Kiepenkerl-Blog: Glaube in der Medizin

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Physiker und Geologen sind sich sicher, dass der Glaube keine Berge versetzen kann. Allerdings können die übersinnlichen Kräfte des Glaubens ein Placebo zum Heilmittel machen. Das ist in medizinischen Studien vielfach bewiesen. Ein Placebo (lat. für „ich werde gefallen“) oder Scheinmedikament ist ein Heilmittel, das keinen Arzneistoff enthält und damit auch keine pharmakologische Wirkung entwickeln kann. Die Wirkung von Placebos wird ausschließlich auf psychosozialen Mechanismen zurückgeführt. Wegen der seelischen oder okkulten Wirkung setzen auch Ärzte in schulmedizinischen Behandlungen gelegentlich Placebos ein. Deren Wirkungen werden als Placebo-Effekt bezeichnet.

Glaube

Foto Pixabay

Homöopathie hat keine signifikanten Vorteile gegenüber Placebos, denn in beiden Fällen spielt der Glaube die entscheidende Rolle. Ein homöopathisches Heilmittel gilt als wirksamer, je stärker die Urtinktur verdünnt ist. Die Verdünnungs-Potenzen (D1 bis D30) geben die Flüssigkeitsmenge pro Tropfen Urtinktur an:

D1: 1 : 10

D6: 1 : 1.000.000 = kleine Mülltonne: Häufigste der niedrigen Potenzen

D12: 1 : 1.000.000.000 = 25 große Schwimmbecken: Beliebteste Niedrigpotenz

D30: 1: 1 Quintillion (30 Nullen) = 50 Erdvolumen

In einer Einnahmeflasche D30 sind kaum noch Atome messbar.

Kritiker empfehlen deshalb die löffelweise Einnahme von

Leitungswasser statt D30.

Die bekannteste Darreichungsform der homöopathischen Arzneien sind Globuli-Zuckerkügelchen.

Der homöopathische Zauber beruht unter anderem auf einem ausgiebigen Erstgespräch mit dem Homöopathen, in dem der Patient aus seinem Leben und von seinen Sorgen erzählt. Der Homöopath hört emphatisch zu und macht sich ein umfassendes Bild. Die Placebo-Wirkung wird verstärkt durch die empathische Atmosphäre und den Glauben, dass Globuli oder Tinkturen helfen. Placebos funktionieren umso besser, je mehr Kontakte mit dem Arzt oder dem Therapeuten stattfinden.

Die Erfahrungen von Homöopathie-Patienten entsprechen nicht der Lebenswirklichkeit, denn sie reichen über die Grenzen von Faktenwissen hinaus. Das gilt auch für die „Traditionelle Chinesische Medizin“, die Krankheiten auf Störungen der menschlichen Lebensenergie zurückführt.

Weil wissenschaftliche Studien fehlen, werden homöopathische Leistungen nicht automatisch von den Kassen übernommen. Doch auf Antrag erstatten die meisten gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Behandlung durch einem Vertragsarzt.

Von der Homöopathie abzugrenzen ist die Naturheilkunde, die neben Entspannungs- oder Bewegungstherapien vor allem pflanzlich basierte Medikamente mit materiellen Wirkstoffen verordnet. Besonders ausgebildete Ärzte setzen Homöopathie und Naturheilkunde als Ergänzung zur Schulmedizin ein.

Im täglichen Leben ist der Glaube allgegenwärtig: Wer in einen Bus steigt, um ein Ziel zu erreichen, glaubt, dass der Fahrer das Fahrzeug beherrscht und das Ziel kennt. Wer Essen in eine Gaststätte bestellt, glaubt, dass der Koch ein wohlschmeckendes Gericht zubereitet. Wer ins Theater geht, glaubt, dass die Darsteller die Texte und das Orchester die Noten beherrschen. Wer sich operieren lässt, glaubt, dass der Chirurg ein Fachmann ist. Eheleute glauben bei der Hochzeit, dass sie sich unbedingt vertrauen können – tatsächlich wissen sie es aber erst später.

In der Umgangssprache wird „glauben“ meist im Sinne von vermuten, erwarten, meinen oder für wahr halten gebraucht. Dann besteht eine dynamische Beziehung zum Unterbewusstsein, in dem Gefühle, Wünsche, Vorstellungen und Ideen verarbeitet werden, die durch den Glauben im Bewusstsein ankommen. In täglichen Leben wird glauben gleichgesetzt mit: vertrauen auf …, sich verlassen auf …, sich richten nach… oder offensein für …

Der Glaube gilt als positive Kraft, die den menschlichen Geist dazu bewegt, Dinge optimistisch zu sehen.

Das Gegenteil vom Placebo-Effekt „ich werden gefallen“ ist der Nacebo-Effekt „ich werde schaden“ (lat. von nocere = schaden). Als Nacebo-Effekt wird die nachhaltige Wirkung von Einflüssen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden ohne medizinischen oder naturwissenschaftlichen Nachweis beschrieben. Die Betroffenen beklagen meist Nebenwirkungen von Erkrankungen, denen ein hoher Grad an psychosomatischen Ursachen zugeschrieben wird. So ist das Phänomen des Nacebo-Effekts u.a. von der individuellen Veranlagung, therapeutischen Ritualen oder der Erwartungshaltung des Patienten abhängig. Wenn ein Orthopäde beispielweise sagt: Sie sind austherapiert, ich kann nichts mehr für Sie tun, Sie werden immer Schmerzen haben, dann hat der dadurch gefestigte Glaube nachhaltig einen negativen Einfluss auf den weiteren Schmerzverlauf. Auch wer Beipackzettel von Medikamenten liest, verspürt nachweislich mehr Nebenwirkungen.

Im Gegensatz zum Glauben setzt das Wissen auf die Kenntnis von Fakten. Qualifiziertes Wissen definiert sich durch nachweisbare Ansichten, die auf Begriffe wie Überzeugung und Glaube verzichtet.

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