Industrie-Denkmäler erhalten – Wissen bündeln

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Bochum – Wie erhält man komplexe Industrie-Denkmäler und wie macht man das Wissen darüber möglichst effizient verfügbar? Mit diesen Fragen beschäftigt sich
aktuell ein Wissenschaftsteam des Deutschen Bergbaumuseums. „Der Wissenschatz zum Denkmalerhalt „ist immens“, so die Information des Museums, „mitunter jedoch nicht gebündelt oder zentral abrufbar. Ziel des Projekts ist es, Formen des Wissenstransfers aufzubauen, geeignete Vorgehensweisen zu etablieren sowie Orte und Medien der Vernetzung zu schaffen.“

Deutsches Bergbau-Museum Bochum, 2018, Kokerei Essen, Zeitalter der Kohle, Ausstellungsansichten – Foto Helena Grebe

Industriedenkmalpflege ist komplex

Denkmalpflege ist eine stete Herausforderung – im Bereich industriekultureller Objekte wächst sie zusätzlich mit der Komplexität der zu bewahrenden Gegenstände. Dies gilt insbesondere für technische Objekte des Steinkohlenbergbaus und Hüttenwesens. Im Deutschen Bergbau-Museum Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, arbeitet nun ein interdisziplinäres Team aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Heritage Conservation Center Ruhr (hcc.ruhr) daran, auf materialwissenschaftlicher Basis die Erhaltung und Konservierung dieser Objekte auf ein gesichertes Fundament zu stellen. Zugleich gilt es, durch die Vernetzung von Akteuren aus Wissenschaft, Bergbau und Kultur einen gemeinsamen, umfassenden Wissenspool aufzubauen.

Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff, Direktor Deutsches Bergbau-Museum Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen: „Als Deutsches Bergbau-Museum Bochum sind wir dem Auftrag verpflichtet, das materielle Erbe des Bergbaus zu sammeln, zu bewahren, zu erforschen, auszustellen und zu vermitteln. Mit dem hcc.ruhr bekommt unsere Arbeit einen neuen wertvollen Baustein, um gemeinsam mit unseren Kooperationspartnern in der Ruhrregion und darüber hinaus Fragen der Konservierung und des Erhaltens des industriekulturellen Erbes interdisziplinär vernetzt beantworten zu können.“

Für den Austausch zur Erhaltung von Industriedenkmalen, so die Information der Verantwortlichen, werden sowohl Expertinnen und Experten der unterschiedlichenFachrichtungen – wie Denkmalpflege, Architektur, Technikgeschichte, Materialwissenschaften, Konservierungsforschung oder Restaurierung – als auch Citizen Scientists und interessierte Bürgerinnen und Bürgern adressiert. Die Förderung und der Ausbau dieses interdisziplinären Austauschs stehen im Vordergrund. Bestandteile des Projektes sind neben fundierten wissenschaftlichen Untersuchungen und Analysen, die für zukünftige Vorhaben entsprechende Erkenntnisse liefern, daher auch der Ausbau einer Website sowie Formate zum Wissenstransfer und Dialog.

Außeruniversitäre Forschung und Hochschullehre verbinden

„Mit dem hcc.ruhr kooperieren nicht nur die Technische Hochschule Georg Agricola und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum erstmals umfassend miteinander. Wir schaffen es damit, außeruniversitäre Forschung und Hochschullehre symbiotisch miteinander zu verbinden und die Öffentlichkeit für die Bewahrung von Industriekultur zu sensibilisieren“, erläutert Prof. Dr. Michael Prange, Forschungsbereichsleiter Materialkunde & Forschungslabor beim Deutsches Bergbau-Museum Bochum und Vizepräsident für Forschung, Entwicklung und Transfer der Technischen Hochschule Georg Agricola.

Projekt wird drei Jahre gefördert

Das Projekt hcc.ruhr ist vorerst auf drei Jahre angelegt. Gefördert wird es von der Leibniz-Gemeinschaft. Im Mittelpunkt steht dabei die Sammlung und Verbreitung des Wissens aus den Ingenieurwissenschaften, der Chemie und den Kulturwissenschaften. Begleitend zum Projekt wird ein Masterstudiengang „Material Engineering and Industrial Heritage Conservation“ zur Vernetzung von Wissenschaft und Praxis eingerichtet werden. Kooperations- und Netzwerkpartner sind die Technische Hochschule Georg Agricola (THGA) sowie die Stiftung Zollverein. So bietet die THGA das wissenschaftliche Forschungsumfeld und die akademische Ausbildung. Die Stiftung Zollverein ist nicht nur Kooperationspartner, sondern als UNESCO-Welterbe Zollverein selbst auch bedeutender industriekultureller Forschungsgegenstand. Zudem wird auf dem Gelände ein Ort des Austauschs entstehen, der mit vielfältigen Formaten für Wissenstransfer sorgt und an dem das industriekulturelle Erbe Zollverein materialwisschenschaftlich beforscht wird.

Weitere Informationen zum Heritage Conservation Center Ruhr erhalten Sie auf der Projektwebsite: www.bergbaumuseum.de/hcc-ruhr

Deutsches Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen
Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum – gegründet 1930 – ist eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft. Erforscht, vermittelt und bewahrt wird epochenübergreifend die Geschichte der Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung von Georessourcen. Zu den forschenden Bereichen gehören: Archäometallurgie, Bergbaugeschichte, Materialkunde, Montanarchäologie sowie das Forschungslabor und das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok).

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