Offen und transparent

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Pelz ist bis heute ein heikles Thema, das Tierschützer auf den Plan ruft. „Was tun?“ dachte sich Kürschnerin Maya Schleuter – und verlegte gemeinsam mit ihren Eltern Jochen und Ute Schleuter, Betreiber von „Wolff 1782“ in der Hagener Innenstadt, die Pelzwerkstatt, vom ersten Stock in den Laden – Transparenz, die hilft, das Thema frei von Emotionen anzugehen.

Offen und transparent: Der Einblick in die neue Kürschner-Werkstatt; Foto : Wolff 1782

Wir haben hier nichts zu verbergen“, stellt die 30-jährige Kürschnerin klar. „Jeder, der will, kann uns bei der Arbeit zusehen und auch Fragen stellen. Das dürfen durchaus kritische sein.“ Will heißen: Der Blick in die 80 Quadratmeter große Kürschnerwerkstatt soll auch Skeptikern den Blick schärfen, denn: In Sachen Pelz wird so manches Vorurteil verbreitet, was schlicht und ergreifend nicht den Tatsachen entspricht. So gibt es etwa im Hause Wolff keine Pelze von Zuchttieren. Es werden ausschließlich Felle aus Überpopulationen verarbeitet, Felle von Tieren, die von Jägern geschossen werden, um das natürliche Gleichgewicht im Wald in der Balance zu halten.

Heute werden in Deutschland etwa 600.000 Rotfüchse jährlich erlegt, dazu etliche tausende Marder, Bisams und Waschbären. „Deren Felle wurden leider oft einfach nur verscharrt oder verbrannt“, macht Jochen Schleuter, selbst Kürschnermeister, deutlich. Um dies zu vermeiden, werden heute Jäger stärker für die Nutzung des wertvollen Fellmaterials sensibilisiert und es wurden Sammelstellen eingerichtet. Die so gesammelten Felle werden dann im Zentralverband des Kürschnerhandwerks zusammengeschlossenen Kürschnern zum Kauf angeboten. „Wolff 1782“ ist selbstredend Mitglied des Zentralverbandes, in dem deutschlandweit etwa 100 Kürschner organisiert sind. Weitere Felle wie Lamm und Kaninchen kommen aus der Lebensmittelindustrie.

Ute Grünwald-Schleuter, Maya Schleuter und Jochen Schleuter setzen auf Pelz – und Nachhaltigkeit; Foto: Wolff 1782

Maya Schleuter, die vor fünf Jahren in den elterlichen Betrieb eingestiegen ist, ist sicher, dass Transparenz und Nachhaltigkeit dafür sorgen werden, Pelze in ein anderes, realitätsnahes Bild zu rücken. „Auch die Jugend trägt durchaus Pelz“, hat Jochen Schleuter beobachtet – wie sich auch immer häufiger Kundinnen und Kunden mit „Erbstücken“ melden und mit der Frage: „Was machen wir mit dem alten Nerzmantel?“ In der Kürschnerwerkstatt werden Erbstücke zu stylischen Mänteln umgearbeitet – was selbstredend nicht gerade preiswert, aber seinen Preis wert ist: Für die Umarbeitung eines Kleidungsstückes kalkulieren die Hagener Pelzexperten mit etwa 30 Arbeitsstunden, „doch das lohnt sich“, ist Maya Schleuter sicher, denn: „Pelz ist extrem langlebig. So hält ein Nerzmantel, wenn man ihn vor Feuchtigkeit und Motten schützt, ein halbes Jahrhundert. Da lohnt sich schon das Umarbeiten. Und auch ein Kleidungsstück aus Rotfuchs tut mindestens 20 Jahre seine guten Dienste.“

„Wolff 1782“ setzt deshalb zum einen auf nachhaltige Produkte junger modischer Start-ups, denn „Nachhaltigkeit ist heute kein Trend mehr, sondern der Zeitgeist“, wie Jochen Schleuter formuliert. Zum anderen auf die offene Pelzwerkstatt, in der vier Kürschner, ein Kürschner-Azubi und eine Schneiderin arbeiten – und damit auf Offenheit und Transparenz. All dies zusammen nimmt so manchem voreingenommenem Skeptiker nachhaltig den Wind aus den Segeln…

Wolff 1782, Elberfelderstr. 32, 58095 Hagen, Öffnungszeiten Mo-Fr 10:00-19:00 Uhr, Sa 10:00-18:00 Uhr, Tel. 02331/31333, www.wolff-1782.com

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