Preisrichtertribüne ist Denkmal des Monats

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Ennigerloh. Der „Arbeitskreis Dorfentwicklung Ostenfelde“ und der Eigentümer der Preisrichtertribüne in Ennigerloh-Ostenfelde (Kreis Warendorf) haben das reitsportliche Denkmal, das sich in einem schlechten Zustand befand, in Gemeinschaftsleistung restauriert und so gesichert. Deshalb hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Tribüne als Denkmal des Monats August ausgezeichnet. „Die Tribüne ist ein einzigartiges Objekt und ein wichtiges Zeugnis der Wiederaufnahme des Reitsports im Münsterland nach dem Zweiten Weltkrieg“, sagt LWL-Denkmalpfleger Christian Steinmeier.

Erstes internationales Reitturnier nach dem Zweiten Weltkrieg

Preisrichtertribüne

Die Preisrichtertribüne in Ennigerloh-Ostenfelde nach der Restaurierung, Fotos LWL/Steinmeier

„Ja, wo laufen Sie denn?“ – Diese Frage aus dem Loriot-Sketch „Auf der Rennbahn“ mag man sich im Jahr 2020 auch bei einem Besuch des ehemaligen Reitturnierplatzes in Ennigerloh-Ostenfelde stellen. Allenfalls die Stallungen des etwa 500 Meter entfernten Herrenhaus Vornholz lassen erahnen, dass Pferden an diesem Ort einst besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Denn aus der Reitturnieranlage ist längt ein Fußballplatz geworden.

1937 gründete Clemens Freiherr von Nagel-Doornick hier ein eigenes Gestüt und veranstaltete bis 1939 erste Reitturniere. 1947 initiierte er mit Erlaubnis der britischen Besatzungsmacht das erste internationale, auf deutschem Boden ausgetragene Reitturnier nach dem Zweiten Weltkrieg. Das Interesse der Öffentlichkeit war groß – berichtet wird von über 20.000 Zuschauern. Als Austragungsort diente ein in Ostenfelde neu errichteter Turnierplatz, zu dem auch die Preisrichtertribüne gehörte. Das in Holzbauweise über einem massiven Sockel errichtete Bauwerk bot den Juroren eine gute Übersicht über das Reitgeschehen. Ein leicht überstehendes Dach schützte bei ungünstiger Witterung.

Sportstätte mit Denkmalwert

Nach Einstellung der Reitsport-Wettbewerbe wurde der Turnierplatz zu einem Fußballfeld umgebaut. Instandhaltungsmaßnahmen an der Tribüne blieben über viele Jahre aus, so dass sich ihr Zustand verschlechterte: Mauerwerk, Putz und Holzbauteile litten unter Feuchtigkeit, die Dachhaut hatte ihre Lebensdauer überschritten und Vandalismus hinterließ seine Spuren.

Auf Anregung des „Arbeitskreises Dorfentwicklung Ostenfelde“ untersuchten LWL-Denkmalpfleger den Turnierplatz und die Tribüne und stellten den Denkmalwert fest, im Jahr 2016 wurden sie in die Denkmalliste eingetragen.

Restaurierung als Gemeinschaftsleistung

Fragmentierte Tafeln mit Wettbewerbsergebnissen

„In enger Abstimmung mit den Denkmalbehörden entwickelte der Arbeitskreis ein Restaurierungskonzept und setzte es unter hohem Eigeneinsatz um“, so Steinmeier. Nachdem die Mitglieder des Arbeitskreises eine Drainage verlegt hatten, haben sie den Sockel saniert, die Holzbauteile repariert und die Bitumendeckung des Daches erneuert. Ein besonderer Fund trat zutage, als sie die nachträglich aufgebrachten Spanplatten hinter den Plätzen der Preisrichter entfernten: Hier hatten sich Sperrholztafeln erhalten, auf denen in zeittypischer Schrift die Namen der ersten siegreichen Reiter angeschlagen worden waren. Ihr stark beschädigter Zustand machte eine Restaurierung jedoch unmöglich. Nach akribischer Recherche gelang es dem Arbeitskreis, die Turnierergebnisse zusammenzutragen und detailgetreue Rekonstruktionen der Tafeln anfertigen zu lassen. Die Originale wurden sicher eingelagert.

Die aus Eigenmitteln des Arbeitskreises und durch Förderungen der Kulturstiftung der Sparkasse Oelde-Ennigerloh sowie der LWL-Denkmalpflege finanzierte Maßnahme wurde im März 2019 abgeschlossen. Das sportliche Treiben in Ostenfelde kann nun wieder von einem besonderen Ort beobachtet werden. Zwar sind die Hauptakteure heute nicht mehr Vier-, sondern Zweibeiner, aber schon bei Loriot heißt es doch: „So ein Pferd ist schließlich auch nur ein Mensch“.

www.lwl.org

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