Tatjana Doll erhält Konrad-von-Soest-Preis

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Münster – Die Künstlerin Tatjana Doll hat am Donnerstag (21.2.) in Münster den Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) erhalten. LWL-Direktor Matthias Löb überreichte im LWL-Museum für Kunst und Kultur den mit 12.800 Euro dotierten Preis an die aus Steinfurt stammende Künstlerin. Gleichzeitig eröffnete er die Ausstellung “Tatjana Doll. Nicht vorbeigehen” mit unveröffentlichten Werken der Künstlerin, die noch bis zum 2. Juni im LWL-Museum zu sehen ist. Eine Jury unter dem Vorsitz von Löb hatte Doll den Preis zuerkannt. “Die malerische Position von Tatjana Doll überzeugt mit einer schöpferischen Konsistenz und einem expressiven Gestus”, so Jury-Vorsitzender Löb.

Tatjana Doll und LWL-Direktor Matthias Löb in der Ausstellung. Foto: LWL/Frey
© VG Bild-Kunst, Bonn 2019

“Gegenständliche Motive sowie geometrisch-abstrakte Kompositionselemente kombiniert die Künstlerin zumeist in Bildserien und bearbeitet diese in die Tiefe über einen längeren Zeitraum hinweg”, begründet die Jury ihre Entscheidung. “Die hohe Qualität von Rückbezügen auf Felder der Kunstgeschichte, auf piktorale und gestische Zeichensysteme verschiedener Herkunft, die Verwendung kultureller Versatzstücke und der Unterhaltungskultur bestärkte die Jury in ihrer Entscheidung. Die Künstlerin kontextualisiert ihre eigene künstlerische Position politisch und kulturell mittels ihrer Bilder, lässt die Bewertung dieses Vorgehens jedoch offen. Somit sind Debatten nicht ausgeschlossen, sondern die Rezipientinnen und Rezipienten zu eigenem Urteilen aufgefordert und auch zur Befragung des eigenen Urteils. Insofern ist das Werk auf eine produktiv streitbare Art demokratisch und offen für Diskussionen.”

Tatjana Doll (3.v.l.) freut sich über den Konrad-von-Soest-Preis 2018. Mit ihr freuen sich LWL-Kämmerer Dr. Georg Lunemann (v.l.), LWL-Direktor Matthias Löb, Dieter Gebhard, Vorsitzender der Landschaftsversammlung, LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger und Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur.
Foto: LWL/Frey

Zur Ausstellung
In ihren großformatigen Gemälden beschäftigt sich Doll mit einer Bildsprache des Alltags. Öffentliche Hinweisschilder und Symbole sowie Luxusgüter und Marken dienen ihr dabei ebenso als Inspiration wie Informationsmedien, Unterhaltungskultur oder Werke der Kunstgeschichte.

Tatjana Doll, RIP_I like America and America likes me, 2018. Foto: LWL © VG Bild-Kunst, Bonn 2019

In ihren Arbeiten spiegelt sich immer wieder eine Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Kunst und Öffentlichkeit – sei es durch das Motiv selbst oder aber durch die Installation der Werke im öffentlichen Raum. Diesem Interesse folgend wurde im Foyer des Museums – als öffentlicher Veranstaltungs- und Transitraum – ein monumentales Werk aus ihrer Serie der Piktogramme installiert.

Piktogramme, zum Beispiel in Form von Wegweisern und Hinweisschildern, dienen dazu, das öffentliche Leben zu regeln. Indem Tatjana Doll diese standardisierten Zeichen und Symbole in ein monumentales Bildformat versetzt, führt die Künstlerin die eigentliche Funktionalität dieser Piktogramme – nämlich ihre schnelle Erfassbarkeit – ad absurdum. Ein ähnlicher Effekt stellt sich ein, wenn Tatjana Doll ihre Werke im öffentlichen Raum installiert und somit die auf die Leinwand gebannten Piktogramme wieder an ihren eigentlichen Wirkungsort zurückbringt.

Die Ausstellung setzt sich im zweiten Geschoss des Lichthofes mit weiteren monumentalen Werken fort. Unter anderem ist ein Werk aus der Truck-Serie zu sehen, das die Faszination der Künstlerin für knallige Verkehrsmittel widerspiegelt. Zudem zeigt Doll zwei Werke aus ihrer RIP-Serie. Hier nutzt die Künstlerin Werke aus der Kunstgeschichte als Grundlage, wie beispielsweise ein Gemälde des belgischen Symbolisten James Ensor. Doch auch medial allgegenwärtige Bilder aus der Popkultur – wie das berühmt-berüchtigte Balkonbild von Michael Jackson – dienen ihr als visuelles Vorbild, das sie in die ihre eigene Bildsprache transformiert.

Ein Künstlergespräch zwischen Tatjana Doll und dem Kunstkritiker Ulrich Loock sowie eine Führung mit der Kuratorin Kristin Bartels geben einen Einblick in die gezeigten Arbeiten:

Freitag, 8. März, 17.30 Uhr
Künstlerinnengespräch: Ulrich Loock, freier Kurator und Kritiker, im Gespräch mit Tatjana Doll über Malerei und Zeichensysteme

Freitag, 22. März 2019, 14 Uhr
Kuratorinnenführung mit Kristin Bartels

Anlässlich der Ausstellung erscheint das Künstlerbuch “Siehe F, Free Speech Zones” (Verbrecher Verlag) und die Edition “Nicht vorbeigehen”. Publikation und Edition können im Museumsshop Walther König erworben werden.

Zur Person
Tatjana Doll wurde 1970 in Burgsteinfurt in Nordrhein-Westfalen geboren und studierte Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Von 2005 bis 2006 war sie Gastprofessorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, seit 2009 ist sie Professorin für Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. In den letzten Jahren folgten Arbeitsaufenthalte u. a. in New York, in Istanbul und sowie in Rom.

Die Künstlerin hat in zahlreichen nationalen und internationalen Institutionen, u.a. in Basel, Lissabon, Paris und Tokyo, ausgestellt und wurde in den letzten Jahren mehrfach ausgezeichnet, darunter 2016 mit dem Hannah-Höch-Förderpreis Berlin. Im Herbst 2019 wird sie zudem als Stipendiatin an der renommierten Villa Massimo in Rom residieren. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin und Johannesburg.

Zum Preis
Im Wechsel mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis für Literatur und dem Hans-Werner-Henze-Preis für Neue Musik verleiht der LWL seit 1952 den Konrad-von-Soest-Preis für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der bildenden Künste. Der mit 12.800 Euro dotierte Preis wird an Künstler aus Westfalen-Lippe vergeben. Die Reihe der Geehrten beginnt in den fünfziger Jahren mit Fritz Winter, Emil Schumacher und Josef Albers. Weitere namhafte Künstler wie Otto Piene (1968), Bernd und Hilla Becher (1980), Rosemarie Trockel (1992) und Martin Kippenberger (1996) wurden mit dem Preis ausgezeichnet. Zuletzt erhielt 2016 Andreas Siekmann den Preis.


 

 


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