Herford: Als wären wir zum Spaß hier

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Herford – Ob in Politik, im Beruf, in der Schule oder im privaten Umfeld – fast jeder hat schon einmal Gewalt erlebt. Ein besonders hohes Risiko, Opfer von Gewalt zu werden, tragen Menschen mit Behinderung. Auch viele Inhaftierte haben massive Gewalterfahrungen. Die Diakonische Stiftung Wittekindshof, das Museum Marta Herford und die Justizvollzugsanstalt (JVA) Herford haben deswegen in den letzten beiden Jahren ein gemeinsames Designprojekt unter dem Titel „Als wären wir zum Spaß hier – Grenzen und Gewalt“ durchgeführt. Ergebnisse und Einblicke in den Projektablauf bietet die begleitende Ausstellung, die bis zum 16. Januar 2019 zu sehen ist.

“Als wären wir zum Spaß hier” – Ausstellung zu Grenzen und Gewalt im Forum der Marta Herford – Fotos: Marta Herford

„Gewalt geschieht oft im Verborgenen, umso wichtiger ist es, sie deutlich zu thematisieren. Die Marta-Ausstellung ‚Brutal schön‘ hat dafür bewegende Bilder geliefert. Und das daran anschließende Design-Projekt mit JVA-Inhaftierten und Bewohnern des Wittekindshofs gibt Betroffenen nun eine deutliche Stimme.“ Roland Nachtigäller

“Als wären wir zum Spaß hier” – Ausstellung zu Grenzen und Gewalt im Forum der Marta Herford

An den vier Workshops des Designprojekte haben 50 Frauen und Männer mit Behinderung und Inhaftierte der JVA Herford teilgenommen. Unter der künstlerischen Leitung der beiden international bekannten Künstler und Designer Ingrid Hora (Berlin) und Matthias Megyeri (Stuttgart) haben sie sich kreativ mit Grenzen und Gewalterfahrungen auseinandergesetzt. Die Teilnehmer*innen haben vielfältige Lebenserfahrungen eingebracht. Sie leben teilweise mit geistiger Behinderung oder verfügen über langjährige Psychiatrie-, Gefängnis- oder Ausgrenzungserfahrungen. Auch die Orte für die vier Workshops waren bewusst ganz unterschiedlich gewählt: Im und rund um das Wittekindshofer Kunstatelier in Bad Oeynhausen-Volmerdingsen, im Bauhof der JVA Herford, im Denkwerk in Herford und im Marta-Atelier.

Entstanden sind Ideen, Skizzen und Objekte, die Mut machen, die der Gewalt Grenzen entgegen setzen, Schutzräume schaffen oder helfen, eigene Grenzen zu überwinden. In der Ausstellung sind Fotos und ein Film zu sehen, die einen ungewöhnlich schöpferischen Umgang dokumentieren. Dazu gehören eine Eiswaffel, die alle Grenzen zu sprengen scheint, ein überdimensionaler Mutmacher, der an jene Person erinnert, die nach Gewalterfahrungen stets ein offenes Ohr hatte, aber auch Tattoos, die mehr als eine Geheimsprache im Gefängnis sind. Die Statements aus dem begleitenden Projektfilm erinnern eher an die Stimmen von politischen Aktivist*innen, Philosoph*innen, Spieleerfinder*innen und Textildesigner*innen als an jene, die man von Menschen mit geistiger Behinderung oder psychischer Beeinträchtigung sowie von Inhaftierten vermuten mag.

Ausgangspunkt für die Kooperation war die 2016 im Marta Herford gezeigte Ausstellung „Brutal schön – Gewalt und Gegenwartsdesign“. Der Projekttitel „Als wären wir zum Spaß hier – Grenzen und Gewalt“ bezieht sich auf die wissenschaftliche Publikation zur Wittekindshofer Geschichte „Als wären wir zur Strafe hier“, in der Gewalt gegen Menschen mit geistiger Behinderung in den 1950er und 1960er Jahren aufgearbeitet wird.

Die Workshops und Ausstellung wurden gefördert durch Aktion Mensch.

Laufzeit der Ausstellung 12. Dezember 2018 – 16. Januar 2019

Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr, Dienstag, 25. Dezember, geschlossen; Dienstag, 1. Januar, von 13 bis 18 Uhr, Mittwoch, 2. Jan uar, von 11 bis 21 Uhr.

Eintritt Freier Eintritt in die Marta-Lobby und in das Marta-Forum. Eintritt zu den weiteren Ausstellungsräumen: Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 4,50 Euro, Familien 17 Euro, Gruppen ab 10 Pers. 4,50 Euro/Pers., Schülergruppen ab 6. Klasse 1,50 Euro /Person.

Freier Eintritt für Kinder unter 10 Jahren, Schüler und Studenten dienstags von 16–18 Uhr und am 1. Mittwoch im Monat von 18–21 Uhr, Deutsche Bank ArtCard, eine Begleitperson von Menschen mit Behinderungen mit dem Merkzeichen „B“

Marta Herford (Forum) / Goebenstraße 2–10 / 32052 Herford

 

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