Kunstmesse ART KAMEN begeistert Besucher

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Kamen – An bekannten Namen herrscht beileibe kein Mangel. Die Organisatoren der ART Kamen haben ganze Arbeit geleistet. Die feine Kunstmesse im westfälischen Kamen findet zum neunten Mal vom 1. bis zum 3. Oktober in der Stadthalle Kamen statt. Eröffnet wurde sie am Samstag durch den Bürgermeister der Stadt Kamen Hermann Hupe und Organisator Reimund Kasper. Die Vernissage leitete der Publizist Dr. Jörg Bockow aus Münster ein. Die Pianistin Margarita Feinstein hat die Eröffnung musikalisch begleitet.

Bürgermeister Herman Hupe, Festredner Dr. Jörg Bockow und Organisator Reimund Kasper bei der Vernissage. - Fotos: Reflex Kamen

Bürgermeister Hermann Hupe, Festredner Dr. Jörg Bockow und Organisator Reimund Kasper bei der Vernissage am 1. Oktober in der Stadthalle Kamen. – Fotos: Timo Kasper /Reflex Kamen

Die ART KAMEN hat sich im neunten Jahr ihres Bestehens zu einem Kunst-Event und Branchentreff erster Güte entwickelt. Der Besuch an den ersten beiden Messetagen waren ausgesprochen gut. Auch für den dritten Messetag am Montag den 3. Oktober rechnen die Veranstalter noch einmal mit sehr vielen Kunstinteressierten, die sich auf der Messe einen Überblick über die neuesten Tendenzen in der Kunstwelt verschaffen wollen. Die Veranstaltung ist von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist übrigens frei.

In der Stadthalle sind 70 Kunstschaffende aus den Bereichen Malerei, Grafik, Illustration, Bildhauerei, Plastik, Objektkunst, Fotografie, Lichtdesign und Produktdesign vertreten. Ausgewählt hat die Fachjury die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler aus rund 300 Bewerbungen, die in diesem Jahr eingegangen sind.

Mit einer Vernissage wurde die Kunstmesse feierlich eröffnet.

Mit einer Vernissage wurde die Kunstmesse feierlich eröffnet.

Selbstredend, dass vor allem Kunstschaffende aus der Region diese Plattform nutzen, um sich bekannt zu machen. Außerdem sind Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland, von Ingolstadt über Stuttgart bis Wolfsburg und Stelle im Norden vertreten. Selbst im Ausland hat sich offenbar herumgesprochen, dass die ART KAMEN eine attraktive Messe ist. In diesem Jahr sind Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz, aus Polen, aus den Niederlanden, aus Russland, Mazedonien und sogar aus Island angereist, um ihre neuesten Arbeiten vorzustellen und zum Kauf anzubieten.

Jörg Bockow empfahl den Besuchern, sich beim Rundgang viel Zeit zu nehmen, um die Kunstwerke auf sich wirken zu lassen und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

Jörg Bockow empfahl den Besuchern, sich beim Rundgang viel Zeit zu nehmen, um die Kunstwerke auf sich wirken zu lassen und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

„Besonders erfreulich finde ich“, hob Festredner Jörg Bockow bei seiner Ansprache hervor, „dass die Zahl der ausstellenden Künstlerinnen so groß ist. Wenn ich es richtig gezählt habe, dann sind auf der ART Kamen 30 bildende Künstlerinnen vertreten und damit ist ihr Anteil auffallend höher als ansonsten in der von Männern dominierten Welt der Kunstmessen. Auch finde ich es bemerkenswert und erfreulich, dass Sie einer Reihe von jungen Künstlerinnen und Künstlern hier eine Plattform geben, sich einem größeren Publikum vorzustellen. Das ist nicht selbstverständlich, in einer Welt, die ja auch von Wettbewerb und Konkurrenz bestimmt ist.“

Die Zahl der Kunstwerke, die auf der ART KAMEN vorgestellt werden, dürften mehrere Hundert groß sein. Selbst wer sich bei einem schnellen Rundgang nur einen groben Überblick verschaffen will, dürfte am Ende fast schwindlig sein, so viele Eindrücke, Positionen, Kunststile und Arbeitsweisen sind hier versammelt. „Wichtig erscheint mir, dass die Auswahlkommission, die die Zusammenstellung und ihre Mischung verantwortet, nicht nur auf die hervorragende Qualität, sondern auch auf die Bandbreite der Positionen geachtet hat“, sagte Jörg Bockow.

An den Messeständen herrschte reger Betrieb vor. Es kam zu einem intensiven Austausch mit den vertretenen Künstlerinnen und Künstlern.

An den Messeständen herrschte reger Betrieb vor. Es kam zu einem intensiven Austausch mit den vertretenen Künstlerinnen und Künstlern.

„Meine Damen und Herren, die Zahl der Künsterlinnen und Künstler sowie die Zahl der Kunstwerke wirft unweigerlich die Frage auf, wie kann man sich bei einer solchen Fülle überhaupt einen Überblick verschaffen? Wie kann man sich entscheiden, was man erwerben sollte? Ein Sammler sieht möglicherweise vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr?!

Die Fülle, die einerseits als Argument für eine solche Kunstmesse dient, ist zugleich ihr größtes Handicap: Aus Erfahrung weiß ich, dass man leicht verführt ist, sich sehr schnell einen Überblick zu verschaffen und dabei weder dem einzelnen Kunstwerk noch den Künstlern gerecht werden kann. Wir selektieren nach dem ersten Augenschein, lassen vielleicht unsere leeren Wände in der Wohnung und im Büro vor unserem inneren Auge ablaufen und entscheiden im Sekundentakt: Passt nicht, könnte passen, gefällt mir nicht oder gefällt mir. Es sind sehr oberflächliche Kriterien, die zur Anwendung kommen.

Vor einigen Tagen hatte ich die Gelegenheit, ein längeres Interview mit einem der bedeutendsten Kunstsammler in Deutschland zu führen. Es war höchst inspirierend. Ich habe ihn danach gefragt, nach welchen Kriterien er seine Entscheidungen zu untermauern versucht.

Der Andrang bei der Vernissage war groß.

Der Andrang bei der Vernissage war groß.

Für seine Kauf-Entscheidung hat er sich mit Hilfe renommierter Kunsthistoriker ein inneres Koordinatensystem zurechtgelegt, das neben seiner ersten Entscheidung, ob ein Kunstwerk überhaupt in seine Sammlung passt und diese ergänzt, eine wichtige Hilfestellung ist. Ich will Ihnen dieses in aller Kürze vorstellen, um sie zu ermuntern, einmal diese Kriterien bei Ihrem Rundgang zu Rate zu ziehen. Es ist ein Vorschlag.

Auf der Suche nach ‚Guter Kunst‘ zieht unser Sammler die folgenden Kriterien heran: ‚Handwerkliches Können‘, ‚Schönheit‘, ‚Kunstwollen‘, ‚Innovation‘ und zum Schluss die ‚Diskussionswürdigkeit‘.

Bei den ersten beiden Kriterien kommen wir vermutlich leicht zu einem Konsens. Sie sind allgemein verbreitet. Schnell sehen wir beispielsweise, ob jemand mit dem Material, das er benutzt – mit Farbe und Pinsel, mit Blei oder Buntstift, mit Hammer und Meißel – virtuos umgehen kann oder ob es Brüche gibt, die darauf hinweisen, dass der Künstler seine Fähigkeiten und Möglichkeiten überschätzt hat.

Bei der Ästhetik legen wir eigene Erfahrungswerte an und vergleichen Gestaltung, Proportionen und dergleichen mit den Werken, die im gleichen Genre bereits existieren. Wie viel Lust wird dem Auge gewährt?! Es ist gewissermaßen eine subjektive aber empirisch untermauerte Prüfung, die weniger mit der Behauptung zu tun hat: ‚Die Schönheit liegt allein im Auge des Betrachters‘ als mit dem subjektiven Empfinden, das auf allgemeiner Erfahrung aufbaut. Nur, wer sich intensiv mit Kunst beschäftigt, wird hier zu überprüfbaren Urteilen kommen.

Neben 70 Künstlern und einige Galerien war auch die Otmar-Alt-Stiftung aus Hamm mit drei ihrer Stipendiaten vertreten.

Neben 70 Künstlern und einige Galerien war auch die Otmar-Alt-Stiftung aus Hamm mit drei ihrer Stipendiaten vertreten.

Schwieriger wird es bei dem nun folgenden Stichwort. ‚Kunstwollen‘ beschreibt ein Phänomen, das sich nur schwer begrifflich fassen lässt, obwohl es die Grundlage eines jeden Kunstwerkes darstellt. Es meint den Formtrieb des Menschen also das, was die Künstlerin oder Künstler anregt und bewegt, sich überhaupt künstlerisch zu betätigen. Wir suchen also unter dem Stichwort ‚Kunstwollen‘ den ureigenen persönlichen Antrieb und das individuelle Motiv, das sich in einem Kunstwerk zeigt. Warum äußert sich jemand als Künstler – und nicht anders.

Bei der ‚Innovation‘ wird es schon wieder griffiger. Darunter kann man alles fassen, das es so und in dieser Form noch nicht gegeben hat. Ein neuer Stil, eine überraschende Perspektive. Etwas Neues erschaffen, eine Idee formulieren, die bisher unbekannt war. Einen Gedanken denken, der bisher nicht gedacht war. Kunst weist über uns und unsere aktuellen Überzeugungen hinaus. Mitunter auch, ohne dass sich der Künstler dessen wirklich bewusst ist.

Kommen wir zum Stichwort ‚Diskussionswürdigkeit‘. In der zeitgenössischen Kunsttheorie gilt die Diskussionswürdigkeit als Königskriterium guter Kunst. Es stellt sich die Frage: In welchem Maße leistet ein Kunstwerk heute – oder bei alten Kunstwerken zu seiner Zeit – einen mehr oder weniger relevanten Beitrag zu gesellschaftlichen Fragen. Diskussionswürdigkeit kann sich dabei sowohl aus der aktuellen Bedeutung von Themen ergeben wie auch aus deren Überzeitlichkeit. Was, so fragt sich ein Künstler, meint Mitmenschlichkeit, was Barmherzigkeit, was Liebe und der Frieden. Sie sehen, damit sind wir mitten in einer politischen Diskussion, bei der es um Überzeugungen und Glauben geht. Lösungen sollten wir allerdings vom Künstler nicht verlangen. Es sind seine seismographischen Fähigkeiten, die hier zum Ausdruck kommen. Auch hier mitunter ohne dass der Künstler selber spürt, wo Widersprüche vorliegen oder sich etwas im Argen befindet. Schon Immanuel Kant wusste, dass der Ausweis der Klugheit darin besteht, die richtigen Fragen zu stellen. Denn nur diese führten auch zu vernünftigen Antworten. So auch verhält es sich mit den Vorausahnungen der Künstler.

Die Vielseitigkeit der in Kamen gezeigten Stile und Techniken lebt von der hohen Professionalität des Handwerks, ganz gleich ob da Bildhauer am Werke waren, gemalt, gezeichnet, illustriert, fotografiert oder mit einer Tattoopistole gestochen wurde.

Was Kunst ist, wird vermutlich ewig ein Geheimnis bleiben. Jeder Versuch sie zu fassen oder zu definieren, ist zum Scheitern verurteilt. Der große Pablo Picasso hat einmal gesagt: ‚Sie erwarten von mir, dass ich Ihnen sage und Ihnen definiere: Was ist Kunst? Wenn ich es wüsste, würde ich es für mich behalten.‘

Jedes Kunstwerk fasziniert uns durch eine Art Bedeutungsüberschuss, seine Aura und seine Magie, die selbst den Schöpfer vor das ein oder andere Rätsel stellt, was sich da durch seine Hand Bahn gebrochen hat. Die meisten der ‚guten‘ Kunstwerke behalten diese Aura und Magie, so dass man sich immer wieder aufs Neue mit ihnen beschäftigen kann.

Der große Maler August Macke hat über diese Vielschichtigkeit und Unergründlichkeit einmal gesagt: ‚Der Mensch äußert sein Leben in Formen. Jede Kunstform ist Äußerung seines inneren Lebens. Das Äußere der Kunstform ist ihr Inneres.‘ Soweit August Macke.“

Zum Schluß seiner Rede wünschte Laudator Jörg Bockow den Besuchern für ihren Rundgang über die ART KAMEN noch viele Überraschungen und Entdeckungen, Inspirationen sowie anregende Begegnungen. „Sie werden lange suchen müssen, um einen vergleichbaren Ort zu finden, wo die direkte Begegnung mit den Künstlern und ihren Kunstwerken derart offen und sympathisch ist. Die Kunst ist zum Greifen nah.“

ART Kamen / Stadthalle Kamen / Rathausplatz 2-4 / 59174 Kamen

www.kunsthaus-kasper.de

 

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