Olpe: Ein Leuchten über der Stadt

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Olpe – Ende Januar 2018 wurde die Kapelle St. Josef auf dem Finkenhagen in Olpe in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Jetzt hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Kapelle als Denkmal des Monats ausgezeichnet.

Innenansicht der Kapelle St. Josef. Foto: LWL/Otten

“Der flachgedeckte Glaskubus wurde von 1980 bis 1986 als ein bedeutender durchscheinender Sakralbau der Nachkriegszeit von dem renommierten Düsseldorfer Glaskünstler Jochem Poensgen entworfen und realisiert”, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Marion Niemeyer-Onana. “Der besondere Charakter der Kapelle St. Josef rührt daher, dass die raumhohe umlaufende Kunstverglasung nur von filigranen, kaum sichtbaren Streben einer zurückhaltenden Stahlbetonskelettkonstruktion gehalten wird.”

Die Kapelle St. Josef in Olpe-Biggesee gehört zu den wenigen westfälischen Beispielen für Kirchenräumen mit einer konsequenten, allseitigen Auflösung der Architektur in diaphane, also durchscheinende Wände. “Dieser fast vollständig aus Glaselementen bestehende Kapellenbau wurde in erster Linie als Innenraum konzipiert, der durch die diaphanen, farbigen Wände eine transzendente, also über sich selbst hinausweisende Raumwirkung entfaltet. Wie alle Kirchen dieser Art besitzt der Kapellenraum zudem eine durchdachte Außenwirkung, da er in der Dämmerung wie ein farbiges Reliquiar leuchtet”, so Niemeyer-Onana.

Farbige Glaswand in der Kapelle St. Josef. Foto: LWL/Otten

Bei diesen leuchtenden Wänden handelt es sich zum einen um sogenannte diaphane Betonglasarbeiten, die aus einer Synthese von durchscheinenden und lichtundurchlässigen Elementen bestehen. Zum anderen entwickelte Poensgen Kirchenräume mit großflächigen Glaswänden, in die er Wandscheiben oder andere Architekturelemente einstellte. Es handelt sich in beiden Fällen um eine Glaskunst, die gleichwertig neben die traditionelle Wand als Raumbegrenzung tritt und durch Lichteinfall, Farbe und Darstellung das Kircheninnere inszeniert. Der allgemeinen Tendenz zur Abkehr überlieferter Architektur folgend, ersetzten seine Glasflächen im Verlauf der 1960er-Jahre mehr und mehr ganze Mauerzüge und bildeten ab Ende des Jahrzehnts erste vollständig gläserne Raumgrenzen. Sind bei diesen Bauten die architektonischen Elemente noch präsent, so reduzierte er Anfang der 1980er-Jahre die Konstruktion der Kapelle St. Josef auf eine rein dienende Funktion und realisierte zugleich seine neue Vorstellung von Glaskunst, indem er geschmeidige und stellenweise kräftig gefärbte Formströme als große Gesten den Kapellenraum umfließen ließ.

Mit der großflächigen Verglasung gehört die Kapelle zu den seltenen Sakralräumen der Nachkriegszeit, die fast ganz von einem großflächigen Kunstwerk umschlossen werden. So entschied sich der Bildhauer und Maler Emil Wächter bei der Autobahnkirche St. Christopherus in Baden-Baden (1976) für flächige Betonreliefs und Betonverglasung als seitliche Raumgrenzen. Poensgen wählte ein umlaufendes, großformatiges Glasband für den Kapellenbau auf dem Finkenhagen in Olpe. Mit Sakralarchitektur, ihrer räumlichen und liturgischen Konzeption und Ausstattung hatte er sich bereits früh auseinandergesetzt. Der Raum und die architektonische Funktion des Lichtes waren bei ihm zentrales künstlerisches Thema, das er im Laufe seines Schaffens immer wieder neu entwickelte. Seit den 1960er-Jahren beschäftigte er sich intensiv mit raumbeherrschenden Kirchenwänden aus Glas.

Bereits in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre gab es Sakralbauten, deren Wände in tragende Teile und Glasfüllung aufgelöst waren und auf zum Teil sehr unterschiedliche Weise an durchscheinende Glas-Licht-Architekturen im Kirchenbau der Zwischenkriegszeit anknüpften. “Diese Lichtwirkung von Glas führte dazu, dass die Innenräume mit ihren durchscheinenden Wänden entmaterialisiert wirken. Das gilt vor allem für die Architekten Egon Eiermann, Helmut Striffler und Rudolf Schwarz, die eine diffuse, entmaterialisierende Lichtführung von Kirchenräumen schafften, indem sie durchscheinende, meist farbig verglaste Ummantelungen beispielsweise aus Betonwabensteinen verwendeten.” Später wurde eine konsequente, allseitige Auflösung der Architektur in durchscheinende Wände immer seltener realisiert.


 

 


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