Münster im Spiegel seiner kreativen Köpfe

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Münster – Jeder hat seinen ganz eigenen Blick und nutzt darüber hinaus unterschiedliche Arbeitsweisen; was sie verbindet, ist ihre Leidenschaft für die klassische Porträtfotografie. Die beiden Münsteraner, Ilse Wecker und Ulrich Karst,  lieben die Schwarzweißfotografie, die lange Zeit aus der Mode gekommen schien. Ganz zu Unrecht, denn was die beiden Fotografen in ihrem gemeinsamen Projekt „Kunstszene Münster“ in über zweijähriger Arbeit in Schwarzweiß festgehalten haben, läßt sich nicht nur sehen, es begeistert den Betrachter.

Professor Udo Scheel

Die beiden Fotografen lieben den Blick auf Menschen, Gesichter und Gesten. Sie halten Spannungen zu Hintergründen und typischen Kunstwerken fest, dokumentieren ganz nüchtern die unverhohlenen Eitelkeiten und sie inszenieren – mitunter hinter dem Rücken der Abgelichteten – ein ironisches Wechselspiel mit Raum, Hintergründen  und Requisiten. Auch wenn die Fotografen Ort, Kunstwerke und Requisiten vorher besprochen haben, werfen die Inszenierungen durchaus kritische Perspektiven auf, erlauben zum Teil tiefe Einblicke in die Seele, ohne allerdings die Protagonisten jemals bloßzustellen. Das erinnert an Meister aus der Geschichte der Fotografie wie August Sander, Isolde Ohlbaum und Jim Rakete.

Maler Bahram Hajou

„Kunstszene Münster“ ist zuersteinmal ein tolles Buch, das im Tecklenborg Verlag in Steinfurt erschienen ist. Es zeigt von 130 aufgenommenen Porträts eine Auswahl von 101 kreativen Köpfen aus Münster. Wenn es tatsächlich zutreffend ist, dass rund 1.300 Künstlerinnen und Künstler in Münster arbeiten, dann präsentiert das Buch leider nur eine kleine und sicherlich auch persönliche Auswahl. Sicherlich hätte man sich zusätzlich noch andere Köpfe gewünscht, vor allem eben aus dem Kreis der Künstlerinnen und Künstler. An einigen Stellen hat man den Eindruck, dass überall der Proportz gewahrt werden wollte. Dennoch: Das Buch zeigt Münster im Spiegel seiner Künstler, Galeristen, Museumsleiter, Kuratoren, Sammler und Organisatoren. Sie alle haben in der Stadt Spuren hinterlassen und ihnen wird in dem Buch zu Recht Tribut gezollt. Ehre, wem Ehre gebührt.

Anke Gollub

„Kunstszene Münster“ heißt auch die faszinierende Fotoausstellung, die zur Buchpräsentation eröffnet wurde und noch bis zum 7. April im Foyer der Bezirksregierung Münster zu sehen ist. Ausstellungsmacher Thomas Hoffmann hat sich einiges einfallen lassen, um die kleine Auswahl von großformatigen Fotos einmal ganz anders zu präsentieren als dies normalerweise in solchen Ausstellungen üblich ist. Die einfallsreiche Hängung scharft zusätzlich den Blick auf die abgelichteten Personen und die Umgebung, in die sie gestellt sind.

Ausstellungsmacher und Kurator Professor Kasper König

Ilse Wecker und Ulrich Karst begleiten die Ausstellung und sind abwechselnd vor Ort ansprechbar. Eine wundervolle Gelegenheit, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Das Buch lebt vom fotografischen Können der Fotografen, ihrem Einfallsreichtum, sowie vom exzellenten Schwarzweißdruck des Tecklenborg Verlags. Neben einer kurzen Darstellung von Lebenslauf und künstlerischer Arbeit der vorgestellten Persönlichkeiten, kommen namhafte Kenner der Szene zu Wort, die die Szene aus ihrer Sicht kommentieren. Auf die meisten dieser Texte hätte man freilich getrost verzichten können. Denn die Fotos stehen für sich und sie überzeugen allemal. Das Buch kostet nur 28 Euro!

Bezirksregierung Münster / Domplatz 1 /48143 Münster

www.ilsewecker.de

www.art-und-report.de/projekte/

 


 

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