Hans Vincenz: Im Farbenrausch

Print Friendly, PDF & Email

Hans Vincenz: Auf Burg Vischering in Lüdinghausen gibt es eine neue Ausstellung, sie trägt den Titel„Im Farbenrausch“. Sie wird im Museum Burg Vischering Lüdinghausen vom 10. Juli bis zum 8. November dieses Jahres zu sehen sein. Gezeigt werden 44 Gemälde des Essener Künstlers Hans Vincenz, der zu den rheinischen Expressionisten gezählt wird. Die Gemälde sind zwischen 1933 und 1971 also in einem Zeitraum von nahezu 40 Jahren entstanden.

Hans Vincenz: Freunde vor dem See – Foto: Mick Vincenz

Die Ausstellung auf Burg Vischering wurde kuratiert von Anna Maria Katz und Dr. Jörg Bockow, einem engen Freund der Familie Vincenz. Die Arbeiten werden durch die Overhead Gallery in Münster angeboten. „Die Arbeiten sind allesamt käuflich zu erwerben“, sagt Thomas Hoffmann von der Overhead Gallery beim heutigen Pressetermin.

„Die Ausstellung auf Burg Vischering wird wegen der Corona-Pandemie leider ohne eine feierliche Vernissage mit Ansprachen und eine Einführung auskommen müssen“, erklärt Anna Maria Katz, Kulturreferentin im Kreis Coesfeld beim heutigen Pressetermin. „Die Eröffnung findet gewissermaßen im Stillen statt. Das aber sagt nichts über die Qualität der gezeigten Arbeiten. Diese sind eine Entdeckung und verdienen die Aufmerksamkeit des großen Publikums.“

Hans Vincenz: Die Kuratoren der Ausstellung Anna Maria Katz und Jörg Bockow vor einer abstrakten Arbeit von Hans Vincenz – Foto: Kreis Coesfeld/Katrin Dexheimer

Seine Arbeiten im Museum Burg Vischering betören durch ihre leuchtenden Farben. Seine Malweise atmet den Geist des rheinischen Expressionismus. Hans Vincenz (1900-1976) hat Ölgemälde, Gouachen, Collagen und Hinterglasbilder geschaffen. Darüber hinaus sind zahlreiche Holzskulpturen entstanden, die allerdings bis auf wenige Ausnahmen im vergangenen Weltkrieg nach einem Bombenangriff verbrannt sind.

Der Maler Hans Vincenz – Foto: privat

Geboren wurde der Künstler in Köln, seit 1914 lebte er in Essen. Hans Vincenz hat in mehr als 40 Jahren mehrere tausend Gemälde geschaffen. Aktuell befinden sich im Nachlass noch mehr als 3.000 Arbeiten.

Hans Vincenz: Landschaft mit See – Foto: Hans Vincenz

Eine Auswahl seines Oeuvres wird in der Einzelausstellung auf der Burg Vischering präsentiert. „Die Ausstellung zeigt die künstlerische Virtuosität und große Vielfalt: vom rheinischen Expressionismus bis hin zur abstrakten Malerei, der er sich zu Beginn der 1950er Jahre verstärkt zuwendete“, sagt Kurator Jörg Bockow. Als verbindende Klammer über das Werk lässt sich eine Bemerkung des Künstlers stellen, die sein Lebensmotto sein könnte: „Von der sinnlichen Freude des Sehens.“

„Am liebsten arbeitete Hans Vincenz mit selbsthergestellten Wachsstiften, die er auf terpentingetränkten Architektenpapieren zum Fließen brachte. Bei der Malweise und auch bei den Motiven drängen sich Vergleiche mit berühmten Malerkollegen auf. Die Faszination der Arbeiten eines August Macke ist unübersehbar“, so Jörg Bockow

Hans Vincenz war mit Erich Heckel, Helmuth Macke, Rolf Lenne, Christian Rohlfs und Werner Gilles bekannt und teilweise befreundet. Helmut Macke besuchte er in Krefeld, Erich Heckel in seinem Domizil am Bodensee.

Hans Vincenz: Rheinbrücken im Sonnenuntergang – Foto: Mick Vincenz

Als begabter Autodidakt fand er durch seine unermüdliche Arbeit zu einer eigenen Bildsprache. Vincenz hat kein Kunststudium absolviert, sondern hat bereits als Jugendlicher in der Manier seiner geliebten Vorbilder gemalt. Schritt für Schritt hat er sich dabei von seinen Vorbildern emanzipiert und zu seiner eigenen und eigentümlichen Bildwelt gefunden. „Ich habe nichts erfunden, ich habe nur gefunden“, hat er einmal zu seiner Arbeitsweise gesagt.

In einem Werkstattbericht aus dem Jahr 1960 schreibt der Künstler über seine Arbeitsweise: „Nicht in der Wiederholung, nur in den immer neu versuchten Varianten ist es möglich, dem gesuchten Ausdruck näher zu kommen. Für diese Varianten, Möglichkeiten und Absichten bleibt die Welt das Feld des Künstlers. Durch seine Augen dringt sie in ihn ein. Aus der sinnlichen Freude des Sehens erwächst die Freude am Malen und die Freude an der differenzierten Behandlung der Farbe und der Oberfläche. Sich diese Wachheit zu bewahren, ist die ungeheure Verpflichtung eines langen Lebens. Der Weg geht weiter. Was am Ende bleibt und Kunst ist, das entscheidet der strenge Richter Zeit.“

Hans Vincenz: Informelle Arbeit, Mischtechnik, 1964 – Foto: Mick Vincenz

Hans Vincenz musste von seiner künstlerischen Arbeit nicht leben. Auf Verkäufe seiner Kunstwerke war er nie angewiesen. Eine Galerie hatte er nicht nötig. Er verkaufte seine Werke, wenn er Platz im Atelier brauchte und wenn jemand unbedingt von ihm Bilder erwerben wollte. Mitunter gab er sie nur widerwillig her.

„Als Unternehmer eines kleinen Familienunternehmens in Essen leistete er sich den Luxus zu malen, ohne sich damit verdingen zu müssen. Dennoch sind viele seine Arbeiten bei den berühmten Jahresausstellungen des Essener Künstlerbundes, bei verschiedenen Präsentationen und privat direkt aus dem Atelier verkauft worden. Den größten Teil seiner Zeit verbrachte er daheim in seinem Atelier. Er beschränkte seine Anwesenheit im eigenen Betrieb auf täglich wenige Stunden, um die Geschäfte am Laufen zu halten. Unternehmerischer Ehrgeiz trieb ihn nie um“, berichtete Anna Maria Katz.

Nach dem Zweiten Weltkrieg knüpft Hans Vincenz bei den Arbeiten der 1930er Jahre an. Die Gefühlspalette, die sich hinter seinen Gemälden verbirgt ist weit gespannt. Sie umfasst alle Nuancen und Facetten der Freude und Heiterkeit, spricht von Sehnsucht und Melancholie. Hans Vincenz sagte einmal bei einer Ausstellungseröffnung über sich und seine Erfahrungen, die er in seinen Bildern verarbeitet hat: „Ich bin in Köln geboren. Die stärksten frühen Erlebnisse kommen vom Fluss, — Schiffe, Schiffe im Hafen — Gerüche von brackigem Wasser, von Teer und Hanf, und bei starkem Rheingang im Frühjahr von Kalmus, angetrieben und verfangen in die hohen Weiden, die die Ufer säumen. Die Weite der Rheinauen, Sand, Kribben, Schafhürden, weidende Schafe und am rechten Ufer über die Schiffbrücke Kirmes und Prozessionen und das alles in dem diffusen Licht der Rheinebene.“

Hans Vincenz: Landschaft, Mischtechnik, 1962 – Foto: Mick Vincenz

Standen seine Arbeiten bis zum Zweiten Weltkrieg unter dem Einfluss der deutschen Klassik und des Expressionismus, so wendet er sich nach dem Krieg verstärkt der abstrakten, informellen Malerei zu.

„Bemerkenswert sind seine Collagen, in denen er Japanpapiere, Stofffetzen, Sackleinen, Blätter und Fundstücke aus der Natur in pastoser Farbe versenkt und verarbeitet hat“, machte Jörg Bockow beim Pressetermin auf einige der Collagen aufmerksam.

Vincenz machte nicht viel Aufhebens von seiner Kunst. Trotz zahlreicher Ausstellungen blieb er immer auf dem Teppich. Er lehnte es auch strikt ab, über Sinn und Wesen seiner Kunst zu sprechen, für ihn nämlich sind seine Bilder nicht gemalte Philosophie: Er sagt: „Die dem Maler gemäße Sprache muss sich der Mittel seines Metiers bedienen.“ Basta. Das muss als Erklärung reichen.

Die Liste der Häuser, die ihn von 1928 bis 1970 in Einzelausstellungen präsentiert haben, ist beeindruckend. Mehrfach stellt er im Museum Folkwang in Essen aus, dessen Direktor Paul Vogt über Hans Vincenz schreibt: „Wir sehen in diesen Bildern die Frucht der Erfahrung vergangener Jahre, die Sicherheit und die ungebrochene Kraft des Strebenden, der sich unermüdlich weiter formt.“

Ausgestellt wurde Hans Vincenz unter anderem auch im Museum Mülheim, in der Galerie Moderne Kunst in Bonn, im Museum am Ostwall in Dortmund, im Kölnischen Kunstverein, im Essener Forum und jenseits des großen Teiches im Museum of Fine Arts in Dallas. Bei Gruppenausstellungen war er mit Arbeiten mehrfach in der Kunsthalle Düsseldorf, im Kaiser-Wilhelm-Museum in Krefeld und sogar in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München vertreten.

Ausstellungsort: Burg Vischering, Berenbrock 1, 59348 Lüdinghausen

Laufzeit: Fr, 10. Juli 2020 – So, 08. November 2020

Öffnungszeiten: Di – So 10:00 bis 18:00 Uhr

www.burg-vischering.de 

Speak Your Mind

*