Video: Impressionen aus Marienthal

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Hamminkeln-Marienthal – Im malerischen Isseltal liegt Marienthal – ein Ortsteil von Hamminkeln, der übersichtliche 500 Einwohner zählt. Das dort dennoch jede Menge los ist, zeigt ein neuer Imagefilm des Orts. Ob zum Martinsmarkt, den Marienthaler Abenden mit Kabarett und Musik, oder zur Besichtigung des über 700 Jahre alten Klosters mit seiner Kunstausstellung im Kreuzgang – Marienthal ist stets einen Besuch wert.

Impressionen aus Marienthal from Christian Wesner on Vimeo.

Augustiner-Eremiten gründeten 1256 auf dem Flecken Beylar im kaum besiedelten Grenzgebiet zwischen Münsterland und Niederrhein ein Kloster, dem sie den Namen Marienthal gaben. Mit der Besetzung Westdeutschlands durch Napoleon wurde das Kloster aufgelöst – das Kirchlein blieb jedoch und drumherum entstand ein Bauerndorf. Mit  zwei Höfen, einer Wassermühle, Schmiede Sattlerei und Molkerei. Ein Kolonialwarenladen durfte natürlich auch nicht fehlen.

1924 kam Augustinus Winkelmann aus Amelsbüren bei Münster als Pfarrer nach Marienthal. Studiert hatte Winkelmann in Münster, Würzburg und Paris. Und seit seiner Zeit in Paris und der Bekanntschaft mit dort lebenden und wirkenden Künstlern des Expressionismus stand für ihn fest: Diese neue Kunstrichtung sollte dort Einzug halten, wo er langfristig wirken wollte.

Marienthal

Die alte Klosterkirche in Hamminkeln-Marienthal. Hier wirkte Augustinus Winkelmann – Foto: Wikipedia Commons

Marienthal, Kirche und Friedhof, sollten unter seiner Ägide mit neuer Kunst ausgestattet werden. Und so geschah es. Die Glasmaler Thorn Prikker, seine Schüler Anton Wendling und Heinrich Dieckmann, ebenso Heinrich Campendonk gestalteten Fenster in Kirche,Kreuzgang und Mönchszelle. Josef Straters Kreuzweg in Grisaille-Technik zierte das Kirchenschiff. Das Bronzeportal mit der Darstellung des Glaubensbekenntnisses wurde nach dem 2. Weltkrieg das Meisterwerk von Edwin Scharff, dem „Entarteten“, dem Pastor Winkelmannin der Zeit des Nationalsozialismus Unterkunft und Arbeit bot.

Das Werkverzeichnis der Kunst in der Kirche und auf dem Friedhof von Marienthal liest sich wie das who is who der auch sakrale Themen bearbeitenden Expressionisten der 20er bis 50er Jahre. Winkelmann verstarb am zweiten Weihnachtstag 1954. Sein Vermächtnis lebte weiter. Dann die Jugendbewegten, denen Winkelmann während seiner Ägide Quartier in der dem Kloster angeschlossenen Jugendherberge und den Heuböden der Bauernhöfe geboten hatte, kamen in den 50er und 60er Jahren gerne wieder nach Marienthal und erinnerten sich der hier verbrachten Zeit. Es folgten die Hochzeitspaare, für die Winkelmanns Nachfolger die Hochzeitsglocken läuten ließen und die sich in den beiden Gasthäusern fürstlich bewirten liessen. Dies war der Beginn der Metamorphose des Bauerndorfes zum Kultur- und Touristikort.

Marienthal

Isselpartie in Marienthal: Wirklich ein idyllisches Örtchen – Foto Westfalium

Bauernhöfe wurden zu Hotels und Gasthöfen, Schoppen zu Shops. Lifestyle-Produkte, Mode, Kunst-Galerie und Feinkost bestimmen heute das Einzelhandels-Angebot in dem kleinen Klosterdorf, das kaum eine Autostunde von Düsseldorf und den Großstädten des Ruhrgebiets entfernt ist. Mittsommer-Markt und Martins-Markt entwickelten sich innerhalb weniger Jahre zu Grossereignissen mit überregionalem Charakter und einer Anziehungskraft bis weit ins Münsterland und in die Ruhr-Metropolen. Die Marienthaler-Abende sind seit drei  Jahrzehnten das kulturelle Highlight im Sommer an der Schnittstelle zwischen Niederrhein und Westmünsterland. Annähernd 500 Veranstaltungen mit Konzerten, Kabarett und Kleinkunst begeisterten in Marienthal ein Publikum von nah und fern.

Erwähnenswert sind ebenso der Marienthaler Frühling mit dem Motto Schnuppern-Stöbern-Schlemmen, Apfelfreude und Apfellust zu Anfang Oktober oder die Alternative zu den allerorts stattfindenden Weihnachts-Märkten, hier hebt sich Marienthal wohltuend ab vom einerlei des inflationären Vorweihnachtstrubels. Advent auf dem Dorfe  heißt es ganz schlicht und verspricht nicht mehr und nicht weniger als ein festlich geschmücktes Dorf mit Krippe, Lichterglanz und Tannenbäumen. Eine Oase derStille und der Besinnung mit einem Angebot von Fackelwanderungen, Lesungen und Konzerten, schlichtweg Advent in seiner ursprünglichen Bedeutung.

www.marienthal.de

www.marienthaler-abende.de

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