Der Kiepenkerl bloggt: Beruferaten

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Westfalen – „Können Sie mir sagen, wohin ich will?“ So hätte Karl Valentin vermutlich die Lage ironisch pointiert, in der sich etliche Schülerinnen und Schüler nach dem Turbo-Abitur befinden. Auf die einfache Frage wissen viele Schulabgänger häufig keine Antwort. Orientierungs- und Ratlosigkeit haben sich breit gemacht, denn es gibt unglaublich viele Möglichkeiten, sein Leben zu gestalten.
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Angehende Studenten oder Berufseinsteiger sollten möglichst früh lernen, selbst zu denken. Wirtschaft und Universität brauchen nämlich Planer und Entscheider, die wissen, wohin sie wollen – und das angestrebte Ziel kennen.

Gefragt sind:

  • Einsicht (Wissen und Verstehen),
  • Durchsicht (Analysieren und Organisieren),
  • Vorsicht (Einbinden und Bewerten),
  • Rücksicht (Öffnen für Anderes und Abschätzen der Risiken) und
    Weitsicht (Erkennen und Visionen folgen)

Die Entwicklung dieser Fähigkeiten haben Hubschrauber-Eltern häufig verhindert. Überfürsorgliche Eltern halten sich, wie ein Beobachtungs-Hubschrauber, ständig in der Nähe ihrer Kinder auf, um sie zu überwachen, zu behüten oder Entscheidungen für sie zu treffen. Der Erziehungsstil von Helicopter Parents ist geprägt von teilweise zwanghaftem Behütungswahn und exzessiver Einmischung in die Angelegenheiten der Heranwachsenden.

Weil Kinder solcher Heli-Eltern dauerhaft im Mittelpunkt stehen, fehlt ihnen die Orientierung an Vorbildern. Gleichzeitig werden ihnen eigene Entscheidungen verwehrt. Das Trainieren selbständigen Denkens und Handelns unterbleibt. Durch das Erfüllen aller materiellen Wünsche, oft ohne eigene Leistung, werden die Kids anspruchsvoll und entwickeln überzogene Forderungen. Auffällig häufig sind fehlende Problemlösefähigkeit, mangelnde Leistungsbereitschaft und Kompromissunwilligkeit.

Viele Heranwachsende sind deshalb, egal ob beruflich oder privat, irgendwann auf ein Ziel fixiert und suchen einen möglichst einfachen und schnellen Weg dorthin. Dabei haben sie den Blick nur auf das Ziel gerichtet, vergessen dabei aber, sich auf jeden Schritt zu konzentrieren und dessen ganzheitliche Bedeutung zu erkennen.

Bei genauerer Betrachtung ist der Weg zum Ziel häufig die größere Herausforderung und von größerer Bedeutung als die Zielerreichung selbst. Beruflich sollte es deswegen heißen: Der richtige Weg ist das Ziel.

Heiteres Beruferaten war eine Quizsendung, die von 1955 bis 1989 vom Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Ein Rateteam musste durch Ja-/Nein- bzw. Entscheidungsfragen die Berufe der Gäste erraten. Jedes Mitglied im Rateteam durfte so lange eine Frage stellen, bis es ein „Nein“ zur Antwort erhielt. Danach ging das Fragerecht an den Nächsten weiter. Entweder war die Runde nach dem zehnten „Nein“ für das Rateteam verloren oder der Beruf war erraten worden.

Am heiteren Beruferaten nahmen ausschließlich Gäste teil, die in ihrem Beruf erfolgreich waren. Ob die heutige Jugend mit ihrer Berufswahl glücklich wird, steht in den Sternen. Doch ein Trost bleibt: Führungskräfte, die nach dem Peter-Prinzip in der Hierarchie weit genug aufgestiegen sind, wenden sich leichtgläubig an einen Unternehmensberater. Auf die Frage: „Können Sie mir sagen, wohin ich will?“, erhalten sie gegen üppiges Honorar die gewünschte Antwort. Interessant ist, dass verschiedene Unternehmensberater dabei zu sehr unterschiedlichen Empfehlungen kommen können – natürlich „wohlbegründet“. Das rückt die Beratungen häufig in die Nähe von Wahrsagerei.

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