Slow Fashion gegen Verschwendung

Print Friendly, PDF & Email

Slow Fashion gegen Verschwendung und hässliche Kleidung: Das Textilwerk Bocholt zeigt neue Ausstellung.

Slow Fashion zeigt neue Wege auf

In der interaktiven Ausstellung use-less lässt sich die Entstehung ressourcenschonender Mode entlang des textilen Kreislaufs erleben – Foto LWL/ Betz

Mit der neuen Ausstellung „use-less“ und einer Wiederauflage der Schau „Mythos Neue Frau“ startet das Textilwerk Bocholt in die neue Saison. Am Freitag (19.3.) öffnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nach der Winterpause die Türen der Spinnerei. Aufgrund der Corona-Pandemie bittet das Museum um vorheriges Reservieren eines Zeitfensters zum Besuch per Mail an: textilwerk-weberei-shop@lwl.org oder telefonisch unter 02871 21611-0.

Slow Fashion: use-less
Egal ob Jeans, T-Shirts oder Nylonstrümpfe – Kleidung entsteht in komplexen Produktionsabläufen mit Folgen für Menschen und Umwelt. Die interaktive Ausstellung „use-less. Slow Fashion gegen Verschwendung und hässliche Kleidung“ stellt die Forschungsergebnisse der Hochschule Hannover vor. Designprojekte von Studierenden machen deutlich, wie Mode langlebig, ressourcensparend und schön gestaltet werden kann. „Beim Entwurf von Kleidung muss das Ende oder die Wiederverwertung der genutzten Textilien mitgedacht werden“, erklärt die leitende Kuratorin Prof. Martina Glomb von der Hochschule Hannover. „Wir können es uns nicht mehr leisten, Mode zu entwickeln, die in der Tonne landet. Gute Kleidung nach Slow-Fashion-Kriterien kann die Umwelt sogar positiv beeinflussen.“

Slow Fashion wendet sich gegen die Verschwendung

Die Slogans der use-less T-shirt-Kollektion regen dazu an, das eigene Kaufverhalten zu hinterfragen – Foto LWL/ Betz

„Für ein Museum, das sich als Forum für gesellschaftliche Debatten versteht, ist use-less ein Glücksfall“, sagt Martin Schmidt, wissenschaftlicher Referent für Textil. „Mit der Ausstellung wollen wir mit unseren Besuchern in den Dialog über eine zentrale Industrie, Konsum und nachhaltige Entwicklung treten. Wir sind gespannt, wie unser Publikum auf diese fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Museen reagiert und freuen uns auf viele Reaktionen.“

Laufsteg und Audioguide
Die Wanderausstellung „use-less“ wartet nach ihren ersten beiden Stationen im Hafenmuseum Speicher XI in Bremen und der KlimaArena Sinsheim in Bocholt mit einigen Neuerungen auf. Ein Höhepunkt ist ein 23 Meter langer Laufsteg hinter Glas, auf dem Studierende der Hochschule Hannover ihre Kreationen präsentieren. Die Entwürfe verbinden modernes Design und historisches Handwerk. So haben die angehenden Modedesigner traditionelles Grubentuch, das im Bocholter Museum auf historischen Webstühlen speziell im Ausstellungsdesign produziert wurde, mit Arbeitstechniken nach Prinzipien von „Zero Waste“ und Upcycling vereint.

Slow Fashion ist auch eine Alternative

Blick in die Ausstellung use-less in der Spinnerei im Textilwerk Bocholt – Foto LWL/ Betz

Eigens für das Textilwerk entwickelt wurde außerdem ein Audioguide, der über das eigene Smartphone in der Ausstellung oder die Plattform https://www.museum.de im heimischen Wohnzimmer abgerufen werden kann. Aus vier sehr unterschiedliche Perspektiven – vom Nerd bis zum Rentner – können Gäste die Ausstellung in aufwendig produzierten Hörspielsequenzen mit Hintergrundinfos, Gesprächen und Atmosphären entdecken. Die ungewöhnliche Klangkulisse wurde von Studierenden des Fachbereichs „Design, Lehrgebiet Ton- und Klanggestaltung“ der Fachhochschule Dortmund unter der Leitung von Prof. Jörg Lensing entwickelt und produziert.

Kooperationspartner
Die Wanderausstellung zum Thema Slow Fashion ist als Kooperationsprojekt der Hochschule Hannover, Studiengang Modedesign, in Kooperation mit dem Hafenmuseum Speicher XI und „Make Smthing“ von Greenpeace entstanden. Konzipiert und gestaltet wurde die Ausstellung der Hochschule Hannover unter der Leitung von Prof. Martina Glomb. Prof. Lensing von der FH Dortmund sorgte mit seinen Studierenden für die Erweiterung durch einen Audioguide. Schirmherrin der Ausstellung ist die englische Modedesignerin Vivienne Westwood.

Mythos Neue Frau
Eine Neuauflage erlebt ab 19. März die Ausstellung „Mythos Neue Frau“, die das Museum aufgrund des ersten Lockdowns im letzten Jahr nur verkürzt zeigen konnte. Über 130 Originalkostüme und viele weitere historische Exponate, Objekte aus dem Alltag sowie zahlreiche Fotografien und zeitgenössisches Filmmaterial lassen in der Spinnerei die Zeit zwischen 1900 und 1930 lebendig werden. In diesen ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts hielt eine nie gekannte Modernisierung aller Lebensbereiche die Gesellschaft in Atem. Die Mode passte sich der sich wandelnden Gesellschaft an, fand neue Formen für einen vereinfachten Kleidungsstil, der den Anforderungen des modernen Lebens entsprach. Frauen legten Korsett und mehrere Lagen Unterröcke ab, die Röcke wurden kürzer, die Stoffe leichter. Reißverschluss und Druckknöpfe ersetzten Haken und Ösen sowie lästige Schnürungen. Dies alles ist zu sehen in der Ausstellung „Mythos Neue Frau“.

Speak Your Mind

*