Sundern – Krippe ruft zu Spenden für Beirut auf

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Die Weihnachtskrippe 2020 im Schlosshof des Hauses Amecke in Sundern erinnert an die Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut und ruft zu Spenden auf. 190 Menschen kamen am 4. August 2020 nach offiziellen Angaben ums Leben, Tausende erlitten Verletzungen. Nach UN-Angaben wurden 8000 Gebäude beschädigt, 300.000 Beiruterinnen und Beiruter hatten kein Zuhause mehr.

Die Weihnachtskrippe im Schlosshof von Haus Amecke in Sundern

Die Weihnachtskrippe im Schlosshof von Haus Amecke in Sundern erinnert an die Explosionskatastrophe vom 4. August 2020 und ruft zur Unterstützung der Menschen in Beirut auf – www.boxesforbeirut.com. Foto: privat

Im Haus Amecke war die Krippenfeier am 24. Dezember zum Anlass zur Hilfsbereitschaft aufzurufen, berichtet Katharina Freifrau von Wrede in einer Pressemitteilung. Sie ruft dazu auf, „Boxes for Beirut‟ zu unterstützen. Diese Initiative wurde von jungen Menschen gegründet, die im Rahmen des „Caravan Projektes‟ des Malteserordens Beirut gut kennen, dort ehrenamtlich viele Monate soziale Arbeit geleistet haben.

„Das Beirut, was ich mal kannte, existiert so nicht mehr“

Einer von ihnen ist Boxes-of-Beirut-Mitbegründer/Co-Founder – Jakob La Rosee. Er hat 2015 ein Jahr im Libanon verbracht. „Das Land, das vorher schon am Abgrund stand, wurde durch die Katastrophe noch einmal mehr in die Tiefe gestürzt‟, begründet er seinen Entschluss, vor Ort zu helfen, sich auf den Weg zu den Freunden in Beirut zu machen. „Ich war nicht auf das Ausmaß der Zerstörungen vorbereitet‟, berichtet am 5. September im Interview mit dem Domradio des Erzbistums Köln. Was er zuvor an Berichten sah und las, habe den tatsächlichen Eindruck vor Ort nicht wiedergeben können. „Der war extrem schockierend‟, so La Rosee, „es war herzzerreißend, dass das Beirut, was ich mal kannte, so nicht mehr existiert.‟

„Wo wir gefühlt gestern noch gebruncht haben, ist heute gar nichts mehr‟, berichtet Boxes-for-Beirut-Co-Founderin Maria Waldorf, ebenfalls Caravan-Ehemalige, Anfang Oktober im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten über ihre Betroffenheit. Die 22-Jährige weist besorgt darauf hin, dass diese Katastrophe für viele junge Menschen ein Trauma ist, das ihnen die Hoffnung nimmt auf eine Wende zum Guten in ihrem Land. Diesen Eindruck hat auch Jakob La Rosee. Er berichtet im Domradio-Interview von den Folgen, die das Trauma auf seinen Beiruter Freundeskreis hat: „Bis auf eine Person wollen alle das Land verlassen.‟

Schon vor der Explosion große Probleme im Libanon

Schon vor der Explosionskatastrophe gab es große Probleme im Libanon und in Beirut. Die Bevölkerung protestierte gegen die Zustände im Land. Besonders junge Menschen forderten eine Zukunftsperspektive ein. Durch die Corona-Pandemie sind die Probleme des Landes noch größer geworden. Bereits im Juli 2020 titelte die Welt: „Jetzt steht die ‚Schweiz des Ostens‘ vor dem Zusammenbruch‟.

Die Bezeichnung „Schweiz des Ostens‟ geht auf Zeiten zurück, in denen der Libanon ein wirtschaftlich blühendes Land war, mit der Metropolregion Beirut als die konfessionell vielfältigste Stadt des Nahen Ostens. Diese wirtschaftliche Blüte endete 1975, als in Beirut ein 15 Jahre währender Bürgerkrieg begann. Durch das Kriegsgeschehen wurde die Stadt in erheblichem Maße zerstört. Es veränderte sich auch die zuvor gelebte Vielfalt im Zentrum der Metropole. Ein muslimischer Westen und ein christlicher Osten entstand. Die religiöse Entmischung hat Bestand (Wikipedia).

„Offenherzige Menschen und grandiose Gastfreundschaft“

Trotzdem ist der Libanon ein Land und Beirut eine Stadt, in die man sich verlieben kann, berichtet der Bielefelder Johannes von Wrede. Bei Boxes for Beirut ist er für die Finanzen zuständig. Im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten schwärmt er: „Atemberaubende Landschaft, die Offenherzigkeit der Menschen und eine tatsächlich grandiose Gastfreundschaft.“ Der 25-Jährige war vor fünf Jahren zehn Monate als Ehrenamtlicher in Beirut, fand Freunde, hält Kontakt und fliegt, wenn’s geht, jedes Jahr wieder hin.

Das gilt auch für Marcus von Wrede aus Schloss Holte-Stukenbrock, „Leader‟ und einer der vier Co-Founder beim Boxes-for-Beirut-Projekt. Die Großzügigkeit und Offenherzigkeit der Menschen „ist kaum in Worte zu fassen‟, so der 22-Jährige Ende August im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Nach der Explosion am 4. August hatte eine Freundin im Libanon die Idee, Lebensmittelpakete zu packen. Der Münsteraner Student und drei weitere ehemalige Caravan-Teilnehmerinnen sagten sofort ihre Hilfe zu. Zwei Tage nach der Explosion startete das Projekt mit einem Spendenaufruf auf der Plattform betterplace.me. Über 36.000 Euro stehen dort am 28. Dezember zu Buche. Mit dem Geld, so die Projektinformation auf Projektseite boxesforbeirut.com, konnten vor Ort 1270 Lebensmittelboxen, 1000 Hygieneboxen verteilt und sieben Wohnungen/Häuser instandgesetzt werden.

Hoffnungslosigkeit – Junge Generation braucht eine Perspektive

So sehr die bisherige Hilfsbereitschaft das gewachsene Team der Helferinnen und Helfer freut; mit Lebensmitteln, Hygieneartikeln und vereinzelten Instandsetzungen ist es perspektivisch nicht getan. In der jungen Generation herrscht Hoffnungslosigkeit. Jakob La Rosee erläutert im Domradio-Interview: „Wir brauchen vor allem auch Spenden, um langfristig in der Lage zu sein etwas aufzubauen.‟ Eine Perspektive für die entmutigten Menschen ist wichtig. La Rosee: „Wer kümmert sich sonst darum, dass es hier (in Beirut) vernünftig weitergeht?‟

Einen weihnachtlichen Beitrag zu etwas mehr Hoffnung will die Krippe im Schlosshof von Haus Amecke in Sundern leisten. Sie zeigt das Krippengeschehen der Heiligen Nacht vor einem großen Bild der Bucht von Beirut, aufgenommen 2019 in Harissa, einer christlichen Pilgerstätte im Libanon. Sie zeigt auch in Mitleidenschaft gezogene Krippenfiguren neben einem Bild der Zerstörungen in Beirut.

Und es gibt eine Botschaft zu lesen: „Don’t stop talking about Lebanon!‟

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