Auf dem Weg ins All

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Schülerpraktikantin im LWL-Museum für Naturkunde will Astronautin werden: Sie ist gewissermaßen auf dem Weg ins All.

Auf dem Weg ins All

Die Praktikantin präpariert vorsichtig einen Seeigel aus dem Stein heraus. Foto: LWL/M. Böckmann

Ob David Saint-Jacques im kanadischen Montréal weiß, dass er einen Fan im westfälischen Münster hat? Vermutlich nicht, wobei umgekehrt auch nicht jeder wissen muss, wer Saint-Jacques ist: Mediziner, Astrophysiker – und Astronaut mit sechs Monaten Erfahrung im All. Das macht ihn für Xenia Krause zu einem Star, denn die 15jährige aus Münster hat einen ungewöhnlichen Berufswunsch: Sie will Astronautin werden – sie ist auf dem Weg ins All.

Der Kanadier könne so gut erklären, was er vor zwei Jahren auf der Internationalen Raumstation ISS gemacht habe, sagt die Schülerin, die alle seine Instagram-Posts gesehen hat. Vor seiner Mission im All habe der heute 50jährige bei der US-Weltraumagentur NASA trainiert, so Xenia, die die Friedensschule in Münster besucht.

Xenia Krause, Lieblingsfächer Physik und Chemie, weiß Bescheid. Vor zwei Jahren habe das bei ihr so richtig angefangen, „das mit der Astronomie“. Seither ist sie auf dem Weg ins All. Auslöser sei eine Vorstellung im LWL-Museum für Naturkunde in Münster gewesen: „Die Show im Planetarium war so faszinierend, da habe ich mir dann Bücher über Sterne und Planeten besorgt.“ Immer wieder habe sie ihre Mutter erfolgreich „bearbeitet“, so dass die beiden inzwischen an die 20 Vorträge und Vorstellungen im Planetarium besucht hätten. Als die Zehntklässlerin einen Praktikumsplatz brauchte, stand für sie fest: „Ich möchte zum Naturkundemuseum und zum Planetarium. Ich mag die Atmosphäre, so ruhig und auch ein wenig geheimnisvoll. Ich geh da voll gern hin.“

Xenia Krause ist auf dem Weg ins All

Xenia Krause im LWL-Museum vor einem Bild der Milchstraße.
Foto: LWL/M. Tafertshofer

Das Praktikum hat im Oktober geklappt. Für eine Woche ist Xenia Krause in der geologisch-paläontologischen Präparationswerkstatt des LWL-Museums für Naturkunde. Sie färbt Gipsplatten ein, gießt Skelettteile in Silikonformen nach und präpariert einen versteinerten 70 Millionen Jahre alten Seeigel mit einem Stichel aus dem Gestein heraus.

Der Höhepunkt des Praktikums aber ist für Xenia ein Gespräch mit Dr. Tobias Jogler vom Planetarium. Der Physiker ist seit 2016 beim LWL und hat über „Gammastrahlen-Doppelsternsysteme“ seine Doktorarbeit geschrieben. Xenia interessiert, wie es für ihn nach dem Studium weiterging: „Der hat an der Stanford-Universität in Kalifornien geforscht und auch mit der NASA zusammengearbeitet. Cool.“ Er habe von seiner Zeit in den USA berichtet, mit den Spitzenforscherinnen und Kollegen, von den 70-Stunden-Wochen in den Observatorien und von seiner Arbeit heute mit den vielen Computern, die ein Planetarium gleichzeitig einsetze.

Auf dem Weg ins All

Xenia Krause vor dem Sitz eines Kosmonauten in der aktuellen Ausstellung „Überlebenskünstler“. Foto: LWL/M. Tafertshofer

Der Wissenschaftler macht aber auch klar, wie schwer das mit einer Laufbahn als Astronaut ist. „Das ist eine sehr harte Auslese“, erklärt Jogler der Praktikantin, „du musst nicht nur eine gute Wissenschaftlerin werden, sondern auch unter Stress lange Ketten von Anweisungen fehlerfrei umsetzen können.“ Er habe selber damals aus Spaß mit Kollegen einen solchen „Space Monkey Test“ gemacht – und nicht bestanden. Trotzdem ermutigt er immer wieder Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg ins All: „Man muss etwas lernen, was einem Spaß macht, dann ergeben sie viele Möglichkeiten, so wie bei mir.“ Seine Begeisterung für Astronomie habe er sich durch die Arbeit im Planetarium erhalten, und er freue sich immer, wenn er diese Begeisterung auch bei jungen Menschen anfachen könne. „Dann sind solche Begegnungen auch für mich sehr schön.“

Der LWL unterstützt diese Praktika, damit sich Schülerinnen und Schüler über ihren späteren Berufsweg orientieren können. Für den LWL liege der Vorteil auf der Hand: „Begeisterte Praktikantinnen von heute sind die motivierten Mitarbeiterinnen von morgen“, meint LWL-Kämmerer und -Personaldezernent Dr. Georg Lunemann. Beim LWL in Münster machen jährlich durchschnittlich 100 junge Menschen ihren ersten längeren Besuch in der Arbeitswelt – auch damit der LWL sich als attraktiver Arbeitgeber präsentieren kann. Lunemann: „Wir bieten jedes Jahr allein in der Hauptverwaltung rund 55 Ausbildungsplätze in 21 verschiedenen Berufen an.“

Xenia Krauses Bilanz nach einer Woche in der Museumswerkstatt ist eindeutig: „Sehr cool – leider schon zu Ende.“ Ob sie jemals Kollegin des kanadischen Astronauten werde? Tobias Jogler habe ihr auch ein wenig Hoffnung gemacht, dass die Chancen auf eine Karriere in der Raumfahrt steigen würden, weil zukünftige Projekte wieder mehr Personal im All brauchten. Klar, dass auf Xenias Wunschliste für Weihnachten ein Overall im Astronauten-Look steht, und: „Noch ein Praktikum – diesmal im Planetarium.“ So also ist Xenia Krause weiter auf dem Weg ins All.

LWL-Museum für Naturkunde, Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium
Sentruper Str. 285 , 48161 Münster

www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de/de/

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