Wasserstoff tanken bei Westfalen AG

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Münster – Nach einem enttäuschenden Vorjahr verlief die wirtschaftliche Entwicklung der Westfalen Gruppe im Geschäftsjahr 2015 wieder deutlich positiver. “Das Ergebnis vor Steuern (EBT) stieg im Konzern um gewaltige 30,5 Millionen Euro von 1,5 auf 32,0 Millionen”, erklärte der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Fritsch-Albert auf der Bilanzpressekonferenz der Westfalen AG am 12. Juli. Im Vorjahr waren in den Bereichsergebnissen Energieversorgung und Tankstellen erhebliche Effekte aus dem Verfall der Preise für Mineralölprodukte enthalten. Der Konzernumsatz im Geschäftsjahr 2015 liegt mit 1,65 Milliarden Euro um 129,8 Millionen Euro oder 7,3 Prozent unter dem des Vorjahres (1,78 Milliarden Euro). Umsatzmindernd wirkten sich im Bereich Energieversorgung und bei den Tankstellen der Rückgang des Preisniveaus für Flüssiggas und Kraftstoffe aus. „Mit unserer Markenstärke, hoher Servicequalität und persönlichem Einsatz konnten wir die Margen jedoch deutlich steigern“, erläuterte Fritsch-Albert die Bilanzzahlen.

Die Westfalen AG baut in Zusammenarbeit mit der Clean Energy Partnership (CEP) eine Wasserstoff-Betankungsanlage

Treibstoff der Zukunft: Die Fertigstellung der Wasserstoff-Tankstelle an der Westfalen Station in Münster-Amelsbüren ist für Ende 2016 geplant. Foto: Westfalen AG

Höhere Absätze und positive Margenentwicklungen – insbesondere bei Sondergasen und flüssigen Industriegasen – führten im Bereich Gase gegenüber Vorjahr zu Ergebnisverbesserungen, die die Erwartungen übertrafen. “Die Patentanmeldung eines neuen Verfahrens in der Schweißtechnik für das Rapid-Prototyping mit dem MAG-Verfahren und einer Argon- Flüssigkühlung spart Rohstoffe sowie Fertigungszeiten und beweist die Innovationskraft der Westfalen Gruppe”, erklärte der Chef der Westfalen AG dazu. Unter dem Markennamen Corpadur® hat die Westfalen Gruppe im Berichtsjahr ihr Medizinprodukt-Portfolio mit dem medizinischen Gas Kohlendioxid aus eigener Herstellung erweitert. Im Mai 2015 erwarb Westfalen 80 Prozent der Anteile an der Medica-Technik GmbH. Die Medica-Technik ist ein Spezialunternehmen für Homecare, Medizin- und Rehatechnik mit Hauptsitz in Brachbach im Siegerland. Ausgestattet mit einer gestärkten Kapitalbasis soll sich die Wachstumsstrategie der Medica-Technik auf das deutschlandweit profitable Neugeschäft mit Produkten und Dienstleistungen zur Sauerstoff-Langzeittherapie konzentrieren.

Die Entwicklung unserer ausländischen Tochtergesellschaften verlief sehr unterschiedlich, so Fritsch-Albert weiter. Besser als geplant hätten sich vor allem die Tochtergesellschaften in Belgien und der Schweiz entwickelt. “Dagegen konnten die Töchter in Österreich und Frankreich die Ergebniserwartungen nicht erfüllen.”

Der Absatz von Mineralölprodukten konnte 2015 gegenüber dem Vorjahr insgesamt leicht gesteigert werden, die Brenngasabsätze lagen aufgrund der hohen Durchschnittstemperaturen zum Jahresende erneut unter den Erwartungen. Aufgrund des niedrigeren Preisniveaus für Flüssiggas waren die Umsatzerlöse deutlich niedriger als im Vorjahr. Erfreulich waren sowohl die Steigerung der Erdgas- und Stromlieferverträge auf rund 13.800 (Vorjahr rund 10.000) als auch der Absatz der im Vorjahr eingeführten Treibgasflasche Conneo.

Die Tankstellen der Westfalen AG konnten ihre Kraftstoffabsätze 2015 “erfreulich” steigern, die Umsätze in diesem Bereich sind wegen des niedrigen Preisniveaus für Kraftstoffe aber trotzdem deutlich gesunken. Dank stabiler Margen, Absatzsteigerungen insbesondere bei Dieselkraftstoffen und der anhaltend positiven Entwicklung des Wasch-, Shop- und Bistrogeschäfts lag das Ergebnis nichtsdestotrotz über Vorjahr und über Plan. Für das Tankstellenkonzept erhielt die im Vorjahr eröffnete Tankstelle in Münster-Amelsbüren den Innovationspreis der Tankstellenbranche. Ausgezeichnet wurde insbesondere der deutschlandweit erste Drive-in-Schalter für Tankstellen-Shop und -Gastronomie. Mit der vereinbarten Kartenakzeptanz zwischen der AVIA Mineralöl-AG, München, und der Westfalen AG wird die Westfalen Service Card seit Anfang 2016 von rund 800 AVIA Tankstellen angenommen, berichtete der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens weiter. “Damit ist unsere Westfalen Service Card mit 5.500 Stationen die am häufigsten akzeptierte Tankkarte in Deutschland.”

Zum 31. Dezember 2015 waren bei der Westfalen Gruppe europaweit 1.670 Mitarbeiter beschäftigt, insgesamt 246 oder 17,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Hauptursache für diesen starken Anstieg der Beschäftigten war die Mehrheitsbeteiligung an der Medica-Technik GmbH. Die Westfalen Gruppe ist nach einer Erhebung von Focus Spezial in Zusammenarbeit mit der Arbeitgeber-Bewertungsplattform kununu im vierten Jahr in Folge unter den besten Arbeitgebern in Deutschland.

Im Geschäftsjahr 2015 investierte die Westfalen Gruppe im Konzern 46,5 Millionen Euro (Vorjahr 51,0 Mllionen Euro). Größere Investitionen im Bereich Gase betrafen die Mehrheitsbeteiligung an der Medica-Technik GmbH, den Ausbau des Gasegeschäfts im Ausland sowie Erweiterungs-, Rationalisierungs- und Restrukturierungsmaßnahmen. „Investiert haben wir auch in den Ausbau unseres Tankstellennetzes. Vor wenigen Tagen haben wir in Kerpen nach nur sechsmonatiger Bauzeit die erste Lkw-Hochleistungswaschanlage unter dem Namen Westfalen Truck Wash eröffnet“, erklärte Westfalen Vertriebsvorstand Reiner Ropohl. Vor einigen Monaten kam bereits eine weitere Westfalen Tankstelle im Rheinland in Köln-Lövenich dazu. „Besonders stolz sind wir auf unser Leuchtturmprojekt in Münster-Amelsbüren. Hier bieten wir, einzigartig in Deutschland, einen Drive-in-Schalter für Tankstellen-Shop und -Gastronomie.“ Damit nicht genug. Münster-Amelsbüren setze ein wichtiges Zeichen bei den alternativen Antriebsenergien. „Zurzeit entsteht hier unsere
erste Wasserstoff-Tankstelle für die Betankung von Elektrofahrzeugen, die mit Brennstoffzellentechnik angetrieben werden“, so Ropohl weiter.

Alter und neu im Vorstand der Westfalen AG (v.l.): Reiner Ropohl, der neue Finanzvorstand Torsten Jagdt, der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Fritsch-Albert, Dr. Meike Schäffler, seit Juli zuständig für Personal und Technik, und der zum Jahresende aus Altersgründen ausscheidende bisherige Finanzvorstand Dr. Carsten Wilken

Alter und neuer Vorstand der Westfalen AG: Vertriebschef Reiner Ropohl, der neue Finanzvorstand Torsten Jagdt, Wolfgang Fritsch-Albert, Dr. Meike Schäffler, seit Juli zuständig für Personal und Technik, und der zum Jahresende ausscheidende bisherige Finanzvorstand Dr. Carsten Wilken (v.l.). Foto: Westfalen AG

Das laufende Geschäftsjahr sehen Vorstandschef Fritsch-Albert, Vertriebsvorstand Reiner Ropohl und der zum Jahresende ausscheidende Finanzvorstand Dr. Carsten Wilken bei der Ergebnisplanung eher zurückhaltend. Für den Bereich Gase erwartet Westfalen bei steigenden Absätzen und höheren Umsätzen eine leichte Verbesserung der Ergebnisse. Im Bereich Energieversorgung geht das Unternehmen 2016 im Vergleich zu 2015 von kälteren Jahresdurchschnittstemperaturen und daher von Absatz- und Umsatzsteigerungen für Westfalengas aus. Ferner erwartet das Unternehmen einen weiteren Anstieg bei Erdgas- und Stromverträgen sowie weitere Vermarktungserfolge bei der Treibgasflasche Conneo und der neuen Grillgasflasche Grillmeister. Im Bereich Tankstellen hängt die Ergebnisentwicklung stark von der Veränderung der Kraftstoffmargen ab. Fritsch-Albert: “Die hohe Preisvolatilität der Mineralölprodukte und der Wettbewerbsdruck erschweren die Ergebnisprognose.”

Die Westfalen AG will künftig verstärkt als Vollversorger beim Kunden auftreten und Synergien aus dem Angebot segmentübergreifender Produkte nutzen. Dazu müssen neue leistungsfähige IT-Systeme die umfassende Information der Mitarbeiter im Kundenkontakt sicherstellen – eines der Aufgabenfelder für die neu berufenen Vorstandsmitglieder Dr. Meike Schäffler und Torsten Jagdt. Die promovierte Mathematikerin Schäffler kommt von Benteler Stahl und hat zum 1. Juli 2016 das neu geschaffene Vorstandsressort Personal & Zentrale Dienste, IT sowie Produktion, Ingenieurtechnik und Tankläger (PIT) übernommen. Diplomökonom Torsten Jagdt war zuletzt kaufmännischer Geschäftsführer bei der TROX GmbH in Neukirchen-Vluyn und tritt die Nachfolge von Dr. Wilken als Vorstand Finanzen an.

www.westfalen-ag.de


 

 


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