Herford: 8. RecyclingDesignpreis

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Herford – Ausgedientes wieder nutzbar zu machen, hat sich der RecyclingDesignpreis zur Aufgabe gemacht, der in diesem Jahr bereits zum 8. Mal verliehen wird und auf eine langjährige Kooperation von Marta Herford und dem Arbeitskreis Recycling e.V. Herford verweist. Über 350 Designer*innen aus insgesamt 18 Ländern beteiligten sich am Wettbewerb und zeigen neueste Entwicklungen auf dem Gebiet des nachhaltigen Designs. Ob Schmuck- oder Kleiderkollektionen, Möbel- oder Interiorstücke: Mit ihren Entwürfen setzten sich die Designer*innen kritisch mit der heutigen Wegwerfgesellschaft auseinander und spüren Trends auf, obwohl sich ihre Entwürfe auf ausrangierte Materialen und Gegenstände stützen.

Sep Verboom, ROPE rug, Teppich aus Meeresmüll, Foto: Aaron Lapeirre

„Beim diesjährigen RecyclingDesignpreis fällt eine zunehmende Reduktion in der Materialvielfalt und besondere Klarheit bei der Gestaltung neuer Produkte auf. Neben der Sortenreinheit spielt auch die zukünftige Trennbarkeit verschiedenster Materialien nach dem Gebrauch eine große Rolle. Somit ist die Erforschung bestehender Produktionsprozesse der Ausgangsprodukte und oftmals eine wichtige Inspirationsquelle bei der Entwicklung neuer und spannender Upcyclingideen.“ Oliver Schübbe

Jan Körbes, Lemon Loft, wiederverwendetes Futtersilo, Transportanhänger, Restholz, Stahlverschnitt, Polyester

Als Gewinner des 8. RecyclingDesignpreises kürte die 11-köpfige Fachjury den Belgier Sep Verboom aus De Pinte, der mit dem flachgewebten Teppich „ROPE:rug“ überzeugte. Der Teppich ist aus ausrangierten Schiffstauen und -seilen gefertigt, die von den Philippinen stammen und vormals als Meeresmüll das sensible Ökosystem bedrohten.

Die Farbgebung und das grafische Muster des Teppichs sind von mikroskopisch kleinen Meeresorganismen inspiriert und verweisen auf die nautische Herkunft des recycelten Materials. Lea Schücking aus Kassel belegte mit ihren dekorativen Wandfliesen „Shards“ den diesjährigen zweiten Platz. Die handlichen Fliesen sind aus Ziegeln und Altglas gefertigt, was die Färbung der schimmernden Braun- und Grüntöne bei genauem Hinsehen verrät. Die Drittplatzierte, Anna Sophie Flemmer aus Hannover, überzeugte die Jury mit ihrer 13-teiligen Kleiderkollektion „SAME:SAME“.

Anna Sophia Flemmer, SAME:SAME, ausrangierte Reststoffe, Korkgarn- und leder, recycletes Nähgarn und Papier, GOTS-zertifizierte Stoffe, Garn aus Milchproteinfaser aus Abfällen der Milchproduktion

Die in Brailleschrift übertragenen Beschriftungen machen die Kleidungsstücke blindengerecht. Zudem griff die Designerin für ihre Kollektion auf ausrangierte Reststoffe, Korkgarn und -leder, recyceltes Nähgarn und Papier, sowie Garn aus Milchproteinfaser, ein Abfallprodukt der Milchproduktion, zurück und verzichtete gänzlich auf die Verwendung neu anzuschaffender Materialien.

Björn Bernt, Pacco, Pappmöbel, Pappe, Holzleim

Eine weitere Wettbewerbseinreichung befindet sich schon von weitem sichtbar mitten auf der Marta-Plaza: Der niederländisch-deutsche Architekt Jan Körbes hat in einem ausrangierten vier Meter hohem Futtersilo einen besonderen Raum auf nur knapp drei Quadratmeter geschaffen, der die Aspekte der experimentellen Architektur, der Mobilität und des sozialen Lebensraums in sich vereint. In seinem „Lemon Loft“ finden bis zu zehn Personen Platz, die den Ort als Tee- und Meditationsraum nutzen können.

Die Hamburger Designerin Charlett Wenig hingegen erkundet zusammen mit Naturwissenschaftlern in ihrem „Bone Project“ die Verwendung von Schweineknochen, die in erheblichen Mengen in der Lebensmittelindustrie als Abfallprodukt anfallen. Die vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten sind z.B. stabilen Knieschützern in Knochenforschung als Stützstruktur bei Trümmerfrakturen. Rudolf Weiß wiederum sammelt für sein Projekt „Gestalten (unter) anderen Umständen“ weggeworfene oder defekte Geräte und Gegenstände und fügt diese zu neuen „alltäglichen Haushaltsprodukten“ zusammen. So entstehen praktische wie verblüffende Neunutzungen, die einmal mehr belegen, wie weit gefächert das Spektrum der ausgestellten Einreichungen reicht.

Der RecyclingDesignpreis ist ein offener Wettbewerb ohne Altersbeschränkungen, zu dem Designer*innen und Gestalter*innen mit professioneller oder semiprofessioneller Ausbildung eingeladen werden. Der erste Preis ist mit 2.500 Euro, der zweite mit 1.000 Euro und der dritte mit 500 Euro dotiert.

Sonderkategorie Schüler, Auszubildende, Werkstätten

Auch Schüler, Auszubildende und Werkstätten haben die Möglichkeit, Entwürfe einzureichen, die sich mit den Themen Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung oder Upcycling auseinandersetzen. Rund 75 Bewerbungen aus NRW verzeichnete der diesjährige Aufruf, von denen 13 Beiträge für die Ausstellung ausgewählt wurden.

Während Mona Hannemann (Ravensberger Gymnasium, Herford), Gewinnerin dieser Sonderkategorie, aus ausgedienten Fußbällen und Wärmedecken ein funktionales wie dekoratives Doppel aus Lampe und Obstschale kreierte, konstruierte die Zweitplatzierte Marie Beckmann von derselben Schule aus alten Surfbrettern eine außergewöhnliche Sitzgruppe. Den dritten Platz belegte Swetlana Schmidt (Ernst-Barlach-Realschule, Herford), die mit ihrer überraschend detaillierten Collage „Herford macht BLAU“ aus abgelegter Jeansbekleidung historische Herforder Stadtansichten visualisierte.

 

Exponate: Etwa 23 Werke von Designer und 13 Objekte der Sonderkategorie Schüler, Auszubildenden und Werkstätten

Ausstellungsfläche ca. 400 Quadratmeter

Laufzeit 28. Januar – 22. April 2018

Öffnungszeiten Di–So und an Feiertagen 11–18 Uhr, jeden 1. Mittwoch im Monat 11–21 Uhr, 24., 25. und 31.12. geschlossen, Neujahr ab 13 Uhr geöffnet

Eintritt Erwachsene 8 Euro, ermäßigt 4,50 Euro, Familien 17 Euro, Gruppen ab 10 Pers. 4,50 Euro/Pers., Schülergruppen ab 6. Klasse 1,50 Euro / Person.

Freier Eintritt für Besitzer der HerfordKarte, Kinder unter 10 Jahren, Schüler und Studenten dienstags von 16–18 Uhr und am 1. Mittwoch im Monat von 18–21 Uhr, Deutsche Bank ArtCard, eine Begleitperson von Menschen mit Behinderungen mit dem Merkzeichen „B“.

Marta Herford (Lippold-Galerie) / Goebenstraße 2–10 / 32052 Herford

 


 

 


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