Kiepenkerl-Blog: Vereinsleben

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Foto: Pixabay

Viele Vereine leiden unter Nachwuchsmangel. Ein Grund könnte sein, dass in Bierzelten und Kneipen nicht mehr geraucht werden darf. Nichtraucher haben sich erfolgreich gegen die Begasung durch Pfeifen- oder Zigarettenraucher in geschlossenen Räumen gewehrt. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass einem im Wald eine Dachziegel auf den Kopf fällt oder man durch den Verzehr von Waldhimbeeren einen Fuchsbandwurm bekommt, ist weitaus größer als ein Passiv-Raucher-Exitus in einem Bierzelt.

Nach Meinung der Nikotin-Muffel sollten Raucher ausgemerzt werden wie Giersch im Garten, Maiswurzelbohrer auf dem Acker, Borkenkäfer im Fichtenwald oder Drahtwürmer in den Kartoffeln. Als weitgehend wirkungslos haben sich die heutigen Horrorbilder auf den Zigarettenpackungen erwiesen. Dem Nikotin-Fan würde etwas fehlen, wenn sie nicht mehr auf den Packungen wären.

Ein bisschen dankbar sollten die Nichtraucher aber schon sein. Wenn morgen alle mit dem Qualmen aufhören würden, stünden übermorgen tausende Tabakbauern und Glimmstengel-Dreher auf der Straße, Kioskbesitzer und Tankstellenpächter müssten am Hungertuch nagen. Treiben wir die rauchenden Mitbürger nicht zu den anonymen Kettenrauchern und zwingen wir sie nicht zum Kauf von Nikotinpflastern, damit sie anschließend nicht aussehen wie Renate Künast nach dem Entzug.

Auch die Vorstandsposten in Vereinen zu besetzen ist schwierig geworden, denn junge Leute scheuen die Verantwortung. Kein Wunder also, dass die Vorstände immer älter werden. Der Vereinsvorstand setzt sich deshalb nicht nur zu Sitzungen, sondern auch aus den „senes“ (greisen Häuptern) zusammen. Die Vorstandsmitglieder werden nach vorangegangenen Balzritualen von der Mitgliederversammlung des Vereins gewählt. In dem patriarchalisch besetzten Gremium ist die Frauenquote traditionell gleich Null. Wer dem meist sensiblen Vorsitzenden angemessen begegnen will, „der sei höflich und bescheiden, denn das mag der Onkel leiden.“ Bei Wilhelm Busch heißt es:: Man „bring ihm, was er haben muss: Tabak, Pfeife, Fidibus.“ Doch mit dem Inkrafttreten des „Raucherdiskriminierungsgesetzes“ ist diese Form der Ehrerbietung unpassend geworden.

Die vom Vorsitzenden geleiteten Sitzungen gliedern sich entsprechend der klassischen Tragödien in mehrere Akte: Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung, Finanz- und Beitragsfragen, Nachwuchsprobleme und Veranstaltungen. Unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ wird „Sonstiges“ behandelt, weil alle Tagesordnungspunkte ohnehin verschieden sind.

Jede feinfühlige Jugend überlässt es dem skeptischen Vorstand, durch böse Erfahrungen zu richtigen und besseren Anweisungen zu gelangen, um sie danach erneut gründlich zu ignorieren.


 

 


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