Gang durchs Westpreußische Landesmuseum

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Warendorf – Am kommenden Sonntag, findet um 15.00 Uhr im Westpreußischen Landesmuseum, im ehemaligen Franziskanerkloster in Warendorf, Klosterstraße 21, eine öffentliche Führung statt.

Durch kompetente Museumsführer werden Geschichte, Kultur, Land und Leute der deutsch-polnischen Kulturregion am Unterlauf der Weichsel vorgestellt und über zahlreiche Exponate beschrieben und erklärt.

Marienburg-Modell – Foto: Westpreußisches Landesmuseum / Pressefoto

Zur Führung gehört abschließend auch eine Besichtigung der Kirche des ehemaligen Franziskanerklosters mit Erläuterungen über die von 1628 bis 2008 in der Stadt lebenden Patres.

Die Führung dauert etwa eine Stunde und kostet pro Person 2,50 Euro zuzüglich zum Eintrittspreis von 4,00 Euro.

Nach der Führung ist ein Verbleiben im Museum zum Vertiefen der Eindrücke und der Besuch der Aktuellen Sonderausstellung “Vergessen Sie uns nicht” möglich.

Julie Wolfthorn, deren Leben und Werk mit dieser Ausstellung gewürdigt werden soll, zählt zu den vergessenen Künstlerinnen.

Julie Wolf – so der Geburtsname – wurde 1864 im westpreußischen Thorn, dem heutigen Toruń, geboren. Etwa 1890 begann sie mit einer künstlerischen Ausbildung in Berlin und München und setzte ihr Studium dann in Paris fort. Bereits während der Ausbildung unternahm Julie Wolfthorn Studienreisen und arbeitete unter anderem in den Künstlerkolonien Dachau und Worpswede. In den späten 1890er Jahren kamen Aufenthalte in der französischen Künstlerkolonie Grez-sur-Loing hinzu.

Es gelang Julie Wolfthorn, sich erfolgreich als Malerin in Berlin zu etablieren. Es war eine Zeit, in der Frauen begannen, die konservativen Rollenzuweisungen in Frage zu stellen und gleichzeitig die absurden Vorurteile zeitgenössischer Kunstkritik gegenüber weiblicher Kreativität zu widerlegen. Julie Wolfthorn war Teil eines Netzwerkes künstlerisch und gesellschaftlich aktiver Frauen. Durch ihr unermüdliches Engagement trug die Malerin schließlich auch zur Anerkennung der professionellen Kunstausübung von Frauen bei. Neben ihrer künstlerischen Tätigkeit setzte sich die Malerin vehement für die Zulassung von Frauen zum Studium an den öffentlichen Kunstakademien ein. Sie war Mitglied in verschiedenen Frauenkunst- bzw. -kulturvereinen und gründete unter anderem gemeinsam mit Käthe Kollwitz 1906 die Ausstellungsgemeinschaft »Verbindung Bildender Künstlerinnen Berlin-München«.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde Julie Wolfthorn aufgrund ihrer jüdischen Herkunft aus nahezu allen Vereinigungen ausgeschlossen, erhielt Publikationsverbot und durfte nur noch im Rahmen des »Jüdischen Kulturbundes« und anderer jüdischer Institutionen ausstellen. Für die Künstlerin wurde es fast unmöglich, Aufträge zu erhalten. Ihre Bemühungen um ein Visum für eine Ausreise in die USA scheiterten.

1942, einige Tage vor ihrer Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt, schrieb sie an den Freund Carl Eeg: »Heute sende ich Ihnen den letzten Gruß. Wir warten hier auf d. Abtransport nach Theresienst. u. sind beinah zufrieden, endlich d. Ungewissheit los zu sein. Vergessen Sie uns nicht.« (Postkarte vom 17.10.1942).

Am 28. Oktober 1942 wurde Julie Wolfthorn mit dem Transport I/72 von Berlin nach Theresienstadt gebracht. Sie überlebte zwei Jahre in Haft und starb krank und entkräftet aufgrund der Mangelernährung und der unzureichenden gesundheitlichen und hygienischen Bedingungen am 29. Dezember 1944.

Julie Wolfthorn zählt zu den rund 35000 Menschen, die in Theresienstadt ermordet wurden.

Westpreußisches Landesmuseum / Klosterstraße 21 / 48231 Warendorf

Telefon 02581-927770

www.westpreussisches-landesmuseum.de


 

 


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