Die bunte Welt des Karl Bungert

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Münster – Sie sind knallbunt und von einer witzigen und charmanten Naivität. Die Gemälde von Karl Bungert zaubern einem schnell ein Lächeln ins Gesicht, dabei sind sie bei näherem Betrachten so scharf zugespitzt und treffsicher wie Karikaturen. Die Galerie Hachmeister zeigt ab 24. Mai eine Ausstellung mit Bildern dieses “Outsiders”.

Arbeit von Karl Bungert zu sehen in der Galerie Hachmeister – Foto: Galerie Hachmeister

Karl Bungert (1928 – 1979) war sicherlich ein Outsider, sowohl gesellschaftlich, als auch als Künstler. In Düsseldorf geboren und in Münster-Wolbeck aufgewachsen, studierte er nach dem Gymnasium drei Jahre Theologie und Philologie. Dann arbeitete er auf dem Bau, in Fabriken, als Gärtner. An der Werkkunstschule in Darmstadt hielt er es genau vier Wochen aus, überwarf sich mit dem Direktor. Ein befreundetes Künstlerehepaar, das lange am Bauhaus Weimar tätig war, führten ihn in die moderne Kunst ein. Im Alter von 36 Jahren bekam Bungert, der mal in Amsterdam, dann in Berlin und wieder in Amsterdam lebte, seine erste Ausstellung in Münster in der Galerie Clasing. Harmlose, fast naive Aquarelle und Zeichnungen wurden dort präsentiert, die aber schon sein Farb“gewitter“andeuten und die gedrängt massive Vielfigurigkeit.

Arbeit von Karl Bungert zu sehen in der Galerie Hachmeister – Foto: Galerie Hachmeister

Zu seinem Vater als auch zu seinem Bruder, beide im Gartenbau in Wolbeck selbstständig tätig,  pflegte er ein fast liebevolles Verhältnis, wie zahlreiche Kunstwerke beweisen, die er ihnen widmete: gemalte Parkanlagen mit einer phantasievollen Pflanzenwelt und Insekten schickte er ihnen aus seinen bevorzugten Aufenthaltsorten Amsterdam und Antwerpen, wohl wissend, dass sein jetzt eigentliches Hauptwerk zumindest bei seinem Vater wohl eher zu Irritationen führte, während sein Bruder den Großteil seines Werkes sorgfältig archivierte.

Arbeit von Karl Bungert zu sehen in der Galerie Hachmeister – Foto: Galerie Hachmeister

Der Alltag in Antwerpen, die Industrialisierung, der potentielle Konflikt von Mensch und Maschine wurde zu seinem Thema, und dann vor allem die häßliche Seite des Großstadtlebens und hier besonders  des Nachtlebens. Käuflicher Sex, Messerstechereien, Taschendiebe, Zuhälter, wohlsituierte Damen und Herren, die das Vergnügen suchten und dazwischen die Polizei und Richter, die für Ordnung sorgen sollten. Dieses Sittenbild erinnert thematisch an die Kunst von George Grosz, der die bittere Zeit und  das schale Vergnügen nach dem 1. Weltkrieg mit veristischen Mitteln schildert. Aber in den 1960er/70er Jahren zu Bungerts Schaffenszeiten erlebt gerade die Pop Art ihren Höhepunkt und beeinflusste rein formal in zweierlei Hinsicht Bungerts Werk.

Zum einen setzt er kräftige, reine Farben ein, die er ummantelt mit schwarzen breiten Linien . Es entstehen Figuren, die wie ein Puzzle zusammengesetzt wirken. Plakativ, ohne den Versuch, sie dreidimensional erscheinen zu lassen, entstehen so Typen, die leicht zu erfassen sind, wenn man eigene Vorurteile mit einbringt. Der dicke Boss, Schlips und Anzugjacke, mit der Zigarre im Mund, die Richter mit den großen Brillen, der Industriearbeiter, dessen Kopf auf einem Maschinenteil sitzt.  Es sind keine Piktogramme, denn sie deuten Bewegung an.

Die Striptease-Tänzerin legt einen wilden Tanz aufs Parkett, sodass sie uns mit drei Brüsten und drei Beinen ausgestattet scheint. Der Boss mit der Zigarre pafft Ringe vor sich hin, ein Uniformierter rennt mit vervielfältigten, schwingenden Armen und Beinen, dreht dabei seinen Kopf nach links und rechts. Diese Typen erscheinen uns als surreale Figuren in der Momentaufnahme ihres Bemühens. Gemessen an der zur gleichen Zeit geschaffenen, viel eleganteren und gesellschaftsfähigeren Werke der Pop-Art-Größen wie Tom Wesselmann oder Alex Katz besitzt  dieses gemalte Personal von Karl Bungert allerdings eine überragende Präsenz .

Karl Bungert darf aufgrund seiner Bildfindungen und Farbkraft als außergewöhnlicher Künstler gelten, dem man aber zu Lebzeiten eher ablehnend gegenüberstand.  Die Resonanz war äußerst mäßig, kleine Ausstellungen in einer Beatnik-Kneipe 1968 in Antwerpen und in einer  Kleintheater-Kneipe 1969 in Breda/Niederlande, das war es. Die typische, vom Publikum fast herbeigesehnte, tragisch-romantische Karriere eines Verkannten.

Doch 1972 wurde er von wichtigen Museen entdeckt. Der damalige Direktor der Kunsthalle Köln, Dr. Leppien, wagt eine Bungert-Ausstellung. Und eines der wichtigsten Museen in Europa, das  Stedelijk-Museum in Amsterdam, zeigt sein umstrittenes Werk in einer Einzelausstellung wenig später. Zwei Jahre danach dann die Städtische Galerie Schloss Oberhausen und vor genau 10 Jahren organisierte die belgische Verbeke Foundation eine Retrospektive.  Jetzt betreut Heiner Hachmeister in Münster den Nachlass von Karl Bungert.

Eröffnung am Freitag, 24. Mai 2019  ab 19 Uhr

Karl Bungert – Outsider    25. Mai  – 20. Juli 2019

Öffnungszeiten  Di – Fr  14 – 18  Sa 11 – 14 Uhr

Hachmeister Galerie /  Klosterstr. 12  / 48143 Münster

 

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