft im Sauerland

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Zukunftsfragen stehen beim Sauerland Tourismus an. Wie sieht die touristische Zukunft des Sauerlandes aus, wenn sich das Landschaftsbild der Region so umfangreich wie nie zuvor verändert? Wie inspiriert man Gäste, wenn sich die Bedürfnisse der Menschen in und auch nach der anstrengenden Coronazeit deutlich verschieben? Und wie gestaltet ein regionaler Verband zusammen mit seinen Partnern die touristische Arbeit nachhaltig, kommunikativ und synergetisch? Die Suche nach Antworten war Thema bei der Mitgliederversammlung des Sauerland-Tourismus e.V. am 29. September 2021. Der Blick in die Zukunft zeigte durchaus Positives, so die Information der Verantwortlichen: “Für die inspirierende Outdoorregion eröffnen sich viele neue Perspektiven.”

Theo Melcher, Landrat des Kreises Olpe (Mitte), verabschiedete sich aus dem Vorstand des Sauerland-Tourismus. Seine Nachfolge tritt Philipp Scharfenbaum, neuer Olper Kreisdirektor, an (r.). Mit im Bild: Frank Linnekugel (1. Vorsitzender) - Foto Sauerland-Tourismus e.V. / Nadja Reh

Theo Melcher, Landrat des Kreises Olpe (Mitte), verabschiedete sich aus dem Vorstand des Sauerland-Tourismus. Seine Nachfolge tritt Philipp Scharfenbaum, neuer Olper Kreisdirektor, an (r.). Mit im Bild: Frank Linnekugel (1. Vorsitzender) – Foto Sauerland-Tourismus e.V. / Nadja Reh

Boom-Thema Radfahren

Zum Beispiel beim Boom-Thema Radfahren. Da sollen organisatorische Schritte den weiteren Ausbau des Themas unterstützen. Die Fusion des Sauerland-Tourismus e.V. und der bisherigen Sauerland-Radwelt e.V. wurde beschlossen. Die Verschmelzung tritt zum 1. Januar 2022 in Kraft, der touristische Dachverband der Region wird die bisherigen Aufgaben und Tätigkeitsfelder der Sauerland-Radwelt fortführen.

Weitere Neuerungen haben die Tourismusverantwortlichen im Blick. Thomas Weber, Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus: „Wir haben die Zeit – insbesondere die der Lockdowns – intensiv genutzt, um Perspektiven für die Weiterentwicklung für einen fairen, ausgewogenen, nachhaltigen Tourismus mit mehr Wertschöpfung zu gewinnen.“ In einer Zeit des Wandels gelte es, zunächst veränderte Anforderungen zu identifizieren und dann zukunftsfähige Konzepte, Produkte oder auch Handlungsempfehlungen für Akteure und Akteurinnen zu entwickeln.

Wald und Landschaft im Wandel

Thomas Weber, Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus - Foto Sauerland-Tourismus e.V. / Nadja Reh

Thomas Weber, Geschäftsführer des Sauerland-Tourismus – Foto Sauerland-Tourismus e.V. / Nadja Reh

Im Wandel befindet sich die Naturkulisse des Sauerlands, die Borkenkäferkalamität betrifft die gesamte Region. „Unsere Wälder leiden, werden dünner und weniger. Die Wege und das Landschaftsbild machen eine harte Diät durch“, so Weber. Aus der Industrie wisse man: Das Produkt komme vor dem Marketing und daher arbeite die Region in Gemeinschaft an einem Zukunftskonzept für die Infrastruktur. Diese binde für den Bau und das Freizeitmanagement der Wege die Waldbesitzenden ein und strebe eine sinnvolle Trennung von Forst- und Freizeitwegen an. Denn Ziel müsse eine gute Qualität der Wege selbst sein – und nicht nur an den Wegen. Der Waldumbau, der Klimawandel und seine sichtbaren Folgen in der Landschaft, zerfurchte Wege, fehlende Wegweiser, verschwundene Erlebnispunkte im Grünen, das alles erfordere aber auch eine neue Kundenansprache. Weber: „Wir brauchen ein Gefühl für Relevanz, den richtigen Zeitpunkt und den passenden Ton, um die Menschen gut zu informieren. Denn gerade Wandernde sind natursensibel“.

“Aus einem Guss” – Wandern und Radfahren

Die Zielsetzungen bleiben ambitioniert. „Unsere Vision ist es, in zehn Jahren die angesagteste und inspirierendste Rad- und Wanderregion zu sein“, so Webers Ausblick mit Hinweis auf die kommende Fusion von Sauerland-Tourismus und Sauerland-Radwelt. Der kommt zugute, dass die Fachkolleginnen aus den Bereichen Wandern und Radfahren schon länger kooperieren und  ein gemeinsames Rad- und Wanderkonzept entwickelt haben. Es setzt Impulse, so die Mitteilung des Sauerland-Tourismus, wie regionale Wander- und Radwege mit ihren Besonderheiten thematisch gestärkt und zielgruppengerecht angepasst werden können. Dazu gehörten auch Überlegungen, “wie an stark frequentierten Punkten Rad- und Wanderwege besser entzerrt werden können.” Letztendlich solle das Konzept in eine “verbindliche und verpflichtende Outdoor-Charta münden, die glasklare Anleitung für die Zukunft gibt.” Weber: „Das Motto lautet: Fahrspaß trifft Wanderglück – sozusagen aus einem Guss“.

Nachhaltigkeit ein Megathema

Was die Corona-Pandemie im Sauerland und deutschlandweit gezeigt hat: Die Menschen entwickeln ein größeres Bewusstsein für ökologische Themen. “Nachhaltigkeit ist ein Megathe­ma auf allen Ebenen der Gesellschaft. Und es betrifft insbesondere auch den Tourismus, der sich weltweit als Branche von seiner Steigerungslogik lösen muss”, so  Mitteilung des Sauerland Tourismus e.V.. Geschäftsführer Weber: „Lasst uns gemeinsam überlegen, wie wir ein intelligenteres Reisemodell mit Qualität und zeitgemäßer Regionalität entwickeln können.“ Im Sauerland gebe es bereits Beispiele und Ansätze, die es zusammenzutragen und auszubauen gelte. So etwa bei nachhaltigerer Mobilität: Dabei helfe eine steigende E-Bike-Versorgungsdichte, es helfen die Wanderbusse und Radanhänger. Es dürfe aber kein Tarif-Wirrwarr im öffentlichen Nahverkehr geben – denn nachhaltiges Reisen muss einfach sein. Zudem müsse die Energiewende – auch bei touristischen Angeboten – gelingen. Tourismus und Naturschutz müssen sich als Partner begreifen und das Soziale müsse auch beim Thema Nachhaltigkeit mitgedacht werden: gute Jobs und guter Lohn. Grundsätzlich gelte: „Wir brauchen eine andere, wertigere Kultur des Reisens.“

Neue Aufgaben – Daten managen und Netzwerke stärken

Alle diese Aufgaben und neuen Anforderungen muss das Sauerland als Tourismusregion parallel angehen, so die Feststellung der Tourismus-Verantwortlichen. Das stelle auch den Sauerland-Tourismus als Dachverband vor eine neue Herausforderung: Er wandele sich von einer Destinationsmarketingorganisation immer mehr zur Data Management Organisation, die Prozesse einleitet und steuert, Netzwerke aufbaut und betreut, Informationen aufnimmt, verwertet und weitergibt. Wie der Sauerland-Tourismus diese Herausforderung meistern will, hat er – in Zusammenarbeit mit dem Partnerverband Siegerland-Wittgenstein – in seiner Strategie 2019+ festgelegt, die Ziele und Strukturen festlegt. Geschäftsführer Weber warb dafür, diese Herausforderung weiterzudenken, um damit gemeinsam für ein noch besseres, moderneres Bild des Sauerland zu sorgen und dieses über Bilder, Videos und gute Inhalte im Content-Netzwerk über alle Kanäle zu verbreiten.

Gravierende Verluste durch die Pandemie

Der aktuelle Blick auf die Entwicklung der Gästezahlen in 2021 zeigt, das die Folgen der Corona-Pandemie und der Lockdowns in der Region deutlich spürbar sind. “Die Nachfrage steigt zwar kontinuierlich, seit dem Reisen wieder möglich ist. Jedoch lassen sich die enormen Verluste der ersten Monate kaum wettmachen”, so die Information des Sauerland Tourismus e.V.. Von Januar bis Juli 2021 besuchten gut 425.000 Gäste das Sauerland, es wurden in der Region fast 1,8 Millionen Übernachtungen gezählt. Insgesamt entsprach das im Vergleich zum Vorjahrszeitraum einem Verlust von knapp minus 52 Prozent bei den Ankünften und fast minus 39 Prozent bei den Übernachtungen. Noch gravierender sind die Zahlen bei den Gästen aus dem Ausland: Hier wurden Verluste von rund minus 81 Prozent bei den Ankünften und minus 77 Prozent bei den Übernachtungen verbucht. Dem Sauerland fehlten vor allem die Gäste aus den Niederlanden und Belgien, beide Länder waren aufgrund hoher Inzidenzen zwischenzeitig als Hochrisikogebiete eingestuft, es herrschten immense Einreisebeschränkungen.

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