Kiepenkerl-Blog: Ernsting’s Family setzt in New York neue Maßstäbe

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Was hat Ernsting‘s Family mit der New Yorker U-Bahn zu tun? Ganz einfach: Der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava Valls stellte 2016 eine U-Bahn-Station in New York fertig und entwarf 1983 das Vertriebs- und Servicecenter für Ernsting‘s Family in Coesfeld. Größer könnte der Kontrast nicht sein. Während die Coesfelder Warenhauskette für bezahlbare Kleidung bekannt ist, sind die Kosten am Hudson River ausgeufert.

Die Idee der New Yorker Stadtväter, die Gleise der Subway eines Tages von Harlem über 14 Kilometer bis an die Südspitze von Manhattan zu verlängern, stammt aus dem Jahr 1929. Die konkrete Planung dauerte 40 Jahre und die Realisierung für drei Stationen zog sich 12 Jahre hin. Am Ende wird das Projekt nach heutigem Geldwert teurer als der 82 Kilometer lange Panamakanal bei seiner Inbetriebnahme. Allein die jetzt fertig gestellten drei Stationen an der Upper East Side kosteten zusammen mit dem drei Kilometer langen Tunnel 4,4 Milliarden Dollar.

Davon verschlang der „Oculus“ (Das Auge), die Station am Ground Zero, allein 3,85 Milliarden Dollar. Eigentlich sollte der Umsteigebahnhof für U-Bahnen und Regionalzüge bereits vor zehn Jahren fertig sein und zwei Milliarden Dollar weniger kosten. Doch immerhin ist Calatravas Dinosaurier mit seiner 111 Meter langen und 49 Meter hohen Stahlrippen-Halle der drittgrößte Verkehrsknotenpunkt der Stadt. Auch in New York gingen die Stadtväter davon aus, dass das symbolisch wichtige Bauwerk der Gesellschaft letztlich die Investitionssumme wert ist. Doch das Wehgeschrei über die explodierenden Kosten hat nicht etwa buchhalterisch-kleingeistige Ursachen, es ist eine Klage darüber, dass das Geld leichtfertig ausgegeben wurde und an anderen Stellen für wichtige Projekte fehlt.

Ein New Yorker Kolumnist ächzte: Von all den Fehlern, die beim Wiederaufbau des World Trade Centers gemacht wurden, sei die U-Bahnstation der Schlimmste: „Es handelt sich um den obszönsten und überteuertsten Umsteigebahnhof der Welt.“ Calatrava-Fans dürften das anders sehen, denn das Bauwerk ist durchaus spektakulär. Trotzdem fragte sich ein Besucher aus London, was da beim Budget schief gelaufen sei. Er kam zu dem Ergebnis: „Wir wären früher für solche Fehler erschossen worden.“

Seit Errichtung der Protzbauten für den Gröfaz (Größten Feldherrn aller Zeiten) sind Erschießungen in Deutschland aus der Mode gekommen. Ein Glück, denn der BER-Flughafen, die Elbphilharmonie und Stuttgart 21 sind kostenmäßig und vom Zeitplan völlig aus dem Ruder gelaufen. Schlimm an den enormen Kostenüberschreitungen ist, dass die Initiatoren die Projekte wissentlich viel zu günstig veranschlagt haben, weil sie sonst von den Gremien nicht genehmigt worden wären. Um die spätere Finanzlücke zu schließen, werden die fehlenden Mittel kurzerhand nachbewilligt oder bei anderen Haushaltspositionen gekürzt. Von den Terminüberschreitungen und dem entgangenen Nutzen ganz zu schweigen. Die heute bei Großprojekten üblichen Zeitverzögerungen wären zwischen 1938 und 1945 ein Segen gewesen – dann hätte der Nachschubmangel den Krieg frühzeitig beendet.

Das Vertriebs- und Servicezentrum von Ernsting’s Family wurde im vorgegebenen Kosten- und Zeitrahmen realisiert. Mittelständische Unternehmer gehen schließlich sparsam mit ihrem Geld um.


 

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