Er ist wieder da!

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Am 19. Januar 1835 erlegte der Gastwirt Joseph Hennemann bei Herbern-Horn den „letzten Wolf Westfalens“. 1935 wurde dem „Grauhund“ an dieser Stelle ein Gedenkstein gestiftet. 183 Jahre später: Isegrim ist zurück – am 25. Januar 2018 tauchte ein Wolf zwischen Senden und Albersloh auf. Anfang Juni wurde ein weiterer im Kreis Höxter bestätigt, sowie kürzlich einer in Bielefeld-Senne. Selbst bis nach Rees im Kreis Kleve ist der Wolf von Osten her vorgerückt.

Foto: Pixabay

Im Nachbarland Niedersachsen bilden vierzehn Rudel bereits einen dreistelligen Bestand. Landes- und Bundesämter gehen von insgesamt rund 1.000 Wölfen in Deutschland aus, deren Zuwachsrate 30 Prozent per annum beträgt. Damit ist der „günstige Erhaltungszustand“ erreicht, bei dem eine Tierart nicht mehr vom Aussterben bedroht ist – der Wolf ist wieder heimisch.

Das sorgt für Konflikte. Nur einige regionale Fälle der letzten Zeit: In Leverkusen rissen Wölfe zwei Kälber, in Bremen zwei Mutterschafe, in Soltau mehrere Pferde. Im Kreis Vechta hielten fünf Rissmeldungen in einer Woche den ehrenamtlichen Wolfsberater auf Trab: Unter anderem übersprangen die „Grauhunde“ einen zwei Meter hohen Weidezaun und dezimierten eine Mufflonherde. Im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg haben Wölfe den seit 100 Jahren heimischen Muffelwildbestand inzwischen fast ausgerottet.

Damit steht die von Verbrauchern als naturnah und artgerecht geforderte Weidehaltung von Rindern, Schafen, Ziegen, Alpakas und Co., die auch eine wichtige Funktion in der Landschaftspflege erfüllt, vielerorts auf der Kippe. Die Halter fühlen sich durch Pauschalzahlungen aus der Steuerkasse und lapidare Empfehlungen, Zäune zu ziehen, alleingelassen. Sie dürfen die übrigen panischen Tiere einfangen, Kadaver entsorgen und neues Vieh anschaffen.

Weitere Probleme kommen hinzu: Wildtiere reagieren auf Isegrims Anwesenheit mit Verhaltensänderung. So bildet Rotwild zum Schutz vor Wölfen große Rudel von über 100 Stücken, die in ständiger Unruhe sind – und dabei erhebliche Forstschäden anrichten, was die durch langfristige Verträge ersatzpflichtigen Jagdpächter ruiniert.

Doch nicht nur Wild und Weidevieh machen Bekanntschaft mit dem Wolf: In Celle knurrte ein Wolf im Februar zwei Kinder an; in Westersundberg (Niedersachsen) kam eine Walkerin ebenfalls mit dem Schrecken davon. Doch was Wolfsberater noch mehr beunruhigt ist: Wolfswelpen zeigen zunehmend kaum Fluchtverhalten und nähern sich Menschen auf wenige Meter.

Zudem werden immer mehr Wölfe Opfer von Verkehrsunfällen mit Autos und Zügen. Allein in Niedersachsen wurde bereits knapp ein Dutzend Grauhunde überfahren. Besonders spektakulär war der Fall eines angefahrenen Isegrims auf dem Berliner Stadtautobahnring. Grotesk: Aufgrund des Artenschutzes dürfen weder Polizisten noch Jäger verletzte Wölfe erlösen, da sie sich sonst strafbar machen. Andererseits werden immer mehr Hybridwölfe gesichtet, die aus Verpaarungen von Wölfen mit Haushunden entstanden sind. Alle diese vorhergesagten Folgen wurden noch vor kurzer Zeit als irrationale Panikmache abgetan, nun sind sie vollständig eingetreten. Das versprochene „professionelle Wolfsmanagement“ ist komplett aus dem Ruder gelaufen.

Doch immerhin hat das Wolfsfiasko wieder etwas Bewegung in den ideologischen Grabenkrieg zwischen Wolfsgegnern und -befürwortern gebracht. Man redet miteinander, seit unbestreitbar geworden ist, dass die naturromantische „Willkommenskultur“ für den Wolf gescheitert ist und etwas geschehen muss.
Über das richtige Vorgehen wird allerdings weiter gestritten. Der Bundesjagdverband möchte den Wolf ins Jagdrecht aufnehmen. Argument: Der Wolf greift durch sein Verhalten selbst massiv in das Jagdrecht ein, also muss er ihm auch unterworfen werden. Die Jägerschaft NRW hält sich lieber bedeckt und sagt, man wolle nicht insistieren – wenn die Politik den Jägern allerdings das Mandat erteile, stünde man „Gewehr bei Fuß“. Die Bauern erklären, dass sie zur Aufgabe der Weidehaltung gezwungen seien, wenn die Risiken unkalkulierbar werden. Und die Politiker? Sie halten an „Wolfsmanagern“ fest und veröffentlichen beinahe täglich Pressemeldungen mit verschiedensten Forderungen: Landwirtschaftsminister versus Umweltminister. Eine einheitliche Lösung ist noch nicht in Sicht. Eine geforderte Eingreiftruppe („GSG Wolf “) dagegen wohl vom Tisch.

Derweil kippt in der Bevölkerung langsam die Stimmung. Die anfängliche „Kein Wolf ist illegal“-Euphorie – insbesondere von Städtern – schmilzt zusehends. In der „Naturbewusstseinsstudie“ des Bundes werden seit 2009 alle zwei Jahre über 2.000 Deutsche nach ihrer Einstellung zur Ausbreitung verschiedener Arten befragt. Zuletzt begrüßten nur noch 44 Prozent den Wolf, noch weniger als den Waschbär mit 48 Prozent und deutlich weniger als Biber (67 % Zustimmung) und Luchs (64 %).
Eine einheitliche Lösung ist auch im Interesse des Wolfes, damit es nicht weiter zu illegalen Exzessen kommt, wie kürzlich in Sachsen, wo eine Wölfin erschossen und mit einem Betongewicht in einem Baggersee versenkt wurde. Dazu muss die Frage, wie viel Wolf unsere Kulturlandschaft und das künstlich angepasste Artengleichgewicht vertragen, ohne ideologischen Eifer geklärt werden – was uns Deutschen ja bekanntlich leider schwer fällt.
Dass dem Wolf aus einer Märchenschwärmerei heraus andere Arten geopfert werden, kann jedenfalls nicht sein.


 

 


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Kommentare

  1. Liebe Redaktion,
    es ist erstaunlich, dass sachliche Kommentare-die Recherchefehler aufdecken nicht veröffentlicht werden…

    Gruß Arno M.

  2. Dagmar Niemeyer meint:

    Liebe Redaktion, endlich mal ein Bericht, der die Realität wiedergibt und den Wolf-Wahnsinn nicht durch die rosarote Brille sieht. Danke.

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