Auf Schalke für die Talente der Region

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Gelsenkirchen – Wie kann die Emscher-Lippe-Region den Herausforderungen des globalen Wettbewerbs begegnen? Wie kommuniziert die Region ihre Stärken als attraktiver Standort für Unternehmen? Wie kann das Potenzial junger Menschen in der Region als Fachkräfte gehoben werden? Antworten, Ideen und konkrete Initiativen zu diesen Zukunftsfragen erlebten mehr 400 Gäste der Veranstaltung „Emscher-Lippe – eine Region mit viel Potenzial“, zu der Schalke 04, die RAG Stiftung und die Stiftung Schalker Markt sowie die Bezirksregierung Münster am Dienstag (9. Juli) in die Veltins Arena nach Gelsenkirchen eingeladen hatten.

Angeregt verfolgen die Zuschauer die Talkrunden – Foto: Bezirksregierung Münster

Für rund 200 Schülerinnen und Schüler aus der Region gab es neben Stadionführungen auch die Chance, viele Akteure kennenzulernen, die vor allem eine gemeinsame Überzeugung eint: „Wir müssen aufstehen und demonstrieren, dass wir besser sind als die zahlreichen Rankings und Umfragen, die der Region ein schlechtes Image attestieren. Diese Region hat gelernt, mit Herausforderungen umzugehen und Lösungen zu finden“, so Regierungspräsidentin Dorothee Feller, die allen Partnern der Veranstaltung dankte.

Ganz ähnlich wie die Regierungspräsidentin formulierte es Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski: „Diese Rankings nerven. Wir haben kein Erkenntnis-Problem, sondern ein Problem bei der Umsetzung.“ Jedenfalls keinen Mangel hat die Region an tatkräftigen, engagierten Akteuren, die sich vernetzen, wie Moderator Matthias Bongard von Schalke-Vorstand Peter Peters auf die Frage erfuhr, warum der Bundesligist der Veranstaltung spontan seine Arena öffnete: „Frau Feller hat mich gefragt: Wie kriegen wir diese Region gestaltet? Was können wir noch mehr tun? Unser Schulterschluss ist die Antwort.“

Schalke sei weit mehr als ein Fußballverein, betonte Sebastian Buntkirchen, Geschäftsführer der Stiftung „Schalke hilft!“. Der Verein sei ein Teil Gelsenkirchens und nehme eine soziale Rolle ein. Olivier Kruschinski, Vorstandsvorsitzender Stiftung Schalker Markt, regte an, mehr Stolz und Selbstbewusstsein zu zeigen: „Wenn man einem hässlichen Entlein jeden Tag sagt, dass es ein hässliches Entlein ist, dann findet es sich eines Tages auch hässlich. Wir müssen uns für nichts schämen, wir sind zu wenig stolz.“ Dabei ist die Region teils bereits bestens aufgestellt – ohne es mit entsprechendem Selbstbewusstsein zu kommunizieren. NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart nannte in seiner Rede vor den mehr als 400 Teilnehmern von Energieumbau bis Olympiabewerbung zahlreiche Beispiele für Zukunftschancen der Region, vor allem aber machte er den Schülerinnen und Schülern Mut: „Die Region ist ein besonders attraktiver Standort. Alle suchen junge, talentierte Leute, und Euch stehen alle Türen offen.

Wie Unternehmen zukünftig das schlummernde Potenzial der jungen Menschen aus der Region finden und fördern, diskutierte Matthias Bongard mit Bernd Kriegesmann (Präsident der Westfälischen Hochschule), Bärbel Bergerhoff-Wodopia (Vorstand der RAG-Stiftung) und Raphael Karrasch (Regionalleiter der Joblinge gAG Ruhr). Auch Kriegesmann betonte, es sei wichtig, nicht die Defizite zu betonen, „sondern was man kann“. Bärbel Bergerhoff-Wodopia hob hervor, dass nach dem Ende des Bergbaus Herausforderungen blieben – insbesondere im Bildungsbereich. „Der Bergbau hat seinerzeit über 100.000 junge Menschen ausgebildet. Hier müssen neue Angebote geschaffen werden. Die RAG-Stiftung bringt sich hier mit ihrer Bildungsförderung tatkräftig ein.“

Raphael Karrasch schaffte es, in einem Satz zu erklären, was das Projekt „Joblinge“ tut: „Wir kümmern uns um junge Leute, die nicht ganz so viel Glück hatten und eine zweite und manchmal auch eine dritte Chance brauchen.“ Was das ganz konkret bedeutet, erlebten die Gäste in dem Gespräch zwischen Schalke-Legende Olaf Thon und den beiden Joblingen Cendrin und Sophia, die offen erzählten, wie wichtig für ihren Weg die Mentoren-Unterstützung war. Olaf Thon: „Die Joblinge sind ein tolles Projekt. Ich weiß, wie wichtig es ist, jemanden zu haben, den man fragen kann. Bei mir war es Rudi Assauer, der mir auf die richtige Spur geholfen hat.“ Dass diese Hilfe bereits in der Schule beginnen muss, besprachen Mathias Richter (Staatssekretär im Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen) und Juliane Brüggemann, die mit dem Berufskolleg Datteln eine der besonders ausgestatteten NRW-„Talentschulen“ leitet mit Oberbürgermeister Frank Baranowski, der forderte: „In einer Region wie der unseren muss jede Schule eine Talentschule sein.“

Zahlreiche der Gäste aus Wirtschaft, Verbänden und Politik, die das Treffen anschließend im „LaOla-Club“ der Arena zum Austausch und Netzwerken nutzten, waren keineswegs nur von den Talkrunden und dem Unterhaltungsteil des Programms (Anke Sieloff vom Musiktheater im Revier sang, während der Talkrunden fuhr der frische Rasen lautlos in die Arena) beeindruckt, sondern besonders auch von den Schülerinnen und Schülern, die die zweieinhalbstündige Veranstaltung konzentriert verfolgten.


 

 


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