Festjahr – Jüdisches Leben in Deutschland

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Siegen/Münster – Im bundesweiten Festjahr „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ (#2021JLID) eröffnet die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland am Sonntag, 28. Febraur 2021 die Ausstellung „Speaking Art“. Es ist eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Kultur Siegen mit der auch das thematische Veranstaltungsjahr der LWL-Kulturstiftung in Westfalen-Lippe startet. Im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit Siegen (28. Februar bis 28. März 2021) sind Kunstwerke israelischer Kinder und Jugendlicher von 1987 bis 2020 aus der Sammlung Anat und Ehud Shamai (Israel) in der Ausstellung zu sehen.

Die LWL-Kulturstiftung fördert in 2021 ein Vielzahl von Projekten, die „Jüdisches Leben in Westfalen-Lippe“ vorstellen. Das Bild zeigt eine Ausstellung „Heimatkunde – Westfälische Juden und ihre Nachbarn“ im Jüdischen Museum Westfalen, Dorsten, (November 2014 – Mai 2015). Auch diese Veranstaltung wurde von der LWL-Kulturstiftung gefördert.
Foto: Rüdiger Hornkamp

Als eines von 24 Projekten aus dem Förderschwerpunkt der LWL-Kulturstiftung, so die Mitteilung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland e.V., markiert die Ausstellungseröffnung den Beginn eines vielfältigen Veranstaltungsprogramms in Westfalen-Lippe, das sich in Konzerten, Vorträgen, Workshops, Lesungen und Performances jüdischer Geschichte und dem heutigen Leben von Jüdinnen und Juden widmet.

Ausstellung zeigt Bilder aus Israel

Über 80 Arbeiten von israelischen Kindern im Altern von 2 bis 18 Jahren hat das Künstlerpaar Anat und Ehud Shamai für diese Ausstellung zusammengestellt. Entstanden sind sie im Rahmen ihrer künstlerischen Arbeit mit Kindern und Heranwachsenden, die darüber zum Teil ihre Wege als Künstlerinnen und Künstler schon früh einschlugen. Die Ausstellung befindet sich in der Städtischen Galerie „Haus Seel“, Kornmarkt 20 in Siegen. Sie kann dienstags bis samstags in der Zeit von 14-18 Uhr und sonntags in der Zeit von 11-13 und 14-18 Uhr besucht werden, wenn es die dann gültigen Bestimmungen wieder zulassen. Digital sind die Werke während der Vernissage zu sehen. Sie findet am Sonntag, 28. Februar, ab 16 Uhr statt. Dazu spannt der Verein sein Netz von Deutschland nach Israel: So werden per Video Landrat Andreas Müller, Schirmherr der Ausstellung, Bürgermeister der Stadt Siegen Steffen Mues und Matthias Löb, LWL-Direktor und Vorstandsvorsitzender der LWL-Kulturstiftung, sprechen. Das Künstlerpaar Shamai wird aus Israel zugeschaltet sein.
Traditionell wird die Ausstellungszeit von verschiedenen Veranstaltungen begleitet. Pandemiebedingt weicht die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in diesem Jahr auf digitale Formate aus und bietet nicht nur die Vernissage, sondern auch das Konzert, die beiden Vorträge und auch die Finissage via Zoom an.

Konzert und Vorträge

Den Auftakt bildet am Sonntag, 7. März, um 16.30 Uhr das Pianokonzert mit Alexander Breitenbach aus Siegen. Der Künstler zeichnet ein Porträt von Ernst Bachrich. Dieser war ein Schüler und enger Mitarbeiter Arnold Schönbergs in Wien. Im Mai 1942 wurde er aufgrund seiner jüdischen Herkunft deportiert und im Juli desselben Jahres im Nazi-Vernichtungslager Majdanek ermordet. Damit geriet der herausragende Komponist und Pianist der Zweiten Wiener Schule ins Abseits der Musikgeschichte.
In seinem Programm möchte der Pianist Breitenbach seine faszinierenden Werke wiederentdecken und Bezüge zu seinen Zeitgenossen wie Berg, Debussy, Reger, Schönberg und weiteren Komponisten aufzeigen. Ein wichtiger Aspekt seines Schaffens ist die Beschäftigung mit Werken verfemter Komponisten, so die Information der Veranstalter.
Am Donnerstag, 18. März folgt ab 19 Uhr ein Vortrag von Dr. Jens Aspelmeier zum Thema „Erinnerung und Holocaust – Chancen, Grenzen, Grenzüberschreitungen“. Die Veranstalter erläutern dazu: Der Referent fragt danach, wie Geschichtsbilder entstehen und was das Geschichtsbewusstsein beeinflusst, welchen Zusammenhang es zwischen Politik und Geschichte gibt und welche kontroversen Formen der Erinnerungskultur dabei entstehen. Er erläutert welche Aufgabe Schulen und Geschichtswissenschaft, angesichts einer bisweilen provokanten Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, haben. Der Vortrag zeichnet Stationen und Formen einer Geschichte der Erinnerung nach und fragt anhand ausgewählter aktueller Beispiele nach einer Zukunft der Erinnerung im 21. Jahrhundert. Der Referent ist Historiker und Direktor am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung Siegen, Leiter für das Lehramt Gymnasium und Gesamtschule. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit mit dem Aktiven Museum Südwestfalen angeboten.

Der zweite Vortrag, mit dem Titel „Nie Wieder!“ schließt sich am 25. März um 19 Uhr an. Dazu berichtet die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland: Oliver Vrankovic zeigt anhand von Lebensgeschichten auf, was „Nie Wieder!“ für Israel bedeutet. Auf der Basis von Lebensgeschichten beschreibt er den Erfahrungszusammenhang zwischen der Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden und der Bedrohung Israels durch eliminatorisch gesinnte Feinde und erörtert den Umgang Israels mit dieser Bedrohung. Der Vortrag macht deutlich, wie die Erinnerung an die Shoah und das Eintreten für die Sicherheit Israels zusammengehören. Oliver Vrankovic lebt und arbeitet in Tel Aviv. Bei seiner Tätigkeit in einem Elternheim hat er häufig mit Holocaustüberlebenden zu tun. Im Rahmen der Finissage am Sonntag, 28.03., um 16 Uhr werden die Ergebnisse der Kunstworkshops präsentiert, die während der Ausstellungszeit stattgefunden haben. Kinder und Jugendliche aus Siegen-Wittgenstein und dem israelischen Partnerkreis Emek Hefer haben sich, unter der Federführung des Kreisjugendrings Siegen-Wittgenstein und in Begleitung des Künstlerehepaars Shamai, künstlerisch betätigt.

Teilnahme via Zoom möglich

Alle fünf Veranstaltungen finden via Zoom statt. Die Künstler*innen und Referenten sind jeweils dazu geschaltet. Die Teilnahme ist kostenfrei, eine Anmeldung unter cjz.siegen@t-online.de ist erforderlich. Der Einladungslink wird jeweils kurz vor der Veranstaltung versandt. Eine Anmeldebestätigung erfolgt nicht.
Da der israelische Partnerkreis Emek Hefer an allen Veranstaltungen teilnimmt werden alle Formate simultan ins Hebräische übertragen.
Detailliertere Informationen können auf der Homepage der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Siegerland abgerufen werden.

Hintergrund zum Förderschwerpunkt „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ der LWL-Kulturstiftung
Bundesweit ist 2021 zum deutsch-jüdischen Jahr ausgerufen worden: Denn seit 1.700 Jahren leben Jüdinnen und Juden nachweislich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Unter dem Titel »#2021JLID — Jüdisches Leben in Deutschland« widmen sich über 1.000 Veranstaltungen der Geschichte und dem heutigen Leben von Jüdinnen und Juden in der Republik. In Westfalen-Lippe hat die LWL-Kulturstiftung aus diesem Anlass einen Förderschwerpunkt eingerichtet, der nun 24 Kulturprojekte präsentiert. Initiator des bundesweiten Festjahres „#2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland“ ist der in Köln ansässige Verein „321 – 2021: 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“. Als dessen Partner tragen die LWL-Kulturstiftung, der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) und der Landschaftsverband Rheinland (LVR) dieses Themenjahr in die Regionen Westfalen-Lippe und Rheinland. Weitere Informationen dazu sind auf der Internetseite der LWL-Kulturstiftung veröffentlicht: https://www.lwl-kulturstiftung.de/de/2021jlid/

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